Direkt zum Inhalt
Botswana geht voran
ANZEIGE

Botswana geht voran Regierung streicht homophobe Verbotsparagrafen aus Gesetzgebung

ms - 11.05.2026 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Botswanas Regierung hat die diskriminierenden Vorschriften gegen gleichgeschlechtliche Intimität jetzt endlich nach langem Widerstand aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Mehr als sechs Jahre nach einer gerichtlichen Aufhebung der Bestimmungen wurden die zwei Unterpunkte von Paragraf 164, die sogenannte „unnatürliche Vergehen“ regelten, offiziell entfernt. Damit ist Homosexualität im Land nun auch hoch offiziell nicht mehr strafbar. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Botswanas Regierung hat formell das Gesetz gegen gleichgeschlechtliche Intimität aufgehoben.
  • Koloniale Strafbestimmungen, die einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisierten, wurden damit final gestrichen.
  • Die Änderung folgt einer Gerichtsentscheidung von 2019, die von der Berufungskammer 2021 bestätigt wurde.
  • Aktivisten sehen in der Reform einen wichtigen Schritt zur Gleichberechtigung, betonen jedoch, dass die Arbeit noch nicht abgeschlossen ist.
  • Ein schwules Paar prüft derzeit vor Gericht die Verfassungsmäßigkeit des Marriage Act, der ihnen das Heiratsrecht verweigert.

Ende der Diskriminierung Homosexueller

Die früheren Vorschriften kriminalisierten einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Personen gleichen Geschlechts mit Haftstrafen von bis zu sieben Jahren. Nach der Änderung gelten nun nur noch sexuelle Handlungen mit Tieren als „unnatürliches Vergehen“.

Die Maßnahme folgt der wegweisenden Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von Botswana aus dem Jahr 2019, die 2021 vom Berufungsgericht bestätigt wurde. Die Gerichte hatten entschieden, dass die Kriminalisierung einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Sexualität die verfassungsmäßigen Rechte von homosexuellen Personen auf Würde, Freiheit, Privatsphäre und Gleichheit verletzt. Das High Court betonte damals: „Die persönliche Autonomie in Fragen sexueller Präferenz und Wahl muss respektiert werden. Jegliche Kriminalisierung von Liebe oder dem Finden von Erfüllung in Liebe untergräbt Mitgefühl und Toleranz.“

Freude bei queeren Verbänden 

Die lokale LGBTIQ+-Organisation LEGABIBO begrüßte nebst anderen queeren Aktivisten die Reform als „notwendigen und lange überfälligen Schritt, um Würde wiederherzustellen und unser Rechtssystem an die verfassungsmäßigen Werte von Gleichheit und Menschenrechten anzupassen“. Ein Sprecher betonte weiter, dass LGBTIQ+-Personen keine Kriminellen seien und ihre Beziehungen Schutz verdienten, nicht Bestrafung. „Selbst nachdem sie für verfassungswidrig erklärt wurden, hat ihre fortbestehende Präsenz im Gesetz Stigmatisierung aufrechterhalten, Diskriminierung gerechtfertigt und Angst, Schweigen sowie Ausgrenzung innerhalb unserer Gemeinschaften gefördert.“ 

LEGABIBO verwies darauf, dass die Reform zwar die Schäden der Vergangenheit nicht beseitige, aber „Raum für Heilung, Inklusion und fortgesetzten Fortschritt auf dem Weg zur vollständigen Gleichberechtigung“ schaffe. Die rechtliche Gleichstellung in Botswana bleibt weiterhin Thema: Ein schwules Paar, Bonolo Selelo und Tsholofelo Kumile, lässt derzeit die Verfassungsmäßigkeit des Marriage Act prüfen, der ihnen bis heute das Heiratsrecht verweigert. Der Fall soll im Juli vor dem High Court fortgesetzt werden.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neue Unsicherheit beim ESC

Sender kämpfen ums Überleben

Wirtschaftliche und politische Veränderungen bei mehreren Rundfunkanstalten könnten die ESC-Teilnahmen einiger Länder für 2027 gefährden.
US-Athlet Jacob Harmon

Offen auf der Matte und im Leben

Der offen schwule Turner Jacob Harmon erfüllte sich seinen College-Traum und möchte jetzt anderen jungen LGBTIQ+-Sportlern Mut machen.
Amnesty kritisiert J.K.Rowling

Frauenhilfszentrum im Fokus

Amnesty International UK stuft J. K. Rowlings Krisenzentrum für Frauen als „rechtefeindlich“ ein und löst damit erneut eine Debatte aus.
Eklat bei der L.A. Police

Homophobe Polizisten im Fokus

Ein LAPD-Beamter könnte angeklagt werden, nachdem er Kollegen bei homophoben, rassistischen und sexistischen Aussagen aufgenommen hat.
Sam Neill ist tot

Ein Star mit Haltung

Schauspieler Sam Neill ist mit 78 Jahren gestorben. Neben seiner Filmkarriere wurde er auch für seine Unterstützung der LGBTIQ+-Community geschätzt.
Spätes Urteil nach Jahrzehnten

Mord mit homophobem Hintergrund

Nach mehr als 40 Jahren sind zwei Brüder wegen des Mordes an dem schwulen Beamten Anthony Littler verurteilt worden.
Bromance bei der WM

Freundschaft trotz Viertelfinale

Nach dem WM-Viertelfinale zwischen England und Norwegen sorgen Erling Haaland und Jude Bellingham mit ihrer Freundschaft für Aufmerksamkeit.
Historische Klage in Botswana

Lesbisches Paar kämpft weiter

Zwei Frauen kämpfen vor Botswanas Oberstem Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe – ein Verfahren mit Signalwirkung für ganz Afrika.
Schwerbehindert und LGBTIQ+

Viele leben doppelt benachteiligt

Millionen Menschen leben mit einer Schwerbehinderung. Hunderttausende LGBTIQ+-Personen kämpfen dabei zudem mit mehrfachen Diskriminierungserfahrungen.