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Neue Angriffe auf Barbara Butch
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Neue Angriffe auf DJ Butch Streit um Antisemitismus führt zu Konzertabbruch

ms - 21.07.2026 - 12:30 Uhr
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Der Auftritt der französischen DJ Barbara Butch beim Festival Cabaret Frappé in Grenoble ist nach Protesten propalästinensischer linksextremer Aktivisten vorzeitig beendet worden. Die Künstlerin stand nur rund 20 Minuten auf der Bühne, bevor die Stadtverwaltung die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen stoppen musste. Butch steht damit erneut im Zentrum von fanatischen Angriffen, nachdem sie bereits bei den Olympischen Spielen im Sommer 2024 Ziel von Attacken wurde, damals von Seiten christlicher Fundamentalisten und Hardliner

Das Wichtigste im Überblick

  • Ein Auftritt der lesbischen jüdischen DJ Barbara Butch beim Festival Cabaret Frappé in Grenoble wurde nach Protesten vorzeitig beendet.
  • Hintergrund war ihre Unterstützung einer früheren Initiative gegen neue Formen des Antisemitismus, die von Teilen der linken Partei La France insoumise (LFI) abgelehnt worden war.
  • Die Veranstalter berichten von Beleidigungen, Pfiffen und geworfenen Gegenständen aus der Menge.
  • Mehrere Vertreter der französischen Linken kritisieren das Vorgehen und warnen vor Angriffen auf die Kunstfreiheit.
  • LFI-Vertreter verteidigen die Protestaktion und verweisen auf Butchs politische Positionierung.

Konzert nach Protesten abgebrochen

Nach Angaben eines Verantwortlichen des Festivals gegenüber der Nachrichtenagentur AFP versammelten sich etwa 150 Demonstranten vor der Bühne. Sie hätten Transparente gezeigt, gepfiffen und die Künstlerin beschimpft. Nach rund 20 Minuten entschied sich die Stadt, das Konzert zu unterbrechen, „um die Sicherheit des Publikums, der Teams und aller anwesenden Personen zu gewährleisten“.  Auslöser für den Protest war nach Angaben französischer Medien die Unterstützung Butchs für eine Gesetzesinitiative gegen neue Formen des Antisemitismus. Die jüdische Künstlerin hatte im März eine entsprechende Stellungnahme zur sogenannten Yadan-Vorlage unterzeichnet. Der Gesetzesvorschlag war von LFI und anderen Linksextremisten scharf kritisiert worden und wurde daraufhin Mitte April zurückgezogen.

Linksextremisten organisierten Protest

Als Mitorganisator der Aktion wird Allan Brunon genannt, ein Kommunalpolitiker von La France insoumise im Stadtrat von Grenoble. Er hatte bereits 2024 Aufmerksamkeit erregt, nachdem ein Video einer Auseinandersetzung veröffentlicht worden war, in dem er einen Menschen als „dreckige Schwuchtel“ bezeichnet hatte. Später erklärte er, er bedauere die Verwendung einer homophoben Beleidigung. Den Protest gegen Butch verteidigte Brunon hingegen. Gegenüber AFP sagte er: „Wir sind äußerst stolz darauf, an dieser friedlichen Demonstration teilgenommen zu haben“. 

Die Einschätzung als „friedlich“ wird allerdings kontrovers diskutiert. Die Stadt Grenoble sprach von einer „unerträglichen Aggression während einer laufenden Vorstellung“. Nach Angaben der Kommune seien Glasflaschen und andere Gegenstände gezielt in Richtung Bühne geworfen worden. Bürgermeisterin Laurence Ruffin kündigte am Sonntag an: „Die Stadt Grenoble wird Anzeige erstatten, damit die vollständige Aufklärung dieser Vorfälle erfolgt und die Verantwortlichen vor der Justiz für ihr Handeln einstehen.“

Vorwürfe wegen Antisemitismus

Der Fall löste innerhalb der französischen Linken eine breite Debatte aus. Manuel Bompard, enger Vertrauter von LFI-Gründer Jean-Luc Mélenchon, wurde im Sender franceinfo auf die Aktion angesprochen. Er erinnerte daran, dass Butch bereits 2024 Ziel einer Online-Kampagne mit „dickenfeindlichen und homophoben Beleidigungen“ geworden sei. Gleichzeitig sagte er: „Das ändert nichts daran, dass sie sich entschieden hat, eine politische Position einzunehmen, und ich kann verstehen, dass diese politische Position Protest hervorrufen kann.“

Butch hatte sich zuvor selbst zu ihrer Unterstützung der Initiative gegen Antisemitismus geäußert. In einem Ende April veröffentlichten Video auf Instagram erklärte sie: „Die israelische Politik betrifft mich nicht (...), natürlich bin ich gegen diese Regierung.“ Sie fügte hinzu: „Ich habe eine Stellungnahme unterzeichnet, um den Antisemitismus in Frankreich anzuprangern, unter dem ich seit meiner Kindheit täglich leide und der nach den Olympischen Spielen noch stärker geworden ist (...) Es gibt Dinge an diesem Gesetz zu kritisieren, aber ich bin keine Juristin oder Politikwissenschaftlerin, mein Beruf ist es, Menschen zum Tanzen zu bringen.“ Trotz dieser Erklärung wurde die Künstlerin in einem von der örtlichen LFI-Gruppe verteilten Flugblatt scharf angegriffen. Darauf war Butch vor einer Pride-Flagge mit Davidstern und Blutflecken dargestellt. Der Aufruf zum Boykott warf ihr vor, eine „Komplizin eines Genozids“ zu sein.

Kritik aus Teilen der Linken

Außerhalb von LFI sorgte die Aktion für deutliche Kritik. Die frühere Abgeordnete Clémentine Autain warnte vor einem Angriff auf die Freiheit der Kunst. „Ein solches Sektierertum, eine solche Infragestellung der Freiheit von Schaffen und Verbreitung führen uns gegen die Wand. Sie senden widersprüchliche Signale aus – sowohl hinsichtlich der Prinzipien, die wir verteidigen, als auch hinsichtlich unserer Gegner.“ Auch der Pariser Bezirksbürgermeister David Belliard kritisierte die Aktion: „Freiheit von Kunst und Verbreitung – genau das wird von Reaktionären angegriffen. Lassen wir uns von den Linken nicht in dieselbe Sackgasse führen!“

Der Erste Sekretär der Sozialistischen Partei (PS), Olivier Faure, schrieb auf X: „Diese Methoden helfen den Palästinensern überhaupt nicht und schaden aufrichtigen Aktivisten. Solidarität mit Barbara Butch.“ Auch Boris Vallaud, Abgeordneter der Landes, erklärte: „Das ist keine Politik, das ist eine Aggression. Nichts davon dient der Sache Palästinas. Nichts davon hat etwas mit der Linken zu tun.“ Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire schrieb: „Die Vorstellung einer Künstlerin zu unterbrechen, entspricht nicht meinem Verständnis von Demokratie.“ Der ehemalige französische Premierminister Bernard Cazeneuve sagte dem Sender BFMTV: „Diese Linke ist nicht die Linke. Sie ist eine Maschine zum Ausschließen und dazu, Gewalt ins Zentrum der politischen Debatte zu stellen. Alle Erben von Léon Blum und der republikanischen Linken sollten in sich die Kraft finden, Nein zu denen zu sagen, die sich so verhalten.“

Debatte über Antisemitismus 

Die Auseinandersetzung wirft auch die Frage auf, warum gerade Barbara Butch zum Ziel der Proteste wurde. Die Grünen-Politikerin Sandrine Rousseau, die LFI politisch nahesteht, stellte sich hinter die DJ. Sie erinnerte daran, dass Butch „nicht Israel repräsentiert“, öffentlich Kritik an der Regierung von Benjamin Netanjahu geäußert habe und andere Unterstützer der Petition nicht vergleichbar angegriffen worden seien. Auch die Partei Place publique von Raphaël Glucksmann erklärte ihre Solidarität mit der Künstlerin: „Kein Kampf kann Antisemitismus rechtfertigen. Place publique spricht ihr seine uneingeschränkte Unterstützung aus.“ Der Bürgermeister von Saint-Ouen, Karim Bouamrane, ergänzte: „Antisemitismus verändert seine Natur nicht abhängig davon, aus welchem politischen Lager er kommt.“ Die Debatte um den Auftritt in Grenoble verbindet damit mehrere Konfliktlinien: den Streit über den Nahostkonflikt, den Umgang mit Antisemitismusvorwürfen, die Grenzen politischer Protestformen sowie die Frage nach der Freiheit künstlerischer Ausdrucksformen.

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