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Berliner Verfassungsschutzbericht
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Verfassungsschutz in Berlin Bericht benennt zunehmende Radikalisierung und hybride Bedrohung

ms - 03.06.2026 - 13:00 Uhr
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Nach Einschätzung des Berliner Verfassungsschutzes ist das extremistische Potenzial in der Hauptstadt in allen Bereichen im Jahr 2025 weiter massiv gestiegen. Linksextremismus, Rechtsextremismus sowie islamistische Szenen verzeichneten demnach Zuwächse. Dies geht aus dem aktuellen Jahresbericht hervor. Opfer der Gruppierungen sind vor allem auch immer wieder LGBTIQ+-Menschen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Verfassungsschutz Berlin meldet Anstieg des verfassungsfeindlichen Personenpotenzials in allen Extremismusbereichen
  • Jugendliche stehen zunehmend im Fokus extremistischer Propaganda in sozialen Medien
  • Rechtsextremes Personenpotenzial steigt auf 1.480 Menschen
  • Linksextremismus umfasst rund 3.950 Personen mit zunehmender Gewalt
  • Islamistische Szene wächst auf etwa 2.590 Personen mit stärkerer Online-Professionalisierung
  • Neue rechtsextremistische „Netzkulturen“ treten aggressiver auf
  • Opfer extremistischer Gruppen sind verstärkt LGBTIQ+-Menschen

Jugendliche radikalisieren, Queerfeindlichkeit fördern

Ein Schwerpunkt der Analyse liegt auf der zunehmenden Ansprache junger Menschen durch extremistische Akteure. Vor allem Rechtsextremisten und Islamisten, aber auch Linksextremisten nutzten verstärkt Plattformen wie Instagram, Telegram, TikTok, YouTube und Facebook. In einem Sonderkapitel heißt es: „Die Propaganda hat sich an den Alltag und insbesondere den Medienkonsum Jugendlicher angepasst.“ Ziel sei es, Jugendliche und junge Erwachsene frühzeitig zu radikalisieren und sie an verfassungsfeindliche Positionen heranzuführen, erklärte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Die Entwicklung sei „besorgniserregend“. Im Zentrum vieler Angriffe sind dabei immer öfter homosexuelle und queere Menschen. 

Im Bereich des Rechtsextremismus stellt der Verfassungsschutz das Entstehen einer neuen jugendaffinen Online-Kultur fest. Diese werde im Bericht erstmals als „Gewaltorientierte rechtsextremistische Netzkulturen“ bezeichnet. Die Szene trete dadurch insgesamt aggressiver auf. Das Internet spiele dabei eine zentrale Rolle. Neben Texten und Flyern würden zunehmend auch Bilder, Videos, Musik und Merchandise mit jugendgerechter Gestaltung verbreitet. Inhalte wie Rassismus, NS-Verherrlichung und Queerfeindlichkeit würden in unterschiedlichen digitalen Formaten verbreitet, darunter Blogs, Podcasts, Memes und Kurzvideos. Zudem habe sich eine eigene digitale Sprache innerhalb der Szene entwickelt. Das rechtsextremistische Personenpotenzial in Berlin wird mit 1.480 Personen angegeben. 

Linksextremismus und Gewalt 

Im Bereich des Linksextremismus sieht der Verfassungsschutz eine zunehmende Gewaltorientierung insbesondere im Zusammenhang mit Umweltpolitik. Unabhängige Kleingruppen würden Gewalt nicht nur propagieren, sondern auch ausüben. Betroffen seien unter anderem staatliche Einrichtungen, Unternehmen und kritische Infrastruktur. Im Jahr 2025 habe es mehrere Brandanschläge gegeben. Besonders gravierend sei ein Angriff am 9. September 2025 auf den Technologie-Standort Adlershof gewesen, der einen mehrtägigen Stromausfall für zehntausende Menschen verursacht habe. Dazu heißt es im Bericht: „Die diesen Straftaten zugrunde liegende Ideologie des 'Öko-Anarchismus' hat spürbar zur Radikalisierung des gewaltorientierten Teils der linksextremistischen Szene in Berlin beigetragen.“ Das Personenpotenzial im Linksextremismus wird mit 3.950 Menschen angegeben. Auch die Zahl gewaltorientierter autonomer und postautonomer Gruppen sei gestiegen.

Islamistische Szene und Online-Strategien

Die islamistische Szene in Berlin ist laut Bericht ebenso gewachsen und umfasst rund 2.590 Personen. Internationale Terrororganisationen und salafistische Prediger hätten ihre Aktivitäten im Internet verstärkt und professionalisiert. Salafistische Inhalte verbreiteten sich dadurch schneller und direkter. „Diese Propaganda erreicht über soziale Medien vor allem immer mehr junge Menschen und hat sich zu einem zentralen Radikalisierungstreiber entwickelt.“

Zudem verweist der Verfassungsschutz auf eine extremistische israelfeindliche Szene, die weiterhin Propaganda verbreite und zahlreiche Veranstaltungen organisiere, bei denen das Existenzrecht Israels geleugnet und der Terror der Hamas verherrlicht werde. Verfassungsschutzchef Michael Fischer betonte: „Es geht ihnen vielmehr darum, Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren und damit das Existenzrecht Israels anzugreifen.“ Ziel sei es, soziale Medien gezielt mit entsprechenden Inhalten zu überfluten, um insbesondere bei Jugendlichen ein verzerrtes Bild des Nahostkonflikts zu erzeugen. Abschließend weist der Bericht auf ein weiterhin hohes Risiko durch Spionage- und Sabotageaktivitäten hin. Verantwortlich seien insbesondere Russland, China, Iran und die Türkei. Neben klassischer Spionage spielten auch Cyberangriffe, Desinformation und Sabotage eine zunehmende Rolle.

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