Umfrage Woran merkt ihr, dass man älter wird?
Wir haben die Community gefragt: Woran merkt ihr, dass man älter wird? Hier die spannenden Antworten:
Ich bemerke im Uni-Praktikum, das ich seit vielen Jahren betreue, dass die neuen Studenten jedes Jahr gleich jung sind, ich dafür immer älter werde. Jetzt bin ich über 30 und zehn Jahre älter als die meisten. Ich merke aber auch, dass ich in zehn Jahren sowohl im Job als auch im Umgang mit Menschen erfahrener, gelassener und reifer geworden bin, aber dafür hat man auch größere Herausforderungen. Mit der Erfahrung wachsen auch die Aufgaben, die grundsätzlich schwieriger werden.
Ich selbst habe in den letzten Jahren so ein Kindheitserwachen, indem ich ganz viele Hobbies und sportliche Challenges wahrgenommen oder nachgeholt habe, die ich früher mangels Zeit oder wegen fehlenden Mutes nicht gemacht habe.
Was hat sich verändert? Wenn ich heute Muskelkater vom Sport habe, dauert es länger ehe er wieder weg ist. Ich habe heute mehr Erfahrung, wie ich mit wenig Schlaf umgehen kann. Und es gibt Dinge, die ich heute anders wertschätze: Zeit ist mir wertvoller als Geld. Das war früher anders. Nicht verändert hat sich mein Geschmack: ich habe immer noch das gleiche Lieblingsessen und meinen Männergeschmack. Ich glaube, dass sich mit dem Alter immer neue Interessenfelder ergeben und sich das Umfeld ändert.
Ich erinnere mich, das meine Mitschüler beim Abi als Abschiedsworte in mein Jahrbuch schrieben, dass sie mir wünschen, dass ich erwachsen werde, aber immer ein Stück vom Kind, das ich bin, in meinem Herzen bewahre. Das wünsche ich mir auch; ich will nicht alt im Kopf werden. Ich hoffe, so alt zu werden wie mein Opa; ich habe nur die Angst, dass ich irgendwann nicht mehr das machen kann, was ich gerne noch machen würde.
Alex aus Köln
Die Unbeschwertheit der Jugend ist weg, es melden sich die ersten Wehwehchen. Auch hat man vieles schon gesehen und ist nicht mehr so begeisterungsfähig für die bekannten Dinge - das nennt man Erfahrung. Ich werde in diesem Jahr 50. Vor etwa zehn Jahren haben die Zipperlein angefangen im Rücken und im Knie. Ich merke es z.B. wenn ich bei Veranstaltungen anstehen muss, bevor es rein geht oder wenn die Witterung auf kalt umschlägt.
Modisch bin ich Glatzenträger und es passt zu mir. Der Haarkranz ist noch da, aber vom Stil her und altersbedingt bevorzuge ich keine Haare auf dem Kopf. Da bin ich nicht so eitel, dass ich an meinen Haaren klebe. Allerdings verstehe ich Männer, denen Haare wichtig sind; meine Persönlichkeit machen aber nicht die Haare aus.
Früher hatte ich einen anderen Tagesrhythmus. Heute merke ich, dass mich meine Arbeit mehr anstrengt und ich nicht mehr jedes Wochenende durchfeiern kann, da ich sonst in der Woche durchhänge. Manchmal feiere ich schon noch länger, ich brauche aber einfach längere Erholungsphasen danach.
Da die meisten Schwulen keine eigenen Kinder haben, geht die Generationen-Folge etwas unter. Man merkt dadurch nur bedingt, dass man älter wird. Es gibt jetzt bestimmt schon zwei schwule Generationen nach mir. Jedoch bin ich dankbar, dass der Typ „Daddy“ so angesagt ist und man nicht wie früher wegen des Alters schräg angesehen oder diskriminiert wird.
Was den neuen Musikgeschmack angeht, bin ich teilweise nicht mehr dabei, ebenso ist Ballermann und Mallorca so gar nicht meins. Social Media und in Apps bin ich auch nicht groß drin. Ich nutze einige Dinge als notwendiges Übel, bevorzuge aber die reale Welt und direkte Begegnungen mit Menschen.
Leopold aus Bonn, noch 49 Jahre alt
Ich merke es daran, dass mir mein Mann alle drei Wochen die Haare färben muss. Mittlerweile werden meine Haare grau und das macht bei mir altersmäßig betrachtet optisch viel aus. Bei anderen Männern finde ich graue Haare sexy, nur bei mir selbst mag ich das nicht, weil es optisch etwas suggeriert, was ich noch nicht fühle.
Außerdem gehen wir beide monatlich zur Kosmetik: Botox in die Stirn, Schläfe und die Zornesfalte und Hyaluron in die Nasolabialfalte. Marc fing damit an und Philipp wollte anfangs nur die Zornesfalte unterspritzen lassen, aber dann entschloss er sich, auch das volle Programm mit zu machen. Aber wir achten sehr darauf, dass wir noch Emotionen im Gesicht zeigen können. Die Ärztin ist eine gute Freundin und sie arbeitet so, dass es natürlich aussieht und nicht maskenhaft wirkt.
Auch körperlich macht sich das Altern bemerkbar: Vor 20 Jahren tanzte Marc professionell in der Nationalmannschaft. Wenn wir heute ausgehen, tanzt Marc noch so, als gäbe es kein Morgen. Aber am nächsten Tag spürt er es in den Knien, in der Hüfte und merkt, dass er keine 25 mehr ist.Wir gehen beide regelmäßig zum Sport, weil wir wissen, wenn man nicht dran bleibt, nimmt die Kondition und die Muskulatur stetig ab. Und es meldet sich der Körper - bei Philipp sind es z.B. Schmerzen mit der Bandscheibe.
Wichtig ist auch die Ernährung - ab einem bestimmten Alter wird es schwieriger, das Gewicht zu halten; wer will schon unbedingt Lovehandles? Last not least - wird auch spät abends nicht mehr zu viel getrunken. Sonst muss man nachts raus und das ist doch ein typisches Zeichen, dass man älter wird.
Marc & Philipp aus Bochum
Dass ich älter werde, merke ich daran, dass mein Marktwert sinkt. Man wird stärker beurteilt, ob man Geld, Vermögen oder ein Haus hat, in welches man mit einziehen könnte oder einen XL-Pimmel. Ich empfinde, dass je älter man wird, stärker taxiert wird. Die Jugend scheint mir heute berechnender zu sein.
Körperlich merke ich, dass meine Fitness nachlässt, ich habe weniger Ausdauer und habe auch zugenommen. Ich esse mehr und bin bequemer geworden. Früher bin ich dreimal die Woche ins Fitness-Studio, heute nur noch einmal. Ich wäge ab, ob es mir wichtiger ist, ins Fitnessstudio zu gehen oder mit Freunden einen Grillabend zu machen. Meine Libido ist zum Glück noch immer wie früher und ich habe erst jetzt meine Liebe zu anderen Füßen entdeckt. Ich bin noch nicht gebrechlich, aber ich achte mehr darauf, womit ich meine Zeit verbringe. Leute, die mich nerven und auf den Geist gehen, lasse ich einfach links liegen. Kürzlich habe ich mein Telefon bereinigt. Menschen mit denen ich zwei Jahre keinen Kontakt mehr hatte, habe ich gelöscht. Wenn ich ihnen wichtig bin, haben sie ja noch meine Nummer.
Obwohl ich noch nicht das Rentenalter erreicht habe, bin ich schon Privatier. Ein Mensch, der mich sehr gemocht hat, vermachte mir sein Vermögen und so konnte ich mein Arbeitsleben beenden, ohne mir finanziell Sorgen machen zu müssen. Dazu habe ich Kreuzschiff-Fahrten entdeckt, was eine sehr angenehme Art zu reisen ist. Es sind keine schwulen Kreuzfahrten, trotzdem gibt es immer am zweiten Tag nach dem Ablegen ein Treffen der queeren Reisenden bei einem organisierten Stammtisch. Wenn die weltpolitische Entwicklung keinen Krieg zu uns bringt, freue ich mich auf einen entspannten Lebensabend.
Thomas (62) aus Saarbrücken
Ich merke beim Aufstehen, dass mir das schwerer fällt. Früher ging es leichter, aber seit einem halben Jahr habe ich das Gefühl, dass meine Gelenke langsam schwerer und steifer werden. Vielleicht ergeht das anderen in meinem Alter auch so, mit 61 Jahren ist das normal; früher oder später trifft es jeden.
Ansonsten fühle ich mich topfit, fahre sehr viel Fahrrad in Hamburg. Auch meine innere Einstellung zum Leben hat sich nicht verändert. Ich achte auf meine Ernährung, um nicht zuzunehmen; man ist ja eitel. Wenn ich in den Spiegel schaue und meine alternde Haut betrachte, merke ich, dass sie welk und das Gewebe schlaffer wird. Natürlich vergleicht man sich mit anderen, aber ich stehe zu mir: So bin ich und so akzeptiere ich mich. Ich stehe dazu, dass ich älter werde und sterblich bin. Man wird im Alter gelassener und ich werde dem Leben gegenüber dankbarer und demütiger. Ich habe auch keine Angst - weder vor dem Uraltwerden, noch davor, irgendwann auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Ich arbeite selbst in der Pflege, von daher weiß ich, was das Altern mit sich bringt. Und ich lerne, wie ich mal nicht werden will: Ich sehe, ob ein Mensch mit der Lebenssituation und seinem Lebensentwurf zufrieden oder unglücklich ist. Mir ist es wichtig, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe und das gelingt mir ganz gut.
Ich lebe alleine, weil ich allein besser zurecht komme. Ich bin aber kein Einzelgänger, sondern sehr kontaktfreudig und pflege meine Freundschaften. Alleine sein heißt ja nicht gleich, einsam zu sein. Außerdem weiß ich mich zu beschäftigen. Ich lese viel, stricke, koche und liebe es, Menschen eine Freude zu machen.
Uwe (61) aus Hamburg
Ich merke, dass ich älter werde, weil ich nicht mehr so fit bin wie vor zwanzig Jahren. Meine Waschmaschine steht im Keller und ich wohne in der Maisonette- Wohnung, die Treppen schaffe ich nicht mehr so einfach, wenn ich meine Wäsche nach oben bringe.
Bis jetzt kann ich – toi,toi,toi – nicht sagen, dass ich viel vom Altwerden körperlich spüre, aber volle Einkaufstüten schleppe ich nicht mehr nach oben. Ich mache lieber kleinere Einkäufe und bevor ich einen Kasten Bier nach oben schleppe, kaufe ich die Flaschen einzeln. Mein Freundeskreis besteht vorrangig aus Jüngeren, obwohl die nun auch schon in die Jahre gekommen sind. Wir gehen nicht mehr so häufig wie früher in die Szene, eher treffen wir uns im Privaten. Die politische Lage macht mir derzeit große Sorgen. Da denke ich manchmal: gut, dass ich schon so alt geworden bin, ohne mit diesen Sorgen leben zu müssen. Ich bin bereits mehrere Jahre Rentner und da mache ich mir keinen Stress mehr. Wenn ich mag, gehe ich früher ins Bett oder bleibe mal länger liegen, obwohl ich eher der Frühaufsteher-Typ bin.
Woran ich auch merke, dass ich alt geworden bin, ist die Inflation - wenn ich daran denke, was früher ein Brötchen oder eine Kugel Eis gekostet hat … Finanziell muss ich mir zum Glück keine Sorgen machen. Einsam bin ich auch nicht, auch wenn ich als Single lebe. Ich lese viel, bin oft unterwegs und habe auf keinen Fall Langeweile.
Aber ich habe mir – vorausschauend – eine neue Wohnung gesucht. Da habe ich in Zukunft nur noch zwei Etagen und als Alternative einen Fahrstuhl, den ich aber vorerst nur wenig benutzen möchte, um fit zu bleiben.
Wolfgang aus Köln, wird im Juli 73