Spaltung der Community Schwul-lesbische US-Republikaner definieren Mission neu
Die konservative bisherige LGBTIQ+-Organisation Log Cabin Republicans (LCR) in den USA will sich künftig nicht mehr ausdrücklich für die Rechte von trans* Menschen einsetzen. Der Vorstand habe laut Medienberichten beschlossen, das „T“ aus der politischen Mission der Gruppe zu streichen. Trans* Menschen könnten der Organisation zwar weiterhin angehören, künftig verstehe sich die LCR nach eigenen Angaben jedoch als Interessenvertretung für lesbische, schwule und bisexuelle Menschen. Scharfe Kritik kommt aus der queeren Community.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Log Cabin Republicans streichen trans* Menschen aus ihrer politischen Mission.
- Präsident Ross Hemminger begründet den Schritt mit Kritik an der trans* Bewegung.
- Die Human Rights Campaign wirft der Organisation vor, die LGBTIQ+-Community bewusst zu spalten.
- Kritiker sehen die Neuausrichtung als Annäherung an die Anti-LGBTIQ+-Politik der republikanischen Regierung.
Neu-Definition der Vereinslinie
Die Organisation bezeichnete sich auf ihrer Website bislang als Zusammenschluss „konservativer LGBT-Menschen“, der an einer „inklusiveren GOP“ arbeiten wolle, also für mehr LGBTIQ+ in den Reihen der republikanischen Partei, die auch „Grand Old Party“ genannt wird. LCR-Präsident Ross Hemminger begründete die Neuausrichtung in einer Kolumne mit den Grundsätzen von „Gleichbehandlung und individueller Freiheit“. 2015 habe der Vorstand das „T“ in die Mission aufgenommen, weil die Organisation davon überzeugt gewesen sei, dass alle Erwachsenen ihr eigenes Glück frei von staatlicher Einmischung verfolgen können sollten, solange sie damit nicht die unveräußerlichen Rechte anderer beeinträchtigten.
„Damals glaubten wir nicht, dass wir uns dort wiederfinden würden, wo wir heute sind“, schrieb Hemminger. „Die Transgender-Bewegung hat aufgehört, sich überhaupt auf Erwachsene zu konzentrieren – nahezu alle ihre Bemühungen und die ihrer verbündeten Interessengruppen richten sich auf Minderjährige. Sie drängen Schulen dazu, radikale Gender-Ideologie zu vermitteln; sie wollen biologische Männer unabhängig von den Konsequenzen im Frauensport; und vielleicht am anstößigsten unterstützen sie geschlechtsangleichende Behandlungen für Minderjährige, oftmals ohne Wissen oder Zustimmung der Eltern, obwohl sie genau wissen, dass diese Behandlungen größtenteils irreversibel sind“, so Hemminger.
Streit über queere Rechte
Scharfe Kritik kam von der queeren Human Rights Campaign. Sprecherin Delphine Luneau erklärte: „Für uns ist es neu, dass sie jemals so getan haben, als würden sie sich um das T kümmern. Die LGBTIQ+-Community auseinanderzureißen und uns gegeneinander auszuspielen, ist genau das, was Kräfte gegen Gleichberechtigung erreichen wollen. Einen Teil einer Gemeinschaft in der falschen Hoffnung zu opfern, dadurch den Rest zu schützen, hat in der Geschichte nie funktioniert – und diese Taktik sollte auch heute erneut zurückgewiesen werden. Gleichzeitig ist die Unterstützung für trans* Menschen innerhalb der breiteren LGBTIQ+-Bevölkerung überwältigend groß, weil die große Mehrheit von uns versteht, dass all unsere Freiheiten miteinander verbunden sind.“ Der konservative Verein verfolge mit seiner jüngsten Politik daher nur eine Annäherung an die Anti-LGBTIQ+-Politik der republikanischen US-Regierung unter Präsident Donald Trump.
Die Human Rights Campaign und die Log Cabin Republicans fechteten in der Vergangenheit bereits öfters einen Disput aus. So sprach sich die LCR zuletzt zwar gegen die, von der US-Regierung geplanten Rücknahme bestimmter Schutzregelungen für trans* Schüler aus und schlug Republikanern indes Lösungen vor, die trans* Jugendliche berücksichtigen sollten, gleichzeitig lehnte die Organisation aber weiter strikt geschlechtsangleichende medizinische Versorgung für Minderjährige ab. Die neuste Erklärung des konservativen Vereins dürfte die Spannungen nun weiter vorantreiben.