Direkt zum Inhalt

Lambda gründet eigene Stiftung 1,5 Millionen Euro als langfristiges Ziel

Von ms - 16.09.2026 - 15:00 Uhr
Lambda gründet eigene Stiftung
Foto: IMAGO / Hanno Bode
ANZEIGE
Loading audio player...

Das Jugendnetzwerk Lambda baut derzeit eine eigene Jugendstiftung auf. Unter dem Leitgedanken „Wir sind gekommen, um zu bleiben“ soll die Stiftung dazu beitragen, die Selbstorganisation queerer junger Menschen langfristig zu sichern und auch künftigen Generationen eigene Räume, politische Selbstvertretung und Möglichkeiten für eigene Projekte zu erhalten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Jugendnetzwerk Lambda baut derzeit eine eigene Jugendstiftung auf.
  • Anlass ist unter anderem die Kündigung der Rahmenvereinbarung durch das Bundesjugendministerium zum Jahresende.
  • Ab 2027 fällt damit die zentrale Strukturförderung des Verbands weg.
  • Lambda spricht von einer erheblichen Finanzierungslücke für die über Jahrzehnte aufgebaute bundesweite Jugendverbandsstruktur.
  • Gespräche mit dem Bundesministerium über eine mögliche Projektförderung laufen weiter.
  • Lambda betont jedoch, dass Projektmittel die bisherige Rahmenförderung nicht ersetzen können.
  • Die Jugendstiftung startet mit einem Grundstockvermögen von knapp 75.000 Euro.
  • Langfristig soll das Stiftungsvermögen auf rund 1,5 Millionen Euro anwachsen.
  • Aus den Erträgen sollen unter anderem zentrale Strukturen der queeren Jugendverbandsarbeit mitfinanziert werden.

Queere Jugendstrukturen absichern

Die Entscheidung für die Gründung fiel bereits im vergangenen Jahr bei der Mitgliederversammlung des Jugendnetzwerks. Damals stand die grundsätzliche Frage im Mittelpunkt, wie sich Strukturen schaffen lassen, die queere Jugendarbeit dauerhaft unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen absichern. Inzwischen hat sich diese langfristige Zukunftsfrage nach Angaben des Verbands zu einer akuten Finanzierungsfrage entwickelt. Das Bundesjugendministerium hat die bestehende Rahmenvereinbarung mit Lambda zum Jahresende gekündigt. Damit entfällt ab 2027 die zentrale Strukturförderung. Für den Verband entsteht dadurch eine erhebliche Finanzierungslücke. „Eine einzige politische Entscheidung bedroht gerade die Existenz unseres Jugendverbands. Genau deshalb müssen wir jetzt Maßnahmen ergreifen, um dafür zu sorgen, dass queere Jugendarbeit künftig nie wieder in diesem Ausmaß gefährdet werden kann. Wir sind gekommen, um zu bleiben!“, so der Vorstand des Jugendnetzwerks.

Gespräche über Förderung laufen weiter

Die Gespräche mit dem Bundesministerium sind nach Angaben von Lambda noch nicht abgeschlossen. Auch die Verhandlungen über eine mögliche Projektförderung würden derzeit konkreter. Eine solche Förderung könne die bisherige Rahmenförderung aus Sicht des Jugendnetzwerks allerdings nicht ersetzen. Während Projektmittel auf zeitlich und inhaltlich begrenzte Vorhaben ausgerichtet sind, finanziert eine Rahmenförderung die grundlegenden Strukturen, auf denen diese Projekte aufbauen. Lambda hält deshalb an dem Ziel einer verlässlichen Rahmenvereinbarung fest. Neben den Gesprächen mit dem Bundesministerium setzt der Verband auch auf das parlamentarische Haushaltsverfahren. Dort soll versucht werden, die Kündigung der Rahmenvereinbarung politisch zu korrigieren.

Der Vorstand stellt zugleich klar, dass die geplante Stiftung nicht als Ersatz für eine öffentliche Finanzierung gedacht ist, sondern diese lediglich ergänzen soll. „Jugendverbandsarbeit erfüllt eine öffentliche Aufgabe und muss auch künftig verlässlich öffentlich gefördert werden. Gleichzeitig zeigt uns die aktuelle Situation, wie wichtig verlässliche und vielfältige Förderstrukturen sind, damit gute Arbeit langfristig gesichert und weiterentwickelt werden kann.“

Stiftung soll laufende Arbeit absichern

Die Jugendstiftung Lambda soll langfristig vor allem die Kernkosten der queeren Jugendverbandsarbeit absichern. Dazu zählen nach Angaben des Verbands unter anderem die Qualifizierung und Begleitung Ehrenamtlicher, der Betrieb der Geschäftsstelle, die Finanz- und Mitgliederverwaltung sowie die politische Interessenvertretung. Darüber hinaus soll die Stiftung Spielraum für neue Vorhaben schaffen. Projekte und Angebote könnten dadurch auch dann entwickelt werden, wenn gerade kein passender öffentlicher Fördertopf zur Verfügung steht. Eine eigene Finanzierungsquelle soll zudem helfen, bestehende Strukturen bei künftigen Förderausfällen, politischen Veränderungen oder anderen Finanzierungskrisen zu stabilisieren.

Junge Menschen sollen mitentscheiden

Das Prinzip der Selbstorganisation soll auch innerhalb der Stiftung eine zentrale Rolle spielen. Nach der vorgesehenen Satzung sind Altersquoten für die Besetzung des Stiftungsrats vorgesehen. Damit sollen junge Menschen von Anfang an an der strategischen Ausrichtung beteiligt werden. Die Jugendstiftung Lambda versteht sich ausdrücklich als eine Stiftung mit und von jungen Menschen. Zum Start verfügt die Stiftung über ein Grundstockvermögen von knapp 75.000 Euro. Dieses Kapital soll in den kommenden Jahren schrittweise wachsen. Als langfristiges Ziel nennt Lambda derzeit rund 1,5 Millionen Euro. Aus den Erträgen dieses Vermögens sollen künftig wesentliche Teile der Kernarbeit des Jugendverbands dauerhaft mitfinanziert werden.

Den ersten wichtigen Schritt beim Aufbau des Grundstockvermögens hat das Jugendnetzwerk nach eigenen Angaben bereits geschafft. Für den weiteren Aufbau der Stiftung sei nun zusätzliche Unterstützung notwendig. Dabei richtet sich Lambda insbesondere an Menschen, die finanziell in der Lage sind, mit größeren Zustiftungen zum langfristigen Aufbau des Stiftungsvermögens beizutragen. „Wir können dieses Grundstockvermögen nicht alleine aufbauen. Dafür brauchen wir Menschen, die bereit sind, einen Teil ihres Kapitals langfristig in die Zukunft queerer junger Menschen zu investieren. Wer heute zustiftet, hilft dabei, queere Jugendstrukturen für kommende Generationen abzusichern.“ Unabhängig vom Aufbau der Stiftung bittet das Jugendnetzwerk weiterhin um direkte Spenden. Bei der Verwendung der verfügbaren Mittel haben nach Angaben von Lambda mehrere Bereiche Priorität. Dazu gehören die Geschäftsstelle als zentrale Grundstruktur des Verbands, die Qualifizierung und Begleitung der Ehrenamtlichen sowie der Betrieb des digitalen queeren Jugendzentrums lambda space.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neue Meldeverordnung In BW

Queere Verbände schlagen Alarm

Eine neue Meldeverordnung in Baden-Württemberg sorgt für Kritik. Eine Petition soll jetzt die automatische Weitergabe sensibler Daten verhindern.
Queere Vielfalt im Tierreich

Wenn Widder auf Widder stehen

Manche Widder bevorzugen andere Männchen. Gleichgeschlechtliches Verhalten ist weit verbreitet – was Studien zeigen und wo Vergleiche hinken.
Ältere Brüder, schwule Söhne?

Was die Forschung wirklich zeigt

Ältere Brüder und schwule Söhne: Studien finden Zusammenhänge. Doch die Ursache ist nicht bewiesen – und die Statistik bleibt umstritten.
Dresden holt den EuroPride

Rückkehr nach 25 Jahren

Dresden richtet den EuroPride 2029 aus. Nach 25 Jahren kehrt das europäische Pride-Event nach Deutschland zurück. Das Motto setzt auf Brücken.
Streit um Pornoseiten

Sperren vorerst gestoppt

Pornhub und YouPorn müssen vorerst nicht gesperrt werden. Das OVG NRW verweist auf EU-Recht. Der Streit um wirksamen Jugendschutz geht weiter.
Empörung auf Bestellung

Ragebait ist Jugendwort 2026

„Ragebait“ ist das Jugendwort 2026. Was der Begriff bedeutet, warum Provokation Reichweite bringt und was die LGBTIQ+-Community daraus lernen kann.
Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.