Hitzige Fragen Friede Freude Eierkuchen – Worüber streitet ihr euch?
André & Dirk
Wir sind seit 25 Jahren ein Paar, 20 Jahre verpartnert und inzwischen verheiratet. Ich (André) kann von mir behaupten, dass ich ein sehr Harmonie bedürftiger Mensch bin und es gibt nur wenige Sachen, die mich aus der Fassung bringen. Je länger wir beide zusammen sind, umso weniger Situationen gibt es, die mein Mann produziert, worüber wir noch streiten. Früher gab es in Situationen Streit, da konnten wir beide danach nicht mehr in einem Bett schlafen. Das ist heute aber schon über 10 Jahre her. Meist ist es damals passiert im Zusammenhang mit Alkohol - ich werde dabei leicht aggressiv, mein Mann Dirk wird eher kuschliger. Wenn ich mich zurückerinnere, wann wir gestritten haben, war es meist das Thema Neid. Es ging zwar in Richtung Eifersucht, war es aber nicht. In unserer offenen Partnerschaft hat es mich neidisch gemacht, wenn er einen Mann hatte, den ich auch gut fand, aber eben nicht bekam. Das hat mich getriggert. Heute lächeln wir sehr schnell bei solchen Situationen.
Ich (Dirk) finde, dass es keinen typisch „schwulen“ Streit gibt. Zwei Menschen, die sich nah sind und Missverständnisse haben und sind durch ihre Nähe einfach verletzlicher. Ich glaube, inzwischen sind wir beide in einer Mitte im Leben angekommen, dass wir eine Zufriedenheit empfinden. Wenn wir merken, dass der andere gerade nicht so gut drauf ist, dann lassen wir uns einfach mal in Ruhe. Wenn ich bei meinen Partner André etwas blöd finde, dann hinterfrage ich zuerst, was mich jetzt stört. Darf ich meinen Partner dahingehend verändern, das nur ich mich gut fühle, oder geht es mir darum, dass auch mein Partner sich wohl fühlt? Das ist doch das, was eine gute Beziehung ausmacht.
Christian & Mathias
Wir kennen uns seit 2001 und sind seit 16 Jahren verheiratet. Am Anfang unserer Beziehung war es echt nur Harmonie. Wir glauben, dass wir uns in den ersten zehn Jahren unserer Beziehung überhaupt nicht gestritten haben. Dann haben wir festgestellt, dass eine solche pure Harmonie auf Dauer Sch…. ist. Wir haben Meinungsverschiedenheiten als zwei eigenständige Personen, warum soll man sich darüber nicht austauschen und streiten? Wir haben für uns eine Streitkultur entwickelt, um solche Dinge zu klären.
Manchmal spüre ich (Christian), dass Mathias irgendetwas auf der Seele brennt. Oft merke oder spüre ich das eher, bevor er sich dessen bewußt wird. Mathias hat einige chronische Erkrankungen und dann mache ich mir Sorgen, während Mathias versucht sich zurückzuhalten, damit er mich nicht damit belastet. Das führt dann zu Reibereien, dabei ist es von beiden Seiten eigentlich nur liebevoll gemeint.
Wir streiten uns nur wirklich, wenn einer von uns beiden durch die Arbeit gestresst ist und Ruhe haben will, während der andere vielleicht gerade den Austausch sucht. In solchen Situationen ziehen wir uns voreinander zurück und nach ein paar Stunden ist auch alles wieder gut.
Wir haben auch einen sehr unterschiedlichen Tagesrhyrthmus. Mathias geht früh ins Bett und steht dementsprechend früh auf, ist morgens voller Energie und schafft vormittags einen Großteil seiner Aufgaben. Christian ist eher die Eule und wenn er aufsteht, dann legt sich Mathias nochmal hin.
Und wir haben einen total unterschiedlichen Mode- und Einrichtungsgeschmack. Wenn Mathias Christian etwas schenken möchte, worüber dieser sich freut, muss er nur das kaufen, was ihm selbst am wenigsten gefällt. Dieses gegenseitige gut Kennen, sorgt dafür, dass man unwichtige Streitereien von vornherein vermeidet.
Erich & Stephan
Wir sind seit anderthalb Jahren verheiratet, davor kannten wir uns schon zehn Jahre. Durch den Trauschein hat sich unsere Liebe sogar noch intensiviert. Unsere Beziehung empfinden wir als harmonisch, auch wenn wir uns im Alltag meist nur an den Wochenenden und im Urlaub sehen. Vielleicht verhindert das manchen Streit, weil wir den Alltag nicht ständig miteinander teilen. Wenn wir getrennt sind, telefonieren wir aber jeden Abend zur selben Zeit über FaceTime.
Kleine Reibereien gibt es natürlich trotzdem. Als wir gemeinsam Erichs Wohnung renoviert haben, wollte jeder zeigen, dass er der bessere Handwerker ist. Am Ende haben wir uns einfach auf verschiedene Räume verteilt, damit wir uns nicht in die Quere kommen. Danach haben wir in Ruhe darüber gesprochen, damit keine Missverständnisse entstehen. Ähnlich ist es beim Autofahren. Erich fährt deutlich mehr Auto und ist deshalb entspannter. Wenn Stephan fährt und besonders vorsichtig ist – nach links und rechts schaut und den Schulterblick macht – geht Erich das manchmal zu langsam, und er würde am liebsten selbst fahren. Auch in der Küche funktioniert es besser, wenn wir getrennt kochen oder uns abwechseln. Das ist aber kein Konkurrenzkampf. Meist hat einer von uns beiden in einem Bereich mehr Erfahrung und möchte dem anderen helfen oder etwas erklären. Vielleicht ist das Ego mal kurz angekratzt, aber unsere Welt geht davon nicht unter. Wir sind eher harmoniebedürftig und hatten tatsächlich noch nie richtigen Streit.
Im Moment belasten Stephan die Probleme mit seiner Mutter. Erich weiß, dass Stephans Anspannung nichts mit ihm zu tun hat und seine schlechte Laune von den Sorgen um seine Mutter kommt. Da sprechen wir offen darüber. Das schafft Verständnis und verhindert Streit.
Felix & Manuel
Wir haben uns vor 16 Jahren in Schweden kennen gelernt und sind im Jahr 2022 nach Deutschland gezogen. Felix ist als Kubaner schon sehr temperamentvoll und da Manuel der ruhigere ist, kommt es auch schon mal zu Streitereien. Felix hat zum Beispiel nicht die rechte Geduld, er kann schlecht warten. Dabei ist er vom Zeitverständnis eher deutsch; Manuel im Gegensatz eher Latino. Da kann Warten schon gelegentlich zum Streitereien führen. Manchmal kommt es auch zu Diskussionen, was wir essen und wer das Essen vorbereitet. Der Eine möchte eher Reis oder Nudeln, der Andere doch lieber Gemüse. Ansonsten hat jeder seine festen Aufgaben, die täglich im Haushalt anfallen.
Richtiger Streit entsteht, wenn Manuel – der „Badboy“ – dann trotz einer abgesprochenen offen Beziehung Grenzen überschreitet und bestimmte Regeln nicht einhält. Da ziehen schon mal Gewitterwolken auf. Böse werden heißt dann, dass es auch mal laut werden kann. Der Badboy weiß aber, dass das alles temporär ist, er weiß, wie er Felix nach einer bestimmten Zeit wieder versöhnlich stimmen kann und wenn er Felix wieder in den Arm nimmt, scheint auch die Sonne wieder - selbst wenn es nachts ist.
Wichtig ist uns Beiden, dass alles angesprochen wird. Geheimnisse gibt es nicht. Und wenn wir zusammen etwas geplant haben, hat das auch immer Vorrecht. Sprachliche Differenzen gibt es nicht, Manuel ist ein Sprachgenie, er spricht neben schwedisch auch fließend spanisch. Auch politisch gesehen gibt es keinen Streit, da haben wir gleiche Ansichten. Lediglich beim Tagesryhtmus gibt es noch Unterschiede: Während Manuel ein Nachtmensch ist und demzufolge auch eher ein Morgenmuffel, braucht Felix seine Schlafeinheiten und dann sollte es auch ruhig sein. Aber das dürfte in einer Beziehung ein kleineres Problem sein.
Fernando & Tom
Fernando und ich kennen uns seit 9 Jahren. Nach 5 Jahren Fernbeziehung zwischen Deutschland und Uruguay, sind wir vor 4 Jahren endlich zusammen gezogen. Streit gibt es natürlich in jeder Beziehung, das gehört im Alltag des Zusammenlebens dazu. Bei uns sind es meist nur kleine Streitereien über Angewohnheiten des Anderen, wie Unordnung in der Küche oder im Kleiderschrank, offen stehende Klodeckel, Schuhe, die mitten im Weg liegen oder ob im Winter bei offenem Fenster geschlafen wird oder nicht. Auch kulturelle Differenzen können mal zu einer Diskussion führen. Fernando ist als Südamerikaner viel emotionaler als ich, während es mir eher schwer fällt, Freude oder Trauer offen zu zeigen. Das wirkt dann oft kühl, während mir seine Expressionen oft übertrieben erscheinen. Eifersucht war auch schon mal ein Thema, vor allem, als wir noch 11000 km voneinander getrennt waren. Eine offene Beziehung kam für uns nie in Frage. Gefährlich wird es, wenn wir hungrig sind, da sinkt die Reizschwelle bei Beiden. Wenn ich nervös bin und Auto fahre, kann ich schon mal "pampig" reagieren. Da weiß Fernando, dass er mich besser in Ruhe lässt. Wir kennen uns gegenseitig gut und wissen die Launen des Anderen einzuschätzen, um eine Auseinandersetzung zu vermeiden. Wir beide empfinden Streit als große emotionale Belastung und wir denken, dass mit jedem Streit auch die Hemmschwelle sinkt, sich erneut zu streiten. Wir sind beide sehr kompromissbereit und begraben eine Meinungsverschiedenheit immer mit einer zärtlichen Umarmung. Streit kann eine Beziehung festigen, wenn man offen darüber spricht und die "Sache" aus dem Weg räumt. Streit kann aber auch zur Belastung werden, vor allem, wenn man sich an unwichtigen Dingen hochschaukelt. Ehrlichkeit und Kompromissbereitschaft sind dabei unserer Meinung nach am Wichtigsten.
Patrick & Stephan
Wir sind seit 20 Jahren zusammen, haben aber erst vor zwei Jahren geheiratet, obwohl es vor 10 Jahren am Taj Mahal in Indien schon die Verlobungsringe gab. Lange Zeit gab es in unsere Beziehung gar keinen Streit, wohl vor allem weil ich, Stefan kein streitvoller Mensch bin. Ich schlucke meinen Gram eher herunter und bin da, wie meine Mutter Erna. Patrick sagt dann immer, wenn ich den Streit vermeiden will und nach Harmonie strebe: „Ja, Erna.“ So streiten wir nicht wirklich, wir einigen uns über bestimmte Punkte, geben die eigene Meinung nicht auf, akzeptieren aber die Meinung des anderen. Ich (Stefan) wünschte mir manchmal, so streitlustig wie meine Schwester zu sein, aber es ist eben nicht mein Charakter.
Ich (Patrick) bin schon eher derjenige, der meinen Standpunkt klar sagen kann, was mich ärgert oder belastet. Früher war es so, wenn ich keine Gegenreaktion bekam, machte mich das noch verärgerter. Der Konflikt konnte nicht ausgetragen werden, es brodelte in mir. Das ging soweit, das ich keine körperlichen Berührungen abkonnte oder mich in ein Zimmer einschloss, bis ich mich wieder eingekriegte. In unserer langjährigen Beziehung haben wir aber inzwischen alle großen Probleme besprochen und gelöst. Da bleiben so kleine Streitpunkte z.B. wie man richtig die Spülmaschine bestückt – und wenn ich das nicht richtig mache, muss es Stefan eben immer selber machen. So kann man auch Streit vermeiden :-). Stefan ist auch der Überpünktliche, während ich gern das akademische Viertel ausreize. Ich bin eher der Künstler, Stefan ist der Korrekte, aber wie heißt es so schön: Gegensätze ziehen sich an. Da ist es manchmal auch gar nicht so schlecht, dass es Stefan nicht zum Streit kommen lässt.