Anschlagsreihe in Amsterdam Schwule werden zum Opfer von Jugendbanden beim Cruising
Nach einer Serie von Übergriffen auf schwule Besucher des Outdoor-Cruising-Gebiets De Oeverlanden in Nieuw-West in Amsterdam hat die Polizei die Kontrollen an dem beliebten Treffpunkt für schwule Männer ausgeweitet. In den vergangenen zwei Monaten gingen bei den Behörden neun Meldungen über gezielte Gewalt ein, die von verbalen Belästigungen bis zu körperlichen Attacken reichten.
Das Wichtigste im Überblick
- In De Oeverlanden in Nieuw-West in Amsterdam wurden innerhalb von zwei Monaten neun Übergriffe auf schwule Männer gemeldet.
- Die Täter sollen überwiegend Jugendgruppen sein, die verbal und körperlich gegen die schwulen Opfer vorgingen.
- Die Polizei hat die Präsenz vor Ort verstärkt; fünf Personen wurden wegen unrechtmäßiger Versammlung festgenommen.
- Viele Betroffene melden Vorfälle aus Scham nicht, wodurch Täter ungehindert bleiben.
Gezielte Attacken auf Schwule
Ein Polizeisprecher berichtete, dass die Vorfälle einem wiederkehrenden Muster folgen: Männer, die das Gebiet aufsuchen, werden demnach gezielt von Gruppen Jugendlicher attackiert. Die Täter sollen in Gruppen von drei bis acht Personen agiert haben, homophobe Beleidigungen gerufen, gespuckt, Gegenstände geworfen und in einigen Fällen körperliche Angriffe verübt haben. Die Polizei geht davon aus, dass die Angriffe bewusst gegen Männer gerichtet waren, die als homosexuell wahrgenommen werden. Eine laufende Untersuchung soll klären, ob eine einzelne Gruppe für alle neun Vorfälle verantwortlich ist.
Als Reaktion auf die Gewalt hat die Polizei die Patrouillen und Überwachungsmaßnahmen in und um De Oeverlanden verstärkt. Am vergangenen Wochenende wurden daraufhin jetzt fünf Personen wegen unrechtmäßiger Versammlung und Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen. Ob ein direkter Zusammenhang zu den anti-schwulen Angriffen besteht, ist nicht bisher bestätigt. Seit der Festnahme wurden allerdings keine weiteren Vorfälle gemeldet.
Viele Opfer melden sich nicht
Die zuständigen Behörden äußerten die Sorge, dass die offiziell registrierten neun Vorfälle dabei nur einen kleinen Teil des Problems abbilden. Viele schwule Betroffene hätten mit großer Wahrscheinlichkeit gar keine Anzeige erstattet, und es sei zu erwarten, dass weitere Vorfälle ungemeldet bleiben. Martin de Jong von „Roze in Blauw“, dem niederländischen Polizeinetzwerk für die LGBTIQ+-Community, betonte die Schwierigkeiten für Opfer: „Scham spielt hier eine große Rolle. Betroffene möchten oft um jeden Preis vermeiden, dass ihr persönliches Umfeld erfährt, dass sie ein Cruising-Gebiet besuchen.“
Die Zurückhaltung bei Meldungen erschwere es der Polizei, Täter zu identifizieren und Fälle aufzubauen, wodurch Angreifer weiterhin ungehindert agieren könnten. Roze in Blauw biete eine spezialisierte und vertrauliche Anlaufstelle für LGBTIQ+-Personen, um Vorfälle zu melden und diese Hürde zu verringern. Die Polizei ruft alle weiteren Opfer oder Zeugen auf, sich zu melden. Informationen über die Täter oder ähnliche Vorfälle könnten helfen, die Sicherheit des Gebiets für alle Besucher zu gewährleisten. Meldungen können direkt bei der Polizei oder über Roze in Blauw erfolgen.