Hasskriminalität in Österreich Mehr Angriffe gegen Schwule und Lesben
Die Zahl der registrierten Hassverbrechen in Österreich ist im Jahr 2025 auf einem hohen Niveau geblieben. Nach dem aktuellen Hate-Crime-Lagebericht des Innenministeriums wurden 6.751 Straftaten beziehungsweise 7.327 dokumentierte Fälle erfasst. Damit blieb das Gesamtaufkommen gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Positiv entwickelte sich hingegen die Aufklärungsquote, die von 67 auf 71 Prozent anstieg.
Das Wichtigste im Überblick
- 2025 registrierte die Polizei in Österreich 6.751 Hassstraftaten und 7.327 dokumentierte Fälle – nahezu so viele wie im Vorjahr.
- Die Aufklärungsquote stieg von 67 auf 71 Prozent.
- Die Zahl der homophoben Straftaten nahm zu, während transfeindliche Delikte deutlich zurückgingen.
- Das Internet bleibt der häufigste Tatort für Hasskriminalität.
- Rund ein Drittel aller Tatverdächtigen war jünger als 21 Jahre.
- Die Grünen kritisieren Verzögerungen beim Nationalen Aktionsplan gegen Hasskriminalität.
Mehr Vorfälle gegen Homosexuelle
Für die LGBTIQ+-Community ergibt sich aus dem Bericht ein differenziertes Bild. Während Straftaten mit einem Vorurteilsmotiv aufgrund der sexuellen Orientierung leicht zunahmen, gingen jene zurück, die sich gegen Menschen aufgrund ihres Geschlechts richteten – also etwa gegen trans*, intergeschlechtliche oder nicht-binäre Personen. Nach Angaben des Innenministeriums registrierte die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 330 Hassdelikte, die auf die sexuelle Orientierung der Betroffenen zurückzuführen waren. Im Jahr 2024 waren es 317 Fälle. Damit bleibt die sexuelle Orientierung nach Weltanschauung, nationaler beziehungsweise ethnischer Herkunft und Religion die vierthäufigste Kategorie bei Hassverbrechen in Österreich. Zudem werden in Österreich laut der EU-Grundwerteagentur nur etwa zehn Prozent aller Fälle von Hasskriminalität angezeigt.
Der Anstieg ist ausschließlich auf mehr Straftaten gegen homosexuelle Menschen zurückzuführen. Von den 330 registrierten Vorfällen richteten sich 297 gegen Lesben und Schwule. Gegenüber den 272 erfassten Fällen im Jahr 2024 entspricht dies einem Plus von neun Prozent. Den bisherigen Höchststand verzeichnete die Statistik im Jahr 2023 mit 389 Fällen. 2022 waren 305 und 2021 insgesamt 299 homophobe Straftaten registriert worden. Bei Straftaten gegen bisexuelle Menschen setzte sich dagegen ein rückläufiger Trend fort. Die Polizei erfasste 2025 insgesamt 23 Fälle – so wenige wie noch nie seit Beginn der systematischen Erhebung. Im Jahr 2024 waren es 31, ein Jahr zuvor 39 Fälle.
Körperverletzungen stark vertreten
Homophobe Hasskriminalität beschränkt sich laut Lagebericht nicht auf Beleidigungen oder Hassbotschaften im Internet. Körperverletzungen zählen mit 69 Fällen zu den häufigsten Delikten. Mehr als die Hälfte aller homophoben Straftaten ereignete sich im öffentlichen oder halböffentlichen Raum. Jeder dritte Vorfall wurde im öffentlichen Raum registriert. Gleichzeitig bleibt das Internet insgesamt der häufigste Tatort für Hassverbrechen. Nach Angaben des Innenministeriums besaßen 64 Prozent der Tatverdächtigen die österreichische Staatsbürgerschaft, rund 90 Prozent waren Männer.
Weniger transfeindliche Straftaten
Anders entwickelte sich die Zahl der Vorurteilsmotive aufgrund des Geschlechts. Hier registrierte die Polizei 172 Straftaten, nachdem im Jahr 2024 noch 238 Fälle erfasst worden waren. Das entspricht einem Rückgang um rund 28 Prozent. Für die LGBTIQ+-Community sind dabei insbesondere die Kategorien Trans*, Divers/Inter und Andere von Bedeutung. Seit Anfang 2024 wird Transidentität erstmals gesondert ausgewiesen. Im vergangenen Jahr wurden 30 transfeindliche Straftaten registriert, nach 46 im Vorjahr. Gegen diverse oder intergeschlechtliche Menschen wurden sieben Vorfälle dokumentiert. Laut Lagebericht wurden transfeindliche Vorurteilsmotive besonders häufig als Hetze eingestuft. Rund ein Drittel dieser Straftaten ereignete sich im öffentlichen Raum.
Hasskriminalität: Jünger und digitaler
Unabhängig von den einzelnen Opfergruppen hebt das Innenministerium zwei Entwicklungen besonders hervor. Mit 1.917 registrierten Fällen bleibt das Internet der häufigste Tatort für Hasskriminalität. Gleichzeitig war etwa ein Drittel aller Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sieht darin einen Hinweis darauf, dass Hasskriminalität „jünger und digitaler“ werde. Das Innenministerium verweist in diesem Zusammenhang auf Präventionsprogramme wie „Sicher und FAIRnetzt“ sowie auf den derzeit in Ausarbeitung befindlichen Nationalen Aktionsplan gegen Hasskriminalität.
Scharfe Kritik kommt von den Grünen. Der Nationale Aktionsplan hätte nach ihrer Auffassung bereits seit einem Jahr vorliegen sollen. David Stögmüller, Sprecher der Grünen für LGBTIQ+-Themen, erklärte: „Seit über einem Jahr ist die Regierung nun säumig. Betroffene verdienen wirksamen Schutz statt weiterer Verzögerungen.“ Aus seiner Sicht müsse neben einer konsequenten Strafverfolgung vor allem die Prävention stärker in den Mittelpunkt rücken. „Wenn ein Drittel der Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre ist, zeigt das, wie entscheidend Präventionsarbeit an Schulen, digitale Medienkompetenz und die Auseinandersetzung mit Extremismus sind. Hass wird erlernt – und genau dort gilt es anzusetzen“, so Stögmüller.