Absurdistan Russland Online-Bewertung eines Rocks ist „LGBTIQ+-Propaganda“
Es wird offenbar immer absurder im Kampf gegen LGBTIQ+ in Russland: Jetzt soll ein Mann abgeschoben werden, nachdem Behörden seine positive Online-Bewertung eines Leder-Minirocks als „LGBTIQ+-Propaganda“ eingestuft haben. Die russischen Moralwächter betonen dabei die Vorschriften, die sogenannte „nicht-traditionelle“ Inhalte verbieten.
Das Wichtigste im Überblick
- Ein Mann soll in Russland abgeschoben werden, nachdem eine positive Bewertung eines Leder-Minirocks als LGBTIQ+-„Propaganda“ eingestuft wurde.
- Die Bewertung auf Wildberries beinhaltete Fotos und Kommentare zu nicht-traditioneller Geschlechtsidentität.
- Das Tula-Gericht ordnete administrative Haft und anschließende Abschiebung an.
- Richter begründeten das Urteil mit dem Schutz „traditioneller Familienwerte“.
- Die Aktion erfolgt im Rahmen der seit 2022 verschärften russischen Gesetze gegen „nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen“.
Ein Leder-Minirock wurde zum Problemfall
Der Mann hatte laut russischen Medienberichten im September 2025 auf der Plattform Wildberries geschrieben: „Was für ein hübscher kleiner Rock! Er versteckt nicht nur die Makel meiner Figur, sondern auch die Tatsache, dass ich ein Mann bin.“ Die Bewertung soll Fotos enthalten haben. Russlands Anti-Extremismus-Behörden stießen im April 2026 auf den Beitrag und legten vor Gericht einen Inspektionsbericht über die Webseite vor, einschließlich Screenshots und Videoaufnahmen. Laut Gerichtsdokumenten habe der Mann die Veröffentlichung der Fotos und Kommentare eingeräumt.
Das Tula-Gericht erklärte: „Der Mann beging Propaganda nicht-traditioneller sexueller Präferenzen, indem er Informationen verbreitete, die darauf abzielen, nicht-traditionelle sexuelle Einstellungen zu formen und zu fördern, nämlich Fotos, die sein Erscheinungsbild in Frauenkleidung zeigen.“ Ein Richter begründete die Entscheidung zur Abschiebung mit dem Schutz „traditioneller Familienwerte“. Demnach repräsentieren „Familie, Mutterschaft und Kindheit in ihrem traditionellen, angestammten Verständnis die Werte, die die kontinuierliche Generationenfolge sichern.“
Bestrafung und Abschiebung
Dem Urteil zufolge wird der Mann zunächst administrativ weiter inhaftiert, bevor die erzwungene Abschiebung aus Russland vollzogen wird. „Diese Art der Strafe dient am effektivsten dem Ziel, soziale Gerechtigkeit wiederherzustellen, den Täter zu bestrafen und ihn daran zu hindern, weitere illegale Handlungen zu begehen“, hieß es. Wohin der Mann abgeschoben werden soll, ist bisher nicht bekannt.
Seit 2022 hat die russische Regierung die Einschränkungen für LGBTIQ+-Äußerungen verschärft und machte es illegal, Inhalte zu fördern, die als „nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen“ gelten. Diese sogenannten „Anti-Homosexuellen“-Gesetze betreffen öffentliche Ausdrucksformen homosexueller Identität und geschlechtlicher Nonkonformität, einschließlich Online-Inhalten. Administrative Abschiebungen können dabei gegen Nicht-Staatsbürger nach Verwaltungsdelikten jederzeit verhängt werden.