Direkt zum Inhalt
Urteil nach Hasstriaden
ANZEIGE

Urteil nach Hasstriaden Haftstrafen für Cybermobbing nach Olympia in Paris

ms - 28.11.2025 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Hunderttausende Christen und Konservative hatten im letzten Jahr nach der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris 2024 gegen ein bestimmten Showteil gehetzt, der nach ihrem Empfinden den christlichen Glauben mit einem „queeren Abendmahl“ lächerlich machte. Tatsächlich sollte die Szene nur ein Gelage des griechischen Gottes Dionysos darstellen. Trotzdem attackierten viele Menschen weiterhin die Verantwortlichen sowie allen voran eine der Darstellerinnen, die lesbische DJane und Aktivistin Barbara Butch – diese wehrte sich gegen das massive Cybermobbing und gewann jetzt vor Gericht. 

Bewusste Eskalation 

Das umstrittene Element der Zeremonie wurde von Dragqueens, einem trans* Model und einem fast nackten Sänger dargestellt – selbst der Vatikan meldete sich deswegen 2024 zu Wort. In einer offiziellen Erklärung bedauerte dann auch die französische Bischofskonferenz im Sommer letzten Jahres die „Verhöhnung des Christentums“, die durch die Zeremonie erfolgt sei. Trotz der Entschuldigung der Organisatoren, die versicherten, das Fest sei als heidnische Feier geplant gewesen und keinesfalls zur Beleidigung gedacht, blieb weitere Kritik und digitaler Hass nicht aus. Auch rechtsextreme Gruppen schlossen sich der Verurteilung der Veranstaltung an.

Cybermobbing gegen Butch

Besonders schwerwiegend waren dabei das Cybermobbing gegen die französische DJane und LGBTIQ+-Aktivistin Butch, die über mehrere Wochen lang nach ihrem Auftritt bei der Eröffnungsfeier mit massiven Anfeindungen und Drohungen von Mord über Folter bis hin zu Vergewaltigungen konfrontiert wurde. Die Angriffe fanden hauptsächlich in den sozialen Medien statt und führten dazu, dass Butch psychischen und emotionalen Schaden erlitt. 

Die Künstlerin klagte dagegen, ihre Anwältin Audrey Msellati erklärte dazu im letzten Jahr: „Sie ertragen es nicht, dass sie als lesbische, jüdische und dicke Frau Frankreich repräsentierte.“ Dabei betonte sie einmal mehr, wie extrem die „zahlreichen antisemitischen, homophoben, sexistischen und fettfeindlichen Beleidigungen“ gewesen waren. Butch selbst schrieb dazu auf Instagram: „Am Anfang habe ich beschlossen, mich nicht zu äußern, um die Hasser zu beruhigen, aber die Nachrichten, die ich erhielt, wurden immer extremer. Und das nur, weil ich die Chance hatte, die Vielfalt meines Landes durch Kunst und Musik zu repräsentieren, zusammen mit anderen Künstlern und Interpreten, die ich bewundere.“ Im Prozess dann sagte Butch, sie habe in dieser Zeit „nur sich selbst begraben und in diesem Moment verschwinden wollen".

Urteilsspruch gegen Hater 

Jetzt wurde in Frankreich ein Gerichtsurteil gefällt: Vier Männer wurden für ihr massives Cybermobbing gegen Butch verurteilt. Die Männer, die wegen Online-Belästigung und Gewaltandrohungen angeklagt waren, erhielten Haftstrafen, die von vier Monaten auf Bewährung bis zu zehn Monaten Gefängnis reichten. Ein weiterer Angeklagter wurde jedoch freigesprochen. Die bei der Anhörung anwesenden Angeklagten, darunter ein Student, ein Vater und ein Betreuer, gaben zu, Nachrichten gesendet zu haben, bestritten jedoch bis zuletzt, dass sie damit Butch gedroht oder die Künstlerin belästigt haben. Einige sagten aus, sie seien beleidigt worden von dem, was sie als „Parodie der Religion“ ansahen. Laut der Zeitung „Le Monde“ ist das Urteil ein Zeichen für den entschlossenen Kampf gegen Online-Hass und digitale Belästigung. Butch indes wurde bereits in diesem Jahr für ihren Mut mit dem renommierten Tolerantia Award ausgezeichnet. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Erstes nationales Denkmal

Gedenkstätte auf Friedhof Sihlfeld

Zum ersten Mal in der Schweiz wurde ein öffentliches Denkmal für die Opfer von Diskriminierung und Gewalt gegen queere Menschen eingeweiht.
Rücktritt gefordert

Kirche schweigt nach CSD-Anschlag

Der Passauer Bischof Oster hat bei einer Predigt queere Menschen und Veranstaltungen wie den CSD offen als Gefahr für die Demokratie bezeichnet.
Aus Scham wird Stärke

Vom Escort zum Tarot-Coach

Ein ehemaliger Gay-Escort macht persönliche Erfahrungen mit Scham und Trauma zum Ausgangspunkt für seine Arbeit mit Tarot.
Instagram greift durch

Heimliche Videos stoppen

Instagram verschärft den Kampf gegen heimliche Aufnahmen mit Smartbrillen und sperrt erstmals Konten mit Millionenpublikum.
Hass-Konferenzen in Afrika

Erweiterte Pläne für 2027

Ein afrikanisches Anti-LGBTIQ+-Netzwerk will seine Aktivitäten 2027 deutlich ausbauen und strebt langfristig Einfluss auf Gesetze an.
"Lächerlich" laut Sage Steele

Vorstellung bei Heimspiel

Ex-Moderatorin Sage  Steele hat die Vorstellung des neuen nicht-binären Maskottchens des Damen-Basketball-Teams Toronto Tempo "lächerlich" genannt.
Flucht in die Freiheit

Paradies mit Schattenseiten

Kap Verde gilt als sicherer Zufluchtsort für viele verfolgte homosexuelle Afrikaner – doch fehlende Asylregeln lassen viele in Unsicherheit zurück.
Der Druck zum Posten

Urlaub unter Beobachtung

Vor allem junge Menschen – auch viele queere – teilen ihren Urlaub selbstverständlich in sozialen Netzwerken. Doch das Posten kann belastend werden.
Gewalt gegen queere Fahrgäste

Forderungen an Fahrdienst Uber

Ein schwerer Angriff auf eine trans* Frau in Kolumbien löst Forderungen nach besserem Schutz queerer Fahrgäste bei Fahrdienst-Apps wie Uber aus.