Direkt zum Inhalt

Zander Murray und Manosphere Ex-Profi fordert mehr Schutz für schwule Fußballer

Von ms - 03.06.2026 - 15:35 Uhr
Zander Murray und die Manosphere
Foto: IMAGO / Shutterstock
ANZEIGE
Loading audio player...

Zander Murray, der sich 2022 als erster schottischer Profifußballer öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte, äußert sich jetzt zu Homophobie im Fußball und zur Bedeutung von LGBTIQ+-Initiativen im Sport. Anlass ist unter anderem die Vorstellung des „Pride Playbook“ durch die Millwall Romans, das als Leitfaden zur Unterstützung von LGBTIQ+-Spielern und -Teams gedacht ist. Die Millwall Romans sind das offizielle LGBTIQ+-Team des englischen Fußballvereins Millwall FC.

Das Wichtigste im Überblick

  • Zander Murray war 2022 der erste offen schwule männliche Profifußballer in Schottland
  • Er spricht über anhaltende Homophobie und Angst vor Reaktionen in sozialen Medien
  • Anlass ist die Vorstellung des „Pride Playbook“ der Millwall Romans als LGBTIQ+-Initiative im Fußball
  • Murray kritisiert den Einfluss der sogenannten „Manosphere“ auf die Fußballkultur
  • Er fordert mehr strukturelle Unterstützung und echte Inklusion in Vereinen
  • Er betont, dass echte Inklusion mehr erfordert als nur das Hissen von Regenbogenflaggen.

Narrative verändern

Murray erklärte in einem Interview, dass ihm sein Coming-Out deutlich gemacht habe, wie viele Menschen ähnliche Erfahrungen machen. Wörtlich sagt er: „Dass es so viele Menschen gibt, die genau das durchmachen, aus allen Lebensbereichen, zeigt sehr deutlich, man ist nicht allein. Es gibt einfach so viele, die eine schwierige Zeit mit ihrer Sexualität haben.“ Er erklärt zudem, dass er seine Sichtbarkeit als Verantwortung verstehe, um im Fußball ein anderes Klima zu schaffen: „Wenn man etwas wie das tut, besonders in einem hypermaskulinen Umfeld, dann übernimmt man damit eine Verantwortung, die Narrative zu ändern und der Welt zu helfen. Vier Jahre später möchte ich glauben, dass ich das so gut wie möglich getan habe.“

Ein besonderer Lebensretter 

Als zentrale Hürde für ein Coming-Out nennt Murray die Angst vor Hass in sozialen Netzwerken. Viele Spieler befürchteten auch heute noch massive negative Reaktionen. Gleichzeitig betont er aber auch positive Rückmeldungen aus der Community. „Du wirst für viele Menschen ein Held sein und ihr Leben vielleicht retten.“ Er berichtete außerdem von persönlichen Nachrichten, in denen ihm Menschen geschrieben hätten, er habe ihr Leben gerettet. Diese Rückmeldungen beschreibt er als sowohl belastend als auch motivierend.

Rückblickend auf sein eigenes Coming-Out erklärte Murray weiter, er habe die Reaktionen unterschätzt. „Sobald ich den Facebook-Post abgeschickt hatte, schlief ich ein bisschen und wachte dann auf, und mein Telefon ist durchgedreht.“ Im Zusammenhang mit Projekten wie dem „Pride Playbook“ sieht Murray deswegen auch eine wichtige Möglichkeit, Strukturen im Fußball endlich zu verändern. Er hebt die Bedeutung solcher Initiativen hervor und unterstützt die Arbeit der Millwall Romans.

Mehr als nur Symbole

Zur Frage nach symbolischen Maßnahmen wie Regenbogenflaggen im Vergleich zu langfristiger Veränderung erklärte er außerdem: „Wenn ihr nur eine Pride-Flagge aufhängt und nichts dahinter macht, ist das nicht wirklich großartig, oder?“ Auch den Einfluss digitaler Räume und insbesondere der sogenannten „Manosphere“ bewertet Murray kritisch. Er sieht darin eine treibende Kraft hinter Homophobie im Fußball und warnte vor problematischen Inhalten in sozialen Medien. Überrascht habe ihn das Ausmaß an Homophobie im Fußball allerdings nicht, weil „der Fußball im Kern ein Sport der Arbeiterklasse ist.“

Angesprochen auf mögliche Rückschritte bei Diversity-Programmen äußerte Murray zudem die Sorge, dass gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen zu weniger Unterstützung für Inklusionsarbeit führen könnten. Er betonte, dass es wichtig sei, insbesondere unentschlossene Gruppen zu erreichen und langfristig zu überzeugen. Abschließend plädierte der schottische Ex-Profi für mehr konkrete Inklusion im Fußball und sieht darin einen entscheidenden Faktor, um das Umfeld für homosexuelle Spieler nachhaltig zu verbessern.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

FalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenSüddeutsche ZeitungReform: Ungarn ändert umstrittenes Anti-LGBTQ-GesetzAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.
Schwule Liebe in Avatar-Welt

Schwules Paar begeistert Fans

„Avatar: Seven Havens“ zeigt mit Jae und Datu ein schwules Paar. Die Fans feiern die Liebesszene, während Paramount+ zwei weitere Staffeln bestätigt.
Festnahmen in Indien

Neun Verdächtige nach Mord

Nach dem Mord an dem schwulen Influencer Mad Sandhu in Indien wurden neun Männer festgenommen. Die Polizei vermutet Homophobie und Bandenkriminalität.
Missbrauchsverdacht in Italien

Hausarrest für prominenten Priester

Ein italienischer Priester steht wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen einen 20-Jährigen unter Hausarrest. Die Kirche war offenbar vorgewarnt.
Brutaler Angriff in Frankreich

Homophobe Gewalt erschüttert Paris

Nach dem Pariser Pride wurde ein LGBTIQ+-Aktivist brutal zusammengeschlagen. Menschenrechtsorganisationen fordern besseren Schutz vor Hassgewalt.