Direkt zum Inhalt
Nach Angriff auf Pascal Kaiser

Nach Angriff auf Pascal Kaiser Queerbeauftragte Koch betont "menschenverachtende Gewalt"

ms - 10.02.2026 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Nach dem brutalen Angriff auf den bisexuellen Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser (28) am vergangenen Wochenende im Garten seines Wohnhauses meldete sich jetzt die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), zu Wort, die die Tat mit scharfen Worten kritisiert. Derweil hat die Kölner Polizei ihre Ermittlungen wegen Körperverletzung aufgenommen. 

Angriff nach Heiratsantrag

Kaiser hatte den unerwarteten Angriff von drei unbekannten Tätern auf Instagram selbst publik gemacht und teilte Bilder von seinen Verletzungen. Der 28-Jährige musste nach dem Überfall im Krankenhaus behandelt werden. Kaiser geht davon aus, dass die Attacke eine direkte Reaktion auf seinen öffentlichen Heiratsantrag ist, den er vor einer guten Woche im voll besetzten Stadion des 1. FC Köln seinem Freund Moritz gemacht hatte, rund 50.000 Zuschauer vor Ort waren Zeuge davon. Anschließend hatte Kaiser offenbar mehrfach Drohungen online bekommen, zudem soll seine Privatadresse in digitalen Netzwerken verbreitet worden sein. 

Schwere Vorwürfe gegen Barbetreiber 

Kaisers Rechtsanwalt Moritz Lange erklärte dazu jetzt: „Bereits am Freitagabend wurden mir Screenshots zugeschickt, aus denen sich verlässliche Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die ‚Beerpongbar Köln‘ die Wohnadresse unseres Mandanten öffentlich verbreitet und dazu aufruft, unserem Mandanten einen Besuch abzustatten“, sagte Lange. Der Betreiber der Bar hatte Kaiser im Jahr 2024 angezeigt. Er wirft ihm vor, während seiner Tätigkeit in Köln unter anderem Wechselgeld aus der Kasse entnommen und Umsätze unterschlagen zu haben. Nach Angaben des Anwalts geht es um Forderungen in Höhe von 5.000 bis 6.000 Euro.

Laut Lange habe die Polizei nach den Drohungen die Umgebung des Wohnhauses von Kaiser kontrolliert. „Am Samstagabend, als er spazieren war, bekam er eine Nachricht: ‚Wir sehen dich und wir verfolgen dich. Warte darauf, bis die Polizei weg ist.‘ Unser Mandant informierte daraufhin erneut die Polizei. Als diese seine Wohnung verlassen hatte und unser Mandant kurz vor die Tür trat, um zu rauchen, tauchten drei Männer auf und attackierten ihn ohne Vorwarnung“, sagte der Anwalt.

Der Betreiber der „Beerpongbar Köln“ wies die Vorwürfe zurück. Er erklärte gegenüber der BILD Zeitung: „Wir haben nie jemanden aufgefordert, Pascal aufzusuchen. Ich bin kein Freund davon, zu Gewalt gegen Menschen aufzurufen. Wenn das passiert ist, sollten die Verantwortlichen angezeigt werden. Wir wollen nur, dass unsere offenen Forderungen beglichen werden und alles fair geklärt wird.“

Statement von Koch

Aus der Community erfährt Kaiser viel Zuspruch, online betonen viele schockierte Menschen, dass es ganz offensichtlich noch immer ein großes Problem mit Homophobie im deutschen Fußball gebe. Kaiser selbst hatte dies noch 2025 im Interview mit SCHWULISSIMO ebenso bekräftigt. Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch, erklärte: „Ich habe mit Pascal gesprochen und ihm meine und unser aller Solidarität zugesichert. Pascal wurde Opfer feiger und menschenverachtender Gewalt. Ich hoffe sehr, dass die Behörden die Täter schnell ermitteln und zur Verantwortung ziehen. Ich wünsche Pascal eine schnelle Genesung und bin in Gedanken bei ihm, seinem Verlobten und seiner Familie. Einzig Liebe ist mächtiger als Hass.“

Und mit Blick auf die steigenden Fälle von Hasskriminalität gegenüber der LGBTIQ+-Community bekräftigte Koch überdies: „Wir werden uns vom Hass unserer Feinde nicht unterkriegen lassen. Die Gegner*innen unserer Freiheit, unserer offenen Gesellschaft und unserer Demokratie wollen uns mundtot machen, uns unsere Rechte und unsere körperliche Unversehrtheit nehmen. Aus hässlichen Worten werden noch hässlichere Taten. Es liegt an uns allen in Politik, Gesellschaft, Unternehmen, Sport, Kultur und Community, entschieden zu widersprechen, solidarisch zu handeln und keinerlei verbale oder körperliche Gewalt zu akzeptieren.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gefahr für Menschenrechte

Weltweiter Angriff auf LGBTIQ+

Nach Einschätzung der queeren Human Rights Campaign befeuere die US-Politik andere Länder, LGBTIQ+-Menschenrechte verstärkt zu attackieren.
Gay Days Orlando gecancelt

Kein Geld und schwieriges Klima

Unverständnis und Schock in Orlando: Das 35. Jubiläum der Gay Days in Disney World wurde für 2026 kurzfristig und sehr überraschend abgesagt.
Aufregung um Regenbogentreppe

Online-Hetze nach CDU-Statement

Die CDU Arnsberg erlebt aktuell einen Shitstorm, weil sie sich zu Vielfalt bekannt hat. Dem war Vandalismus an einer Regenbogentreppe vorausgegangen.
Neue Anklage in Ungarn

Pécs Pride-Organisator vor Gericht

Seit letztem Jahr sind Prides und CSDs in Ungarn verboten, nach dem Bürgermeister in Budapest wurde jetzt auch Anklage im Fall des Pécs Pride erhoben.
Homosexualität bei Tieren

Russland verbietet Wissenschaft

Homosexualität wurde inzwischen bei über 1.500 Tierarten nachgewiesen. Darüber berichten darf ein Fachverlag aus Russland jetzt trotzdem nicht.
Abschiebung in Bayern

Schwuler Ugander droht Verfolgung

Das BAMF will einen schwulen Mann aus Uganda abschieben, trotz der Lebensgefahr in seiner Heimat. Queere Vereine in Bayern schlagen Alarm.
Emotionen bei Männern

Gefahr von unterdrückten Gefühlen

Rund 20 Prozent der Männer haben seit zehn Jahren nicht geweint, so eine neue GB-Studie. Die Gefahr: Emotionale Unterdrückung stärkt Homophobie.
Anschlag auf Pascal Kaiser

Im Garten zusammengeschlagen

Eine Woche nach seinem Heiratsantrag im Stadion des 1. FC Köln wurde Schiedsrichter Pascal Kaiser auf seinem Grundstück brutal zusammengeschlagen.