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Eklat um bayerischen AfD-Politiker
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Eklat um AfD-Politiker AfD-Gemeinderat in Bayern attackiert LGBTIQ+-Menschen

ms - 21.08.2026 - 08:00 Uhr
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In der oberbayerischen Gemeinde Neufahrn im Landkreis Freising bei München ist eine politische Auseinandersetzung über einen offenen Treff für queere Jugendliche entbrannt. Die örtliche AfD verlangt, das Angebot einzustellen. Bürgermeister Ozan Iyibas (CSU) weist die Kritik zurück und stellt sich ausdrücklich hinter die jungen Menschen, an die sich das Angebot richtet. Ein Mitglied der AfD spricht dabei mit Blick auf queere Menschen von einer „psychischen Krankheit“. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die AfD-Fraktion im Neufahrner Gemeinderat fordert, den „Queeren offenen Treff“ für Jugendliche ab zwölf Jahren einzustellen.
  • AfD-Fraktionschef Attila Szalontay bezeichnet „queer sein“ als „psychische Krankheit“ und warnt Eltern vor der Teilnahme ihrer Kinder.
  • Bürgermeister Ozan Iyibas weist die Aussagen scharf zurück und kündigt an, selbst am nächsten Treffen teilzunehmen.

Offener queerer Jugend-Treff

Das Kinder- und Jugendhaus Neufahrn veranstaltet seit diesem Jahr gemeinsam mit der Gemeindebibliothek einen „Queeren offenen Treff“. Die beiden Einrichtungen wechseln sich dabei ab. Eingeladen sind Jugendliche und junge Menschen ab zwölf Jahren, die der queeren Community angehören oder sich als Verbündete verstehen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos.

Betreut wird das Angebot von Henrik Kloth aus der Mobilen Jugendarbeit und Raven Knoll aus der Bibliothek. Ziel sei es, in ungezwungener Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam über die weitere Gestaltung des Treffs zu beraten. „In einer lockeren Runde wollen wir uns kennenlernen und gemeinsam Wünsche und Ziele für den Treff sammeln und planen. Kommt vorbei!“, heißt es in der Einladung. Das jüngste Treffen fand am 21. Juli statt.

AfD betont „Frühsexualisierung“ 

Die AfD-Fraktion im Neufahrner Gemeinderat lehnt das Angebot ab. In einer von ihrem Pressesprecher verfassten Mitteilung heißt es: „Wir lehnen jede Art von Frühsexualisierung strikt ab und sehen in dieser Veranstaltungsreihe eine ideologische Beeinflussung, die kindliche Schamgrenzen zerstört, Elternrechte untergräbt und Kinder beeinflusst“. Stattdessen fordert die AfD „eine kindgerechte, altersgerechte und zurückhaltende Aufklärung, die das traditionelle Familienbild betont“. Besonders deutlich äußerte sich der Vorsitzende der dreiköpfigen AfD-Fraktion im Gemeinderat, Attila Szalontay. Der Politiker ist nach Angaben der Partei zudem Mitglied des bayerischen Landesfachausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik sowie des entsprechenden Bundesfachausschusses.

Szalontay wird laut dem Münchner Merkur mit den Worten zitiert: „Für mich als Familienvater von zwei minderjährigen Kindern ist eine Veranstaltung wie diese inakzeptabel. Ich habe persönlich nichts gegen Queerdenkende, ich akzeptiere deren Lebensweise, dies ist kein Verbrechen, aber ich sehe es als eine psychische Krankheit an. Ich möchte hiermit in aller Öffentlichkeit alle normal denkenden Eltern auffordern, genau darauf zu achten, welche Veranstaltungen auch in öffentlichen Jugendräumen ihre Kinder besuchen. Ich werde alles veranlassen, was in meiner Macht steht, um Veranstaltungen dieser Art zu verhindern. Wenn sich Queerdenkende treffen wollen, sollen sie dies im Rahmen von Erwachsenen tun, aber nicht unter Einbeziehung von Minderjährigen.”

Bürgermeister weist Stigmatisierung zurück

Bei Bürgermeister Ozan Iyibas stießen die Aussagen auf Unverständnis. Eine Diskussion über Kinder- und Jugendschutz, altersgerechte Aufklärung und die Rolle der Eltern hält er grundsätzlich für möglich. „Über Kinder- und Jugendschutz, altersgerechte Aufklärung und die Rolle der Eltern kann und soll man diskutieren.“ Für eine solche Debatte brauche es aus seiner Sicht allerdings andere Voraussetzungen. „Dafür braucht es keine Denkverbote, sondern gute Argumente, gegenseitigen Respekt und einen sachlichen Austausch.“ Eine klare Grenze sei „dort erreicht, wo Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität als ,psychisch krank‘ bezeichnet und als nicht ,normal denkend‘ dargestellt werden“.

Iyibas kritisiert insbesondere die Verwendung des Begriffs „psychisch krank“ als Bezeichnung für queere Menschen. Dadurch würden auch Menschen herabgesetzt, die tatsächlich mit psychischen Erkrankungen leben. Eine solche Stigmatisierung sei gefährlich und habe in einer Gesellschaft keinen Platz. „Das ist keine sachliche Debatte mehr. Das ist die Herabwürdigung von Menschen.“ 

Jugendtreff bleibt bestehen 

Am Angebot selbst soll sich nach Angaben des Bürgermeisters nichts ändern. Der „Queere offene Treff“ werde weiterhin stattfinden, versichert Iyibas. Beim nächsten Termin will er persönlich teilnehmen. „Beim nächsten Treffen werde ich selbst dabei sein. Nicht, um eine politische Front aufzubauen, sondern um deutlich zu machen: Diese jungen Menschen gehören zu unserer Gemeinde. Sie gehören zu unserer Gesellschaft.“ Als Bürgermeister stehe er „für ein Neufahrn, in dem alle dazugehören“. Auch vonseiten des Treffs gibt es trotz der Auseinandersetzung keinen Rückzug. Raven Knoll betont gegenüber dem Münchner Merkur, man werde sich von den Äußerungen der AfD nicht einschüchtern lassen. Das Angebot entwickle sich vielmehr zunehmend weiter und nehme „Fahrt auf“. Die Reaktionen der AfD kommentiert Knoll mit den Worten: „Ich kann darüber nur lachen.“

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