Razzien in Australien Sydneys queere Clubbetreiber fordern Aufklärung
Nur wenige Monate nach umstrittenen Polizeikontrollen in Sydneys Gay Village ist es jetzt erneut zu umfangreichen Einsätzen in schwulen und queeren Lokalen gekommen. Besonders im Bereich der Oxford Street wurden Bars und Clubs kontrolliert. Das Vorgehen sorgt bei Betreibern für heftige Kritik.
Das Wichtigste im Überblick
- In Sydneys Gay Village hat die Polizei erneut mehrere schwule und queere Bars und Clubs kontrolliert.
- Rund 20 Polizisten sollen an den Einsätzen beteiligt gewesen sein, auch Drogenspürhunde kamen bei Kontrollen zum Einsatz.
- Insgesamt wurden 65 Menschen kontrolliert. In 28 Fällen wurde nach Angaben der Polizei Drogenkonsum festgestellt.
- Bei 15 Lokalen stellten die Einsatzkräfte Verstöße gegen Betreiberlizenzen fest.
- Nach Angaben der Polizei gab es keine Anklagen und keine Festnahmen.
- Die Betreiber kritisieren das Vorgehen scharf und berichten von traumatisierten Gästen und einem aggressiven Polizeieinsatz.
- Erst im Juni hatte es bereits Razzien in mehreren Lokalen des Viertels gegeben. Die damaligen Vorfälle sind nach Angaben der Betreiber noch nicht aufgearbeitet.
- Die Polizei weist den Vorwurf zurück, gezielt gegen LGBTIQ+-Menschen vorzugehen, und verweist auf die Zahl der festgestellten Drogendelikte.
Unruhe nach Einsätzen
Bereits im Juni dieses Jahres waren mehrere Lokale des Viertels Ziel von Polizeirazzien gewesen. Die Betreiber hatten die damaligen Einsätze scharf kritisiert. Um die Vorgänge aufzuarbeiten, organisierten sie gemeinsam mit den Behörden erst vor wenigen Tagen einen Roundtable. Nun folgte eine weitere Aktion. Nach Angaben von Mitarbeitern der betroffenen Lokale waren rund 20 Polizeibeamte an den Kontrollen beteiligt. Dabei sollen auch Drogenspürhunde eingesetzt worden sein. Sie kamen demnach unter anderem bei Warteschlangen vor den Eingängen zum Einsatz.
Mehrere Gäste sollen außerdem auf offener Straße durchsucht worden sein. Nach Angaben der Betroffenen wurden einzelne Menschen dabei teilweise aufgefordert, sich auszuziehen. Auch beim Verlassen der Lokale seien Gäste von der Polizei angesprochen und befragt worden. Dabei soll es unter anderem darum gegangen sein, weshalb sie das jeweilige Lokal verließen und was sie zuvor in den Toiletten gemacht hatten. Zu den betroffenen Einrichtungen gehören unter anderem das Universal, das Palms, The Beresford, The Dolphin, Arq, die Art Factory und Kinselas. Die Einsätze konzentrierten sich insbesondere auf die Oxford Street, die als Zentrum des schwulen Nachtlebens in Sydney gilt.
65 Menschen kontrolliert
Insgesamt überprüfte die Polizei während der verschiedenen Aktionen 65 Personen. Nach Angaben der Behörden wurde in 28 Fällen Drogenkonsum festgestellt. Die Einsatzkräfte verhängten zwölf Bußgelder. In sechs Fällen wurde Cannabis gefunden. Außerdem stellten die Behörden bei 15 Lokalen Verstöße gegen die jeweiligen Betreiberlizenzen fest. In einem der Lokale hielt sich zudem eine minderjährige Person auf. Trotz der zahlreichen Kontrollen kam es nach Angaben der Polizei von New South Wales weder zu Anklagen noch zu Festnahmen.
Die Polizei begründet die Einsätze damit, dass sie nicht ausschließlich im Gay Village aktiv gewesen sei. Auch an anderen Orten seien entsprechende Kontrollen durchgeführt worden. An der Oxford Street seien allerdings deutlich mehr Drogendelikte festgestellt worden als bei den anderen Aktionen. Die Polizei betont deshalb, dass bei den Einsätzen Drogen und mögliche Verstöße gegen entsprechende Vorschriften im Mittelpunkt gestanden hätten – und nicht queere Menschen. Damit weist die Polizei den Eindruck zurück, die Kontrollen seien wegen der sexuellen Orientierung der Gäste oder des Charakters der Lokale erfolgt.
"Traumatisierte" Gäste
Bei den Betreibern stößt diese Darstellung auf erhebliche Kritik. Ein Betreiber erklärte, zahlreiche Gäste seien durch den Einsatz traumatisiert worden. Demnach sei ein mit Menschen stark gefüllter Club von rund 15 Polizeibeamten regelrecht gestürmt worden. Die Beamten seien dabei sehr aggressiv aufgetreten. Für die Betreiber wiegt der Zeitpunkt der neuen Kontrollen besonders schwer. Sie fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen, weil aus ihrer Sicht die Vorfälle vom vergangenen Juni noch nicht ausreichend untersucht und aufgearbeitet worden sind. Die erneuten Razzien haben deshalb den Konflikt zwischen den schwulen und queeren Lokalen und den Behörden weiter verschärft. Zudem seien, laut den Betreibern, viele Gäste „traumatisiert“ worden.
Politiker fordern Untersuchung
Nach den jüngsten Einsätzen wächst nun auch der politische Druck. Verschiedene Politiker haben Untersuchungen zu den Vorgängen gefordert. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob die Polizei bei ihren Kontrollen tatsächlich ausschließlich gegen Drogenverstöße vorging. Auch die Art und Weise des Vorgehens gegen Gäste und Betreiber steht im Mittelpunkt der Kritik. Die Behörden hatten erst wenige Tage vor den erneuten Einsätzen gemeinsam mit den Betreibern über die Ereignisse vom Juni beraten. Die neuerlichen Kontrollen sorgen deshalb für zusätzliche Spannungen.