Fake News bei Wikipedia? US-Studenten kämpfen gegen digitale queere Geschichtsfälschung
Kampf gegen Fake News und digitale Löschungen: Eine Professorin der Universität von Kalifornien, Berkeley, und ihre Studenten setzen sich seit Monaten verstärkt dafür ein, dass die Geschichte von LGBTIQ+-Menschen auf Wikipedia korrekt und authentisch bewahrt wird. Inmitten von Fehlinformationen und Versuchen der Trump-Regierung, die LGBTIQ+-Geschichte zu zensieren, bearbeiten die Studenten und Studentinnen regelmäßig Wikipedia-Artikel, um die Lebensgeschichten dieser Gemeinschaften weiterhin realitätsgetreu darzustellen.
Über 600 Artikel geschrieben oder bearbeitet
Seit 2016 setzt die Professorin für Ethnische Studien Juana María Rodríguez Wikipedia in ihren Lehrveranstaltungen ein. In Zusammenarbeit mit ihren Studenten hat sie Artikel zu Themen wie der mexikanischen LGBTIQ+-Geschichte, dem Musikstar Bad Bunny, der Sexarbeiterbewegung, trans* Menschen oder der Ballroom-Kultur erstellt und bearbeitet. Im Verlauf der letzten zehn Jahre haben die Studenten und Studentinnen so insgesamt 63 neue Artikel verfasst und 588 bestehende Artikel bearbeitet.
Insgesamt wurden mehr als 332.000 Wörter und über 3.000 Quellenangaben hinzugefügt, die Seiten wurden insgesamt mehr als 900 Millionen Mal aufgerufen. In den letzten Monaten hat der Kampf gegen Fake News dabei rapide zugenommen. „Als Professorin bin ich sehr stolz auf den Einfluss, den meine Studenten haben, um sicherzustellen, dass Wikipedia die Vielfalt der Welt widerspiegelt“, so Rodríguez.
Angriff auf queere Geschichte
Laut der Professorin haben die Angriffe auf die LGBTIQ+-Geschichte seit der zweiten Amtszeit von Donald Trump in den USA deutlich zugenommen: „Die Trump-Regierung versucht, die Beiträge marginalisierter Gruppen zu löschen und die Geschichte der Menschen of Colour und der Einwanderer zu verleugnen“, so Rodríguez. Der jüngste Vorfall: Erst in dieser Woche wurden auf Direktive des US-Justizministeriums hin beim Stonewall National Monument in New York die Regenbogenflaggen entfernt, ein Jahr zuvor verschwanden von der Homepage der Gedenkstätte bereits alle Verweise auf queere und trans* Menschen.
„Wikipedia, die größte Enzyklopädie der Welt und bleibt eine Möglichkeit, wie wir weiterhin die Wahrheit über unsere Geschichten und sozialen Bewegungen dokumentieren können“, so Rodríguez weiter. Sie betonte, dass alle Wikipedia-Seiten durch unabhängige und überprüfbare Quellen gestützt werden müssen. Diese Quellen liefern unter anderem ihre Studenten.
Ein weiteres Ziel von Rodríguez und ihren Schülern ist es, sicherzustellen, dass LGBTIQ+-Inhalte auf Wikipedia von hoher Qualität sind und durch verlässliche, unabhängige Quellen unterstützt werden. Rund 80-90 Prozent der Wikipedia-Redakteure sind Männer aus Europa und Nordamerika, die vor allem englischsprachige Seiten bearbeiten. Diese strukturellen Herausforderungen sollen durch die Arbeit der Studenten und Studentinnen und von Wiki Education angegangen werden, einer Organisation, die Akademiker unterstützt, ihr Fachwissen auf Wikipedia zu teilen.
Gefahr von KI-Enzyklopädien
Mit Blick auf die KI-generierte Online-Enzyklopädie Grokipedia von Tech-Milliardär Elon Musk gab Rodríguez überdies zu bedenken, dass KI-generierte Inhalte oft fehlerhaft sind und Informationen „erfinden“, die nicht existieren, was ein großes Risiko für die Zuverlässigkeit von Quellen darstellt. Im Gegensatz dazu überprüft die Wikipedia-Community aktiv, ob die zitierten Quellen tatsächlich existieren. „Eine Enzyklopädie ist nur so zuverlässig wie ihre Quellen, und Wikipedia stellt sicher, dass die Quellen, die auf ihren Seiten zitiert werden, unabhängig und zuverlässig sind“, so Rodríguez.
Und mit Fokus auf die Community ergänzt die Professorin abschließend: „Glücklicherweise haben wir heute jahrzehntelange queere Forschung, die geprüft und peer-reviewed wurde. Diese Forschung wurde in führenden akademischen Zeitschriften veröffentlicht und spiegelt genau die Geschichte, die Kulturen und die Beiträge von queeren Menschen wider.“