Direkt zum Inhalt

Welle der Gewalt in Italien Vizepräsident von schwulem Verein attackiert

Von ms - 17.03.2026 - 13:00 Uhr
Welle der Gewalt in Italien
Foto: iStock / nimu1956
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Fälle von verbalen und gewalttätigen Attacken auf die schwule Community nehmen in Italien immer mehr zu, allein in den letzten Wochen schockten der Übergriff auf einen beliebten Content-Creator, der brutale Überfall auf einen 18-Jährigen in Genua und die Vergewaltigung eines 19-Jährigen in Turin. Nun hat es den Vizepräsidenten des größten schwul-lesbischen Vereins des Landes erwischt. 

„Halt die Klappe, Schwuchtel“

Beim Spaziergang im Park Retrone in Vicenza ist der Vizepräsident von Arcigay Vicenza, Christopher Gaiotto, homophob beleidigt und beschimpft worden, zudem wurde ihm Gewalt angedroht. Nur durch Glück entging der Mann einer brutalen Attacke. Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Samstag, als Gaiotto einen Mann bat, seinen Hund anzuleinen. Daraufhin reagierte der Mann mit den Worten: „Halt die Klappe, Schwuchtel, ich werfe dich in den Kanal!“ Anschließend machte der unbekannte Mann Anstalten, seinen Drohungen auch Taten folgen zu lassen. Gaiotto konnte fliehen, bevor es handgreiflich wurde. 

Probleme nehmen zu 

Für die Organisation ist auch das leider kein Einzelfall, erst im Februar dieses Jahres wurde der Präsident von Arcigay Napoli, Antonello Sannino, massiv bedroht – unbekannte Täter schickten ihm Morddrohungen, jetzt ermittelt die Polizei. Arcigay Vicenza erklärte jetzt zum jüngsten Vorfall in Vicenza, dass es sich dabei nicht um eine „einfache Auseinandersetzung zwischen Bürgern“ gehandelt habe, sondern um ein klassischer Fall inzwischen alltäglicher Diskriminierung gegen Schwule und Lesben. „Es gibt ein kulturelles Problem und es wird immer größer“, erklärte die Organisation.

Luca Zerbato, Präsident von Arcigay Vicenza, betonte, dass solche Situationen immer häufiger vorkämen: „Einerseits sind wir überrascht über die Banalität dessen, was diesen Vorfall ausgelöst hat, andererseits sind wir auch abgestumpft, weil wir wissen, dass solche Vorfälle inzwischen recht häufig vorkommen“, sagte Zerbato. Er verwies darauf, dass diese Form von Gewalt oft unsichtbar bleibe, da sie aus diskriminierenden Worten und Handlungen bestehe, viele solcher Fälle würden nicht angezeigt werden und daher in offiziellen Statistiken gar nicht erst auftauchen: „Es ist schwer, eine Schätzung abzugeben, gerade weil sie nicht angezeigt werden. Wie im Fall von Christopher: Hätte er die Carabinieri gerufen, wäre die Person verschwunden und es wäre nichts passiert.“

Freiheit wird massiv eingeschränkt

Ein weiterer Grund für die Unsichtbarkeit solcher Vorfälle sei die Zurückhaltung vieler LGBTIQ+-Personen, ihre Identität öffentlich zu zeigen. „Oft schweigen die Menschen, weil sie vielleicht nicht geoutet sind, sich nicht exponieren wollen. Aber es sind viele“, erklärte Zerbato. Arcigay Vicenza sieht im Vorfall ein Signal für ein größeres gesellschaftliches Problem. „Diese Diskriminierung gegenüber der LGBTIQ+-Community ist weit verbreitet.“ Verbale Angriffe im öffentlichen Raum trügen dazu bei, ein feindliches Klima zu schaffen, das die Freiheit von homosexuellen und queeren Personen immer mehr einschränke. Auch ohne körperliche Gewalt hinterließen die Worte Spuren.

Die Organisation entschied sich deswegen bewusst, den Vorfall öffentlich zu machen. „Wir, als Aktivisten, haben den Rücken frei und können uns exponieren. Deshalb erschien es uns richtig, dies zu tun, auch für diejenigen, die das nicht können“, erklärte Zerbato. Es gehe darum, das Schweigen zu durchbrechen und auf den Schaden aufmerksam zu machen, den solche Vorfälle anrichten können. Auch Vertreter der Stadtpolitik reagierten auf den Vorfall. Die Stadtratsmitglieder der Gruppe Civici per Vicenza äußerten Solidarität mit Gaiotto und verurteilten die Beleidigungen: „Unsere Stadt möchte offen sein und die Rechte aller respektieren: Sie akzeptiert keine Gewalt, keinen Hass und keine Diskriminierung. Wir verurteilen daher ohne Einschränkungen, wer die Rechte und die Würde von Menschen nicht respektiert.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungVeranstaltung in Garching: Fundamentalistische Hassbotschaften im BürgerhausDER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusGALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktheit bei Heated Rivalry

Intime Dreharbeiten ohne Grenzen?

Die Hauptdarsteller von „Heated Rivalry“ waren zu kompletten Frontalnacktaufnahmen bereit. Regisseur Jacob Tierney entschied sich jedoch dagegen.
Frauen und Schwulenpornos

Besonderer Reiz für die Damenwelt

Die Hälfte des Publikums schwuler Pornos auf Pornhub ist inzwischen weiblich. Studien zeigen, warum Frauen Sex zwischen Männern so interessant finden.
Spätes Coming-Out mit 40

Saunabesuche, Sex und Politik

Der bekannte britische Radiomoderator Iain Dale spricht über Homophobie bei den Tories, sein spätes Coming-Out und sein früheres Sexleben.
Polizeieinsatz bei Halk TV

Türkei geht erneut gegen Medium vor

Nach einer Razzia bei Halk TV in der Türkei übernimmt der Staat jetzt die Kontrolle. Die Opposition kritisiert den Eingriff in die Pressefreiheit.
Social-Media-Verbot kommt

Regierung verschärft Jugendschutz

Die Bundesregierung plant strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige. Für queere Jugendliche geht es dabei auch um wichtige Schutzräume.
Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.
Kein Geld mehr für LGBTIQ+

Florida streicht Museumsförderung

Das bekannte LGBTIQ+-Museum in Florida verliert seine Förderung. Die Leitung kritisiert den Einfluss neuer Gesetze und fordert politischen Widerstand.
Kuss-Foto löst Hasswelle aus

Todesdrohung nach Familienfeier

Ein harmloses Kuss-Foto eines schwules Paares löst im Netz homophobe Hetze bis hin zu Todesforderungen aus. Das Paar lässt sich nicht einschüchtern.
Droht ein neues LGBTIQ-Verbot?

Aserbaidschans neue Gesetzespläne

Aserbaidschan soll ein Verbot sogenannter „LGBT-Propaganda“ nach russischem Vorbild planen. Einige Abgeordnete dementieren bisher eher halbherzig.