Direkt zum Inhalt

Widerstand in Ghana Proteste gegen homophobes Gesetzvorhaben weiten sich aus

Von ms - 02.03.2026 - 08:45 Uhr
Widerstand in Ghana
Foto: IMAGO / Matrix Images
ANZEIGE
Loading audio player...

Ende 2025 schockte Ghana die internationale queere Community, nachdem der neue Präsident John Dramani Mahama erklärt hatte, er wolle ein neues Hass-Gesetz unterzeichnen, dass die Existenz von Homosexualität strafbar werden lässt. Vier Jahre lang hatte das Parlament an einem Anti-Homosexuellen-Gesetz gearbeitet, zudem war das Gesetzesvorhaben Ende 2024 vom Obersten Gerichtshof ebenso bereits abgesegnet worden. Nun regt sich verstärkt Widerstand gegen das Vorhaben, über 22.000 Menschen fordern in einer Petition die Aussetzung des Vorhabens. 

Drakonisches Hass-Gesetz

Das Gesetz, das neben Homosexuellen auch Unterstützer der LGBTIQ+-Community kriminalisieren soll, war bereits im vergangenen Jahr durch internationalen und lokalen Widerstand in die Schlagzeilen gekommen. Die Hoffnungen, dass der neue Präsident Mahama das Vorhaben final stoppen wird, zerschlugen sich indes – im Gegenteil sogar, dass „Gesetz über sexuelle Menschenrechte und Familienwerte“ bekam durch ihn abermals neuen Aufwind. 

Das Gesetz sieht drakonische Strafen vor, darunter bis zu drei Jahre Haft für das Ausleben von Homosexualität. Eine bloße Verdächtigung, schwul, lesbisch oder queer zu sein, reicht dann bereits für eine Anklage aus. Bürger werden außerdem dazu verpflichtet, alle verdächtigten Personen zu melden, ansonsten droht auch ihnen Strafe. Wer LGBTIQ+-Rechte fördert oder Unterstützungsdienste anbietet, könnte mit Strafen zwischen fünf und zehn Jahren rechnen. 

Zudem umfasst das Gesetz Verbote für geschlechtsangleichende Versorgung, Sexspielzeug, gleichgeschlechtliche Beziehungen und LGBTIQ+-inklusive Bildung. Auch die Förderung und Finanzierung von LGBTIQ+-Rechten, sei es im physischen oder digitalen Bereich, würde strafrechtlich verfolgt werden. Im Gegenzug fördert das neue Gesetz Konversionstherapien zu „Umpolung“ von Schwulen und Lesben.  

Gewalt nimmt stark zu 

In Ghana hat die Gewalt gegen Homosexuelle im vergangenen Jahr stark zugenommen, verstärkt durch eine hasserfüllte Rhetorik von Politikern und religiösen Führern. Zahlreiche Betroffene haben bereits ihre Arbeitsplätze, Wohnungen und familiäre Unterstützung verloren – allein aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, wie die Organisation All-Out berichtet.

„Ghanas Führung behauptet oft, die Demokratie zu fördern. Aber Demokratie bedeutet, die Rechte aller zu schützen – nicht nur die der Privilegierten. Wenn Menschenrechte angegriffen werden, leiden alle in Ghana, und Ghanas Ansehen in der Welt wird beschädigt. Das letzte Mal hat eine Welle globaler Solidarität das Gesetz verzögert – ein Beweis dafür, dass unsere Stimmen zählen. Wir haben dieses Gesetz einmal besiegt. Wir können es wieder tun – aber nur, wenn wir jetzt gemeinsam handeln“, betont die queere Organisation weiter. 

Finanzielle Verluste für Ghana

Zudem gibt All-Out im offenen Brief an Präsident Mahama zu bedenken, dass das Gesetz nicht nur die Versorgung mit Gesundheitsdiensten, insbesondere HIV/AIDS-Programmen, erheblich beeinträchtigen, sondern auch gegen grundlegende verfassungsmäßige Rechte, Privatsphäre und freie Meinungsäußerung verstoßen würde. 

Es würde zudem Ghanas Engagement für internationale Menschenrechtsverträge und demokratische Prinzipien untergraben. Das Land riskiere damit so überdies erhebliche finanzielle Verluste: „Die Verabschiedung dieses Gesetzes hätte ernsthafte wirtschaftliche und diplomatische Konsequenzen für Ghana. Internationale Handelspartner, ausländische Investoren und Entwicklungspartner haben bereits Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen der Verabschiedung solch diskriminierender Gesetze geäußert.“

Anzeige

Auch Interessant

Messerangriff vor Bussi Bar

Zwei Helfer schwer verletzt

Vor der queerfreundlichen Bussi Bar in Berlin wurden zwei Helfer mit einem Messer verletzt. Zuvor hatte ein Trio eine Mitarbeiterin angegriffen.
Schwuler Vater kann aufatmen

Keine Anklage nach viralem Schlag

Nach der Konfrontation mit einem rechten Streamer wird David Vulin nicht angeklagt. Der schwule Vater hat eine Vereinbarung mit der Justiz erfüllt.
Queerfeindlicher Hass an der FU

Hakenkreuze nach Flaggen-Attacke

Pride-Flagge abgerissen, Hakenkreuze entdeckt: Die FU Berlin verurteilt Angriffe am Institut für Theaterwissenschaft. Die Polizei ermittelt.
Lara Heubeck lebt offen

DSC-Kommentatorin macht Mut

Lara Heubeck spricht über ihr Leben als trans Frau. Die Kommentatorin des Deggendorfer SC berichtet von großer Unterstützung nach ihrem Coming-out.
Solidarität mit Casa Kuà

Hunderte protestieren nach Razzia

Rund 500 Menschen demonstrieren in Berlin für trans* Gesundheitsversorgung. Nach der Razzia im Casa Kuà wächst der Protest gegen den Polizeieinsatz.
Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.