Druck auf Infantino wächst Queere Fanclubs schließen sich Rücktrittsforderung an
Fanorganisationen, die zusammen nach eigenen Angaben Hunderte Millionen Fußballfans auf allen Kontinenten vertreten, haben jetzt eine weltweite Petition für den Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino und eine grundlegende Reform des Weltverbandes gestartet. Zu den Unterstützern gehört auch der britische Verein Pride in Football sowie das Netzwerk Queer Football Fanclubs (QFF), die europäische Dachorganisation schwul-lesbischer Fanclubs aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und weiteren Ländern.
Das Wichtigste im Überblick
- Weltweite Petition: Fanorganisationen aus zahlreichen Ländern fordern den Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino.
- Queere Fans dabei: Pride in Football aus England sowie das Netzwerk Queer Football Fanclubs (QFF), die Dachorganisation schwul-lesbischer Fanclubs in Europa, unterstützen den Aufruf.
- Schwere Vorwürfe: Die Initiatoren kritisieren unter anderem Machtkonzentration, mangelnde Transparenz, Einschüchterung und fehlende Rechenschaftspflicht.
- FIFA-Reform gefordert: Verlangt werden mehr Transparenz, eine stärkere Beteiligung von Fans und anderen Fußball-Akteuren sowie unabhängige Kontrollmechanismen.
- Weltmeisterschaft im Mittelpunkt: Kritisiert wird auch der Versuch, die Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen.
Fans fordern Rücktritt
Die Initiatoren werfen Infantino ein schwerwiegendes Führungsversagen vor. Das Amt des FIFA-Präsidenten sei ein Amt des Vertrauens, dieses Vertrauen sei jedoch „unwiderruflich zerstört“ worden. Die Konzentration von Macht rund um das Präsidentenamt, undurchsichtige Entscheidungsprozesse, Personenkult, Klientelismus und fehlende Rechenschaftspflicht hätten das Vertrauen in den Weltverband zerstört. Besonders scharf kritisieren die Fanorganisationen den Versuch, die Weltmeisterschaft für private Investoren zu öffnen. Sie sprechen von einem „beschämenden Versuch eines Einzelnen – des FIFA-Präsidenten selbst –, die Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen“. Infantinos Plan sei geheim vorbereitet, hinter verschlossenen Türen verhandelt und sowohl vor den eigenen FIFA-Mitgliedern als auch vor Millionen von Menschen verborgen worden, deren Leidenschaft den Fußball ausmache.
„Es war ein Verrat“
Der Fußball habe den Plan gestoppt. Der Zusammenbruch des sogenannten FIFA Forward Enterprise (FFE) sei jedoch nur der Höhepunkt einer Reihe von Vorgängen, die die Initiatoren Infantino vorwerfen. Dazu zählen seine geheime Beteiligung an der European Super League, das inzwischen gescheiterte Projekt einer alle zwei Jahre stattfindenden Weltmeisterschaft, die Ticketpolitik für die Weltmeisterschaft 2026 sowie eine von ihm entwickelte „Kultur der Einschüchterung und persönlichen Macht“ im internationalen Fußball. „Gianni Infantino hat sein Amt und den Fußball als Ganzes verraten“, schreiben die Initiatoren. Immer wieder wird auch kritisiert, dass Infantino sowohl 2022 in Katar wie 2034 mit Saudi-Arabien die Weltmeisterschaft an Länder vergeben hat, die Menschenrechte massiv missachten und die Todesstrafe für Homosexualität vorsehen. Unter der Forderung „Gianni Infantino muss gehen“ erklären sie: „Für die Glaubwürdigkeit der FIFA – und für die Zukunft des Spiels – muss er zurücktreten.“
Rücktritt allein reicht nicht
Die Organisationen machen zugleich deutlich, dass ein Rücktritt Infantinos den Schaden allein nicht beheben würde. Die FFE-Affäre habe strukturelle Schwächen in der FIFA-Führung offengelegt, die einen solchen Missbrauch überhaupt ermöglicht hätten. Gefordert werden deshalb vollständige Transparenz bei wichtigen Entscheidungen, eine ernsthafte Beteiligung von Konföderationen, Mitgliedsverbänden, Ligen, Vereinen, Spielern und Fans sowie eine formelle Einbindung der Anhänger in Entscheidungen über die Zukunft des Fußballs. Hinzu kommen stärkere Kontrollmechanismen, unabhängige Aufsicht und klare Regeln zur Rechenschaftspflicht. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass Einnahmen aus dem Fußball wieder in den Fußball investiert und nicht an externe Investoren abgeleitet würden. Das derzeitige System der Selbstregulierung bei der FIFA habe wiederholt keine ausreichende Rechenschaftspflicht gewährleistet. Fußballorganisationen und öffentliche Institutionen müssten deshalb gemeinsam Standards für eine funktionierende Verbandsführung schaffen.
Queere Fanclubs sind dabei
Mit dem britischen Pride in Football und dem Netzwerk Queer Football Fanclubs gehören auch eine internationale Dachorganisation queerer Anhänger zu den Unterstützern. Die QFF vereinen Fanclubs aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und weiteren Ländern. Aus Deutschland sind unter anderem auch Unsere Kurve, F_in Frauen im Fußball und BAFF unter den genannten Unterstützern. Die Beteiligung der QFF steht zugleich im Zusammenhang mit ihrer langjährigen Kritik an der FIFA und Infantino. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem der Umgang mit queeren Menschen, Menschenrechtsfragen und die Haltung des Weltverbandes gegenüber Gastgeberländern internationaler Turniere.
Die Initiatoren der Petition wollen jedoch über einzelne Entscheidungen hinausgehen. „Die Zeit zu handeln ist jetzt“, heißt es in dem Aufruf. Die FFE sei zwar besiegt worden, „aber die Kultur, die sie hervorgebracht hat, nicht“. Der Fußball verdiene eine Führung, die dem Sport gegenüber rechenschaftspflichtig sei, und „keine Macht ohne Kontrolle“, schreiben die Organisationen. Sie fordern den sofortigen Rücktritt Gianni Infantinos als ersten Schritt zu einer Reform der FIFA-Führung und rufen Fußballfans weltweit dazu auf, die Petition zu unterzeichnen.