Wenig Sicherheit online Kaum Schutz für LGBTIQ+-Menschen in den sozialen Medien
Ein aktueller Bericht der queeren US-Organisation GLAAD kommt zu dem Ergebnis, dass die Sicherheit von LGBTIQ+-Menschen auf großen Social-Media-Plattformen rapide weiter abnimmt. Viele Dienste erreichen demnach in einer jährlichen Bewertung ihrer Schutz- und Moderationsrichtlinien neue Tiefstwerte. Untersucht wurden sechs Plattformen, darunter TikTok, YouTube, X sowie mehrere Dienste des Konzerns Meta.
Das Wichtigste im Überblick
- GLAAD meldet Rückgänge beim Schutz von LGBTIQ+-Personen auf großen Social-Media-Plattformen
- Mehrere Netzwerke erreichen im aktuellen Ranking historische Tiefstwerte
- Besonders schlecht schneiden X, YouTube und mehrere Meta-Dienste ab
- Kritik richtet sich unter anderem gegen Moderationsregeln und KI-Einsatz
- TikTok bleibt im Vergleich stabil, aber ohne Verbesserung
Unterschiede zwischen den Plattformen
Am schlechtesten schneidet erneut X ab, das nur 29 von 100 Punkten erreicht. Auch YouTube verzeichnet einen deutlichen Rückgang auf 30 Punkte. Die Dienste von Meta – darunter Instagram, Facebook und Threads – liegen ebenfalls niedriger als im Vorjahr. TikTok bleibt mit 56 Punkten stabil und erreicht damit den höchsten Wert im Ranking, ohne sich jedoch zu verbessern. Die Medienforscher sehen hinter den Entwicklungen unter anderem verschärfte Probleme bei Transparenz, Moderation und Schutzmechanismen, insbesondere für trans* und nicht-binäre Menschen.
Kritik an Richtlinien und Plattformpolitik
Im Bericht werden mehrere Änderungen bei großen Technologieunternehmen hervorgehoben. Bei Meta wird kritisiert, dass Anpassungen bei Hassrede-Regeln zu weniger Schutz vor queerfeindlichen Inhalten geführt hätten. Zudem habe der Konzern Programme im Bereich Vielfalt reduziert und Faktenprüfungen in den USA eingestellt. Auch YouTube steht in der Kritik, weil „Geschlechtsidentität“ aus den geschützten Merkmalen in den Richtlinien zu Hassrede entfernt worden sei.
Der Bericht äußert zudem Bedenken beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Inhaltsmoderation. Automatisierte Systeme könnten LGBTIQ+-Inhalte teilweise übermäßig einschränken, während problematische Inhalte nicht zuverlässig entfernt würden. Zusätzlich wird kritisiert, dass Plattformen zunehmend Nutzerdaten zur Entwicklung von KI-Systemen verwenden, häufig ohne ausreichend transparente Einwilligung.
Reale Vorfälle und Forderungen
GLAAD verweist auch auf eine Zunahme Anti-LGBTIQ+-bezogener Vorfälle im realen Leben, kurz gesagt, immer öfter gehen digitale Anfeindungen in die reale Welt über, für 2025 wurden mehr als 1.000 gemeldete Fälle genannt. Zudem zeigt sich laut FBI-Daten, dass LGBTIQ+-bezogene Hassverbrechen einen erheblichen Anteil an gemeldeten Straftaten ausmachen.
GLAAD-Präsidentin von Sarah Kate Ellis kritisiert, dass große Plattformen grundlegende Standards bei Sicherheit und Transparenz nicht ausreichend erfüllen. Sie wirft den Unternehmen vor, wirtschaftliche Interessen über den Schutz der Nutzer zu stellen. Der Bericht fordert deswegen strengere Moderation, mehr Transparenz sowie bessere Schutzmaßnahmen für queere Nutzer. Ziel sei es, sowohl digitale Belästigung zu verringern als auch die freie Nutzung für queere Inhalte zu sichern.