Direkt zum Inhalt

Sexpositive Menschen Stadtrat stimmt für mehr Rechte für nicht-monogame Menschen

Von ms - 16.09.2026 - 16:00 Uhr
Sexpositive Menschen
Foto: AI GENERATED - FASH Medien
ANZEIGE
Loading audio player...

In Seattle sollen künftig auch Menschen, die in einvernehmlichen nicht-monogamen Beziehungen leben, ausdrücklich vor bestimmten Formen der Diskriminierung geschützt werden. Der Stadtrat verabschiedete dazu jetzt einstimmig eine entsprechende Regelung.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Stadtrat von Seattle hat einstimmig eine Regelung zum Schutz nicht-monogamer Menschen beschlossen.
  • Auch weitere sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten werden nach dem örtlichen Recht als geschützte Gruppen anerkannt.
  • Seattle ist die zehnte US-Stadt mit einem solchen Schutz und bislang die größte.
  • Befürworter verweisen auf Diskriminierung nicht-monogamer Menschen bei der Wohnungssuche, am Arbeitsplatz oder im Gesundheitswesen.
  • Bis zu 20 Prozent der Nordamerikaner haben bereits im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit einvernehmlicher Nicht-Monogamie gemacht.
  • Das Gesetz soll zum Juni 2027 in Kraft treten und neben Wohnen und Beschäftigung auch diskriminierungsfreie Begegnungen mit der Polizei gewährleisten.
  • Aktivisten arbeiten nach eigenen Angaben an vergleichbaren Regelungen in weiteren Großstädten wie Baltimore, Denver, Los Angeles und San Francisco.

Antidiskriminierungsschutz ausgeweitet

Der neue Schutz umfasst neben nicht-monogamen Menschen auch Mehrgenerationenhaushalte. Darüber hinaus werden weitere sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten in den Kreis der nach örtlichem Recht geschützten Gruppen aufgenommen. Seattle ist damit die zehnte US-Stadt, die einen solchen rechtlichen Schutz beschlossen hat. Zugleich ist die Stadt die bislang größte Kommune, die eine entsprechende Regelung eingeführt hat. Zuvor hatten unter anderem Cambridge und Somerville im Großraum Boston sowie Berkeley und Oakland in der kalifornischen Bay Area ähnliche Maßnahmen verabschiedet. Befürworter argumentieren, Kommunen müssten die unterschiedlichen Familien- und Beziehungsformen berücksichtigen, die tatsächlich existierten. Gesetze dürften sich nicht ausschließlich an den Familienmodellen orientieren, die besonders leicht rechtlich zu definieren seien.

Verbreitung nicht-monogamer Beziehungen

Nach Angaben des Stadtrats haben zwischen 10 und 20 Prozent der Nordamerikaner irgendwann in ihrem Leben bereits eine einvernehmliche nicht-monogame Beziehung geführt. Rund fünf Prozent lebten derzeit in einer solchen Beziehungsform. Auch Diskriminierung sei demnach keine seltene Erfahrung. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer einer akademischen Studie aus dem Jahr 2018 berichtete so von Benachteiligungen aufgrund ihrer einvernehmlichen nicht-monogamen Beziehungen. Genannt wurden unter anderem Erfahrungen im Gesundheitswesen, am Arbeitsplatz und vor Familiengerichten.

Die Aktivistin Jessa Davis war maßgeblich an der lokalen Initiative für die neue Regelung beteiligt. Auslöser war nach ihren Angaben ein Vorfall im August 2024: Ihr Partnerin habe wegen seiner Nicht-Monogamie Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt. Der Fall habe gezeigt, welche Formen der Benachteiligung in Seattle bislang noch „nicht illegal“ seien, sagte Davis. Wäre ihr Partnerin dagegen „aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität oder ihrer politischen Ideologie“ diskriminiert worden, wäre dies „in Seattle abgedeckt“ gewesen.

Seattle als Vorreiter 

Nach Gesprächen mit Aktivisten sprach sich auch die Menschenrechtskommission von Seattle für eine entsprechende gesetzliche Regelung aus. Die Stadträtin Alexis Mercedes Rinck hatte schlussendlich den Gesetzentwurf eingebracht. Sie bezeichnete die Änderung als „Aktualisierung des Gesetzes“ und als Teil eines „jahrzehntelangen Prozesses“, in dessen Verlauf immer mehr Gruppen unter den rechtlichen Schutz vor Diskriminierung gestellt worden seien. Seattle habe dabei bereits mehrfach eine Vorreiterrolle eingenommen. In den 1970er Jahren stimmten Einwohner der Stadt als erste in den USA für rechtliche Schutzmaßnahmen zugunsten von LGBTIQ+-Menschen. Die Erweiterung des Antidiskriminierungsrechts auf weitere Familienformen und sexuelle Orientierungen lasse das Gesetz besser „widerspiegeln, wie unsere Nachbarn sich selbst definieren und wie sie ihre Familien definieren“, sagte Rinck.

Andere Städte ziehen nach 

Auch in anderen Städten gibt es Bestrebungen, den rechtlichen Schutz nicht-monogamer Menschen auszuweiten. Portland im Bundesstaat Oregon verabschiedete im März eine ähnliche Regelung. Dort äußerten einige Politiker allerdings die Sorge, dass das Gesetz rechte Gruppierungen auf den Plan rufen könnte. Davis warnte davor, die Frage zu einem politischen Kulturkampf zu machen. Der Schutz nicht-monogamer Menschen dürfe kein „Kulturkampfthema zwischen Rot und Blau“ werden. Das neue Gesetz in Seattle könne dazu beitragen, dass sich auch in anderen Städten mehr nicht-monogame Menschen öffentlich zu Wort meldeten und an politischen Entscheidungen mitwirkten. Aktuell laufen demnach auch in anderen großen US-Städten Bemühungen um vergleichbare Regelungen. Dazu zählen Baltimore, Denver, Los Angeles und San Francisco. In Seattle soll das neue Gesetz am 1. Juni 2027 in Kraft treten. Der Schutz erstreckt sich dann nicht nur auf Wohnraum und Beruf. Auch im Kontakt mit der Polizei sollen die geschützten Gruppen Anspruch auf diskriminierungsfreie Behandlung haben. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungUnderdox-Festival in München: Die letzten Filme vor dem TodMOPOErst bepöbelt, dann verprügelt: Schwules Paar nach Einheitsfest angegriffentazSchwuler Lehrer über Outing: „Als ob eine Bombe platzt“tazJubel, Trubel, Hassverbrechen: Weitgehend friedliche Einheitsfeier in BremenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Mehr Schutz für Gewaltopfer

Neues Gesetz erleichtert Trennung

Opfer häuslicher Gewalt sollen sich leichter aus gemeinsamen Mietverträgen lösen können – davon profitieren auch schwule Männer.
Zwischenwahlen in den USA

Queere Gen Z setzt auf Werte

Für die LGBTIQ+-Generation Z in den USA zählen bei Kandidaten vor allem gemeinsame Werte – deutlich mehr als eine gemeinsame Identität.
Coming-Out im Fußball

Schiedsrichter erzählt Details

Schiedsrichter Ryan Atkin spricht öffentlich über sein Schwulsein – und erhält dafür die Unterstützung des englischen Fußballverbands.
James Baldwin im Kino

Neuer Film über schwulen Autor

Barack und Michelle Obamas Produktionsfirma bringt „Baldwin: A Love Story“ über James Baldwins Leben, Lieben und Werk ins Kino.
Schwule Liebe gewinnt Gold

Fernfahrer-Drama holt Filmpreis

Das schwule Liebesdrama „Flesh & Fuel“ gewinnt beim Zurich Film Festival das Goldene Auge und erhält rund 26.700 Euro Preisgeld.
Blackfacing sorgt für Empörung

LGBTIQ+-Bar zieht Konsequenzen

Ein Blackface-Auftritt in einer LGBTIQ+-Bar in Pittsburgh sorgt landesweit für Empörung und entfacht eine Debatte über Rassismus in der Drag-Szene.
Eklat in Oregon

Streit um LGBTIQ+-Vorgabe

Oregon gewährt einer christlichen Adoptionsbewerberin eine Ausnahme von einer Vorgabe zur Unterstützung der LGBTIQ+-Identität von Kindern.
Fauci für HIV-Arbeit geehrt

Auszeichnung für Anthony Fauci

Anthony Fauci wird für seinen jahrzehntelangen Einsatz gegen HIV/Aids und seine Zusammenarbeit mit der LGBTIQ+-Community ausgezeichnet.
Meta sperrt Mister Gay Europe

Pereira kämpft um seine Konten

Meta sperrte sämtliche Konten von Mister Gay Europe Michael Pereira. Trotz Bezahlabo erfährt der Schweizer nicht, warum.