Direkt zum Inhalt
Umfrage: 3 Dinge

LESERUMFRAGE Drei Dinge, die Euch wichtig sind

vvg - 21.02.2026 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Mir sind Bühne, Tanz und Musik wichtig. Ich musste mit meiner Schwester immer, wenn wir auf La Réunion Besuch bekamen, zur Begrüßung etwas vortanzen. So entstand schon früh die Liebe zur Musik und zum Tanz. Vor über 40 Jahren kam ich, eigentlich geplant für ein Jahr, nach Deutschland. Hier war irgendeine Magie, und ich fühlte mich so wohl, dass ich seitdem in Deutschland lebe. 

Vor 13 Jahren habe ich mich umgeschaut, wo ich singen und eventuell auch als nicht mehr ganz junger Mann tanzen kann. Ich entdeckte das Divertissementchen, wurde Mitglied im Ensemble der Cäcilia Wolkenburg. Hier habe ich die ersten beiden Jahre im Ballett auf der Bühne gestanden, und seit elf Jahren singe ich im Chor Bariton. Mein Musiklehrer sagt immer, ich sänge einen Frauen-Tenor. Dazu muss man für Nicht-Eingeweihte erklären, dass wir im Verein etwa vier Wochen lang zur Karnevalszeit ein sehr professionelles Singspiel mit Orchester in der Oper aufführen. Die Themen reichen von Adenauer bis Napoleon und die Musik von Bach bis Michael Jackson. 

Für mich war und ist es wichtig, die weite Welt zu erleben. Die meisten Menschen träumen vom Inselparadies, ich träumte immer von großen Städten. Als ich 1978 die Insel verließ, lebte ich zunächst sieben Jahre in Paris. Dort konnte ich mich ausleben und ausprobieren, dort spürte ich die Freiheit, die mir auf der Insel fehlte. Hier musste ich mich nicht verstecken, weil ich homosexuell bin. 

Das Dritte, was mir wichtig ist, ist die Gesundheit. Da ich im Gesundheitswesen als Physiotherapeut arbeite, bekomme ich mit, wie schnell Gesundheit vorbei sein kann und wie sehr das Altern unser aller Zukunft beschwerlicher werden lässt. 
Brice aus La Réunion, lebt in Köln 

Brice // © vvg

 Brice // © vvg

Die erste Sache, die mir einfällt, ist Familie. Im Leben geht es darum, die Menschen, die man liebt, eng bei sich zu behalten und darauf zu achten, dass es ihnen gut geht. Dabei ist es egal, ob es eine Blutsfamilie oder eine frei gewählte Familie ist. Ich bin in einer Patchworkfamilie groß geworden. Meine Mutter floh 1989 aus dem Osten in den Westen, als sie mit mir schwanger war. Dort lernte sie einen neuen Mann kennen, und ich habe noch eine Halbschwester. 

Meinen leiblichen Vater habe ich nur einmal in meinem Leben getroffen, wir sind uns aber fremd geblieben. Seit vier Monaten gehört auch mein Freund zur Familie. Obwohl wir uns erst kurz kennen, sind wir schon sehr vertraut miteinander. Ich brauche ihn als zweiten Angelpunkt in meinem Leben. 

 

Unheimlich wichtig sind mir Menschen, die ich als gute Freunde oder als selbst gewählte Familie bezeichnen würde. So zum Beispiel meine beste Freundin, die sich wie eine Schwester anfühlt. Ich habe nicht viele Menschen, die ich dazu zählen möchte, denn mit dem Begriff Freundschaft wird oft sehr inflationär umgegangen. Mit guten Freunden muss man sich streiten können, muss nicht immer einer Meinung sein und kann sich die Wahrheit ins Gesicht sagen und auf Fehler hinweisen. 

Die dritte Sache würde ich unter den Begriffen Kreativität und Freiheit zusammenfassen. Kreativsein hat mein ganzes Leben geprägt. Ich male Bilder nur für mich, um meine Gefühle auf die Leinwand zu bringen. Ich bin gelernter Grafiker und habe sehr viel fotografiert. Heute arbeite ich kreativ als Tischler. Ich lebe mein Leben wie einen Film. Vielleicht lässt sich mein Kreativsein am besten mit den Tagträumen im Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ vergleichen. 
Chris aus Krefeld 

 Chris // © vvg

Chris // © vvg

Das Wichtigste für mich war mein emotionales Wachstum und meine persönliche Weiterentwicklung. Ich habe mit Anfang zwanzig meinen Job als Modelltischler in Duisburg hingeschmissen. Das war auch nicht meine erste Berufswahl, ich wollte eigentlich Tierpfleger werden, habe aber auf Wunsch meines Vaters und auf Empfehlung des Jobcenters diese Tischlerausbildung gemacht. Es war der Horror für mich. 

Als ich mir das bewusst machte, habe ich meinen Job hingeschmissen, auf dem zweiten Bildungsweg die mittlere Reife nachgeholt, noch einmal die Schulbank gedrückt und studiert. Ich wurde Innenarchitekt und war bis zur Rente in einem Architekturbüro angestellt. 

Das zweite Ding ist ein Buch. Ich habe in der Auslage eines Buchladens das Buch „Schwul, na und?“ gesehen, und eine Freundin hat es mir gekauft. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch ein heterosexuelles Leben geführt. Dieses Buch hat mich zu meinem Coming-out gebracht. Es hat mir den Mut gegeben, mich zuerst bei meiner Freundin und dann bei meiner Familie zu outen. Mein Vater wollte nie mit mir darüber reden, meine Mutter ist in Tränen ausgebrochen, allerdings eher aus Mitleid darüber, was ich ihrer Meinung nach für ein schwieriges Leben haben werde. Als sie zu ihrer dritten Hochzeit meinen Freund nicht dabeihaben wollte, bin ich lieber gar nicht zur Hochzeit gegangen, als ohne meinen Freund. 

 

Wichtig in meinem Leben war mir außerdem, Selbsterfahrung in einer Gruppe zu machen. Das habe ich zwar nur anderthalb Jahre getan, aber es hat mir ungemein geholfen, innerlich weiterzuwachsen. Durch diese drei wichtigen Dinge habe ich mein Leben erfolgreich gemeistert, konnte Krisen besser durchstehen und bei mir bleiben. Nur so stehe ich heute da, wo ich bin. 
Henning aus Essen 

Henning // © vvg Henning // © vvg

Sehr wichtig sind mir meine Familie und meine Freunde, die größtenteils in Köln, an der niederländischen Grenze und im benachbarten Ausland leben. Meine Familie sehe ich alle paar Monate. Meist fahre ich zu ihnen, aber sie besuchen mich auch. Weihnachten ist gesetzt, dass wir bei der Familie am Niederrhein feiern, zum einen, weil meine Mutter das gern möchte, und zum anderen, weil ich es auch gern für sie mache. Dort treffe ich auch Teile der Familie, die ich sonst nicht sehen würde. 

Freunde hier in der Stadt treffe ich natürlich häufiger, und im Ausland lebende Freunde so, wie es sich ergibt. Die längste Freundschaft dauert übrigens schon so lange, wie ich lebe. 

Menschen an sich sind mir wichtig, ebenso der Frieden, also die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen. Ich finde, seit Corona haben sich die Menschen verändert. Sie sind generell rücksichtsloser und egoistischer geworden. Da ich ein offener, empathischer Mensch bin und auf andere zugehe, beobachte ich verstärkt, dass viele ängstlicher, kontaktscheuer, aber auch aggressiver geworden sind. Sie reden zu wenig miteinander, auch wegen der sozialen Medien. Ich finde, im Gespräch von Angesicht zu Angesicht lassen sich Streit und Meinungsverschiedenheiten direkter und schneller klären. 

 

Ein Partner ist mir wichtig, auch wenn ich derzeit Single lebe. Ich suche nicht aktiv, weil ich mehrere Enttäuschungen in langjährigen Beziehungen erlebt habe und dadurch etwas schüchtern geworden bin, eine neue Beziehung einzugehen. Mit zunehmendem Alter wird es schwieriger, weil man weiß, was man möchte. Ich werde dazu auch in die südliche Hemisphäre reisen, denn mich fasziniert die lebensbejahende Energie und das Lebensgefühl, das südländische, meist dunkelhäutige Männer versprühen. 

Olaf aus Köln 

Olaf // © vvg

Olaf // © vvg

Bei mir haben Musik und das Singen schon immer eine große Rolle gespielt. Angefangen habe ich in einem Knabenchor, später habe ich in verschiedenen Chören gesungen, unter anderem durfte ich im Opernchor der Bühnen in Mönchengladbach/Krefeld Bühnenerfahrung sammeln. Mein Beruf war Lehrer an einer Hauptschule, natürlich mit dem Hauptfach Musik. 

Vor etwa 15 Jahren habe ich den Kölner Männer-Gesangs-Verein mit einem Singspiel gesehen, das sogenannte Divertissementchen. Ich war total begeistert und wollte mitsingen. Als ich den damaligen Chorleiter fragte, antwortete er, ich könne mitsingen, wenn ich bereit wäre, auch eine Frauenrolle zu übernehmen. Nun bin ich seit vierzehn Jahren dabei und stand dreizehn Jahre in einer Frauenrolle auf der Bühne. Es macht großen Spaß, denn der Chor ist einfach „göttlich“, und eine Frauenrolle zu spielen ist in diesem Chor auch kein Problem. 

Zweitens: Nach einer 30-jährigen Ehe habe ich vor zwanzig Jahren meine jetzige Lebenspartnerin kennengelernt. Sie war damals an derselben Schule, und wir haben mit den Kindern Musicals einstudiert: sie die Tänze, ich die Musik. So begann unsere Gemeinsamkeit. Sie ist mir wichtig, weil sie mir vieles ermöglicht, was in meiner ersten Ehe nicht möglich war. Sie lässt mir die Freiheit, die ich brauche, zum Beispiel jeden Donnerstag zur Chorprobe zu gehen. Jetzt stehe ich 30 Abende auf der Bühne, und seit Juli haben wir das Stück dreimal pro Woche geprobt. 

Drittens: Ich liebe und genieße das Leben, auch mit meinen 76 Jahren. Ich bin niemals ernsthaft krank gewesen. Ich koche gern und trinke mir auch gern einen. Ich glaube, diese Lebenslust habe ich von meinem Vater geerbt, der das Leben ebenfalls geliebt hat. Und wenn es etwas zu feiern gibt, sind wir dabei. 
Peter aus Neuss 

Peter // © vvg

Peter // © vvg

Die drei Dinge, die uns im Leben wichtig sind, sind zum einen Freunde und Familie. Man muss füreinander da sein, die Familienbande und Freundschaften pflegen und sich glücklich schätzen, dass man sie hat. Wir sind zwar nur als Künstler „Zwillinge“, haben aber jeweils eigene Familien. Bei mir, Oli, leben noch beide Elternteile, bei Reiner lebt noch die Mutter, die wir umso lieber haben. Wir pflegen unsere Familien beiderseits sehr. 

Unsere Wurzeln liegen in Süddeutschland, in Ulm und Karlsruhe. Wir sehen uns alle regelmäßig, das ist gut geplant und getaktet. Wir haben viele gemeinsame Freunde in Köln, in unserer alten Heimat gibt es aber auch Freundschaften, die jeweils nur einer von uns pflegt. 

 

Eine positive Lebenseinstellung und Optimismus sind unser zweiter wichtiger Punkt im Leben. Wenn man jemanden anlächelt, bekommt man meist ein Lächeln zurück. Man kann viel dazu beitragen, dass es einem besser geht und man schönere Dinge erlebt. Wir glauben, dass wir das auch ausstrahlen. Das ist nicht künstlich aufgesetzt, so sind wir einfach. Man darf sich von negativen Dingen nicht unterkriegen lassen, denn negative Nachrichten wird es immer geben. Deshalb stehen wir für ein menschliches Miteinander und nicht für ein Gegeneinander. 

Wenn wir unser Leben reflektieren, sehen wir, dass wir privilegiert sind und es uns gut geht. Daran möchten wir andere im Rahmen unserer Möglichkeiten teilhaben lassen. Deshalb engagieren wir uns sozial für Kinder, denen es nicht so gut geht. Wir sind bei Domspitzen e.V. aktiv. Dort werden zum Beispiel rund 11.000 Wünsche von Kindern zu Weihnachten gesammelt, und wir versuchen, diese unter anderem durch Spendensammlungen zu erfüllen. 
Sugartwins Cologne, alias Reiner und Oli

Sugartwins Cologne, alias Reiner und Oli // © vvg

Sugartwins Cologne, alias Reiner und Oli  // © vvg

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Leserumfrage

Vorsätze fürs neue Jahr?

Ich habe einen guten Vorsatz für das neue Jahr: Bei einer Bärenwahl bin ich „Vize-Bear“ geworden und möchte mit der Schärpe in meinem Amtsjahr...
X-Mas/Sylvester

Same procedure as every Year?

Das wäre fantastisch, wenn ich das gleiche Prozedere wie im letzten Jahr erleben dürfte. Da war ich über die Feiertage auf Kreuzfahrt in der Karibik..
Leserumfrage

Sammelleidenschaften

Es gab gar keinen so richtigen Anfang des Sammelns. Ich meine, mich zu erinnern, mit 5-6 Jahren war ich auf einer Betriebsfeier meines Vaters dabei...
Leserumfrage

Mein VATER und ICH

Wir hatten ein ganz normales Verhältnis zueinander; allerdings war das zu meiner Mutter immer besser, weil mein Vater ja meistens arbeiten war.
Leserumfrage

Mein Magic Moment

Endlich habe ich mein Lachen wieder. Vor fünf Jahren habe ich meinen besten, liebsten und engsten Freund verloren, viel zu früh.
Leserumfrage

My passion is my fashion

„Passion ist my fashion“ – trifft 100%ig auf mich zu. Mode ist meine Leidenschaft. Ich renne nicht jedem Trend hinterher, sondern habe meinen Stil.
Leserumfrage

Meine größte Herausforderung

Ich bin Mitorganisator eines CSDs in den neuen Bundesländern. Es ist eine große Herausforderung Menschen zu mobilisieren, um bei CSDs im Raum Chemnitz
Leserumfrage

Porno – schon mal dabei gewesen?

Ich bin ein Pornodarsteller, benutze allerdings einen Künstlernamen sozusagen als Schutzschild, da ich im Privatleben noch einen anderen Beruf ausübe.
Leserumfrage

Wie betrifft uns die Zeitenwende?

Wir sehen die Entwicklung in Russland und in den USA zunehmend seit der Trump-Regierung: In beiden Ländern werden queere Menschen verfolgt...