Morddrohungen in Italien Aktivist der größten queeren Organisation Italiens lebt in Furcht
Morddrohungen gegen den Landeschef der größten LGBTIQ+-Organisation in Italien: Der Präsident von Antinoo Arcigay Napoli, der neapolitanischen Regionalorganisation von Arcigay, Antonello Sannino, ist nach eigenen Angaben massiv bedroht worden. Die jüngsten Einschüchterungen richteten sich nicht nur gegen ihn persönlich, sondern ausdrücklich auch gegen seine Familie, erklärte der Aktivist. Seit Juni habe er sieben Anzeigen erstattet.
Große Angst vor Gewalt
In einem Beitrag in sozialen Netzwerken schrieb Sannino: „Ich habe neue und schwere Drohungen erhalten: Im Visier steht meine Familie, ein inakzeptables Klima des Hasses.“ Die hasserfüllten Anrufe stammten wiederholt von derselben Telefonnummer. Erst vor kurzem habe er weitere Nachrichten entdeckt, die im Spam-Ordner gelandet seien. „Tatsächlich ist es ein neuer Zyklus von Drohungen, der am 15. November begonnen hat – Nachrichten, die ich überhaupt nicht gelesen hatte“, so Sannino.
Besonders beunruhigend seien detaillierte Angaben zu seinen Angehörigen. „Darin stehen die Vor- und Nachnamen meiner Eltern, meiner Familienangehörigen und sogar die Kanzlei meines Bruders, von der ich nicht einmal wusste, wo sie ist, weil er in einer anderen Stadt lebt“, erklärte er. Zudem würden sehr private Details genannt: „Sie beziehen sich auf Dinge über meine Angehörigen, die nicht einmal ich kenne. Sie kennen den Nachnamen meiner Mutter, nicht nur ihren Vornamen, sondern auch den Kosenamen, mit dem wir sie nennen. Das sind viel zu private Details.“
Auch der Hinweis auf das Büro seines Bruders habe sich als zutreffend erwiesen. „Als ich die Nachrichten in den Familienchat weitergeleitet habe, sagte mein Bruder: ‚Aber ich habe meine Kanzlei tatsächlich dort.‘ Ich wusste nicht einmal, wo sie ist. Wenn ich ein Problem habe, gehe ich zu ihm nach Hause, nicht in seine Kanzlei“, berichtete Sannino.
Klima des Hasses
In den Drohungen heißt es unter anderem: „Du wirst enden wie Miccoli, man wird dich in Stücke zerteilt finden.“ Sannino erklärte dazu: „Ich weiß nicht einmal, wer dieser Miccoli ist. Man hat mir gesagt, er sei eine Person gewesen, die von Faschisten getötet wurde.“ Neben SMS habe es auch direkte Vorfälle gegeben. „Im November habe ich auch Personen angezeigt, die mich auf der Straße angehalten, bedroht und beleidigt haben.“
Sannino sieht ein aufgeheiztes gesellschaftliches Klima als Hintergrund. „Es herrscht ein Klima des Hasses, das in den sozialen Netzwerken erzeugt wird. Wenn man in die sozialen Medien blickt, weiß man nie, welcher Verrückte hinter bestimmten Dynamiken steckt. Es ist, als würde man jemandem eine Zielscheibe auf den Rücken kleben“, erklärte er weiter. Insgesamt sprach er von einem „ohnehin bereits komplexen Gesamtbild“.
Sorge um seine Familie
Besonders sorge er sich dabei um seine Familie: „Mein Vater ist über 80 Jahre alt, hat Sehprobleme, hört schlecht. Er ist nicht mehr sicher auf den Beinen. Wenn sich jemand nähert, kann er sich erschrecken und stürzen. Meine Mutter lebt allein: Wenn jemand an ihre Tür klopft, gerät sie in Angst.“. Zudem betonte er: „Mein Bruder hat kleine Kinder, die in dem Viertel zur Schule gehen, das in den Nachrichten genannt wurde. Mein Vater hat mit dieser Geschichte nichts zu tun. Das ist nicht akzeptabel.“ Seine Eltern habe er über die jüngsten Drohungen bisher nicht informiert.
Sannino kündigte Gespräche mit den Sicherheitsbehörden an. „Ich habe eine Reihe wichtiger Treffen mit den Strafverfolgungsbehörden. Es wird auch meine Sicherheitslage geprüft. Vor allem hoffe ich, dass die Sicherheitsbedingungen für meine Familienangehörigen gewährleistet werden.“ Aus der Politik habe er Solidaritätsbekundungen erhalten, so der bekannte LGBTIQ+-Aktivist weiter. Abschließend erklärte er: „Es ist wirklich ein unerträgliches Klima des Hasses.“