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Neue Gesetzesinitiative in Kalifornien

Neue US-Gesetzesinitiative Kalifornien plant Wiederherstellung der LGBTIQ+-Jugendhotline

ms - 03.06.2026 - 14:00 Uhr
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Knapp ein Jahr nach der Abschaffung der spezialisierten LGBTIQ+-Jugendhelpline innerhalb der 988 Suicide & Crisis Lifeline durch die Trump-Administration treiben kalifornische Abgeordnete die Wiedereinführung voran. Bereits im Herbst letzten Jahres kam die Idee dazu auf, gefordert und unterstützt von der queeren Jugendorganisation Trevor Project

Das Wichtigste im Überblick

  • Kalifornien will die spezialisierte 988-Hotline für LGBTIQ+-Jugendliche wieder einführen.
  • Das neue Gesetz verpflichtet dann staatliche Stellen, Anrufer direkt zu geschulten Krisenberatern weiterzuleiten.
  • Bundesweite Abschaffung der Hotline  hatte Kritik von LGBTIQ+-Vertretern und Psychologen ausgelöst.
  • Die Hotline hatte jährlich Hunderttausende Krisenkontakte vermittelt, insbesondere von queeren Jugendlichen.

Projekt für queere Jugendliche 

Der entsprechende Gesetzentwurf, eingebracht vom Abgeordnetem Mark González, sieht vor, dass Kalifornien Anrufer, die die Nummer 988 wählen, direkt mit Beratern verbindet, die speziell für die Unterstützung von LGBTIQ+-Jugendlichen in Krisensituationen geschult sind. Damit soll die 2025 landesweit abgeschaffte „Press 3“-Option für queere Jugendliche wiederhergestellt werden. Die Gesetzesvorlage passierte letzte Woche bereits das kalifornische Abgeordnetenhaus mit 64 zu 8 Stimmen und geht nun an den Senat.

Für González, einen schwulen Demokraten aus dem 54. Distrikt von Los Angeles County, geht es bei der Maßnahme um mehr als nur eine Hotline. Es gehe darum, ob Bundesstaaten eingreifen, wenn bundesweite Schutzmaßnahmen für LGBTIQ+-Personen wegfallen. „Wir wussten von Anfang an, was diese Regierung vorhatte. Wir wussten, dass diese Regierung Frauen, LGBTIQ+-Personen, People of Color und unsere Einwanderer angreifen würde.“ Die Trump-Administration hatte 2025 das LGBTIQ+-Jugendprogramm innerhalb der nationalen 988-Krisenhotline eingestellt. Seit 2022 konnten Anrufer die 3 drücken oder „PRIDE“ texten, um mit Beratern in Kontakt zu treten, die speziell für die Unterstützung von LGBTIQ+-Jugendlichen geschult waren.

Millionenanfragen an Krisentelefon

Der Dienst endete offiziell am 17. Juli 2025, nachdem die Substance Abuse and Mental Health Services Administration angekündigt hatte, LGBTIQ+-Dienste nicht mehr separat anzubieten und sich stattdessen auf die allgemeine 988-Struktur zu konzentrieren. Die Abschaffung stieß auf breite Kritik von LGBTIQ+-Vertretern, Psychologen und Gesetzgebern, da die Ressource für eine besonders gefährdete Gruppe wegfiel. „Kalifornien wird sich dieser Regierung entgegenstellen“, erklärte González weiter. „Wir werden das Leben unserer LGBTIQ+-Jugendlichen retten und sicherstellen, dass wir ein Gesetz auf den Weg bringen, das den Dienst wiederherstellt.“

Das spezialisierte Netzwerk war vor seiner Abschaffung eine der meistgenutzten Komponenten des nationalen Krisensystems. Zwischen Juli 2024 und Juni 2025 gab es über 73.000 Kontakte aus Kalifornien, etwa neun Prozent aller Anfragen über die Hotline. Bundesweit wurden mehr als 680.000 Kontakte verzeichnet, rund 14 Prozent aller 988-Kontakte. Die queere Jugendorganisation Trevor Project, die das Netzwerk betreuten, gab an, zwischen 2022 und 2025 über 1,5 Millionen Krisenkontakte vermittelt zu haben.

Suizidgedanken bei LGBTIQ+-Jugendlichen

Die Befürworter des kalifornischen Gesetzes betonen, dass LGBTIQ+-spezifische Dienste dringend notwendig sind. Studien der letzten Jahre zeigten dabei immer wieder, dass LGBTIQ+-Jugendliche überproportional häufig psychische Belastungen und Suizidrisiken erfahren. Laut Daten des Trevor Project hatten 39 Prozent der LGBTIQ+-Jugendlichen in den USA im Vorjahr ernsthaft Suizidgedanken. Mehr als jeder zehnte berichtete von einem Suizidversuch. Unterstützende Erwachsene, affirmierende Angebote und LGBTIQ+-inklusive Umfelder können das Risiko deutlich reduzieren.

„Es bricht mir das Herz, zu sehen, wie eine Hotline, die in drei Jahren 1,5 Millionen Kontakte hatte, aus politischen Gründen weggenommen wird“, schrieb González. Persönlich betroffen sei er durch den Tod eines Freundes, der die Hotline nutzte. „Ich habe eine persönliche Geschichte über einen Freund erzählt, der Anfang April die 988-Hotline nutzte, und sie hat sein Leben vorerst gerettet. Leider nahm er sich Anfang Mai dann doch das Leben“. Das zeige, wie stark Menschen auf Krisendienste angewiesen seien.

Das neue Gesetz verpflichtet dann künftig das California Office of Emergency Services, die Technik bereitzustellen, um Anrufer direkt an LGBTIQ+-spezialisierte Jugend-Krisendienste weiterzuleiten. Zudem soll ein staatliches Förderprogramm für qualifizierte Organisationen eingerichtet werden, finanziert über das bestehende 988-Krisensystem Kaliforniens. Das Gesetz wurde angepasst, um die bundesweite Verwaltung des 988-Systems zu berücksichtigen. Kalifornien würde offiziell die Bundesgenehmigung beantragen, um eine staatsspezifische LGBTIQ+-Routing-Option einzurichten. 

González hatte zudem im Vorjahr ein separates Gesetz initiiert, das Schulen und Colleges verpflichtet, die Krisenhotline des Trevor Project auf Schülerausweisen zu vermerken. Mit Beginn des Pride Month betont González, dass es bei der Debatte über die Hotline darum gehe, dass LGBTIQ+-Jugendliche wissen, dass jemand da ist, wenn sie Hilfe benötigen. „Wir müssen immer daran denken, dass Pride ein Protest ist. Es ist keine Party. Pride zeigt den Menschen, dass sie gefeiert werden, dass sie zu uns gehören, dass sie mit uns sind. Es geht nicht darum, Leben zu regulieren. Es geht darum, Leben zu retten.“

 

Hier gibt es Hilfe

Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger, E-Mail und Videochat unter www.coming-out-day.de sowie www.comingoutundso.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

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