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Rückkehr auf die Turnmatte
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Rückkehr auf die Turnmatte Offen schwul im Nationalteam von Neuseeland: Max Renaud

ms - 29.07.2026 - 15:00 Uhr
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Der neuseeländische Turner Max Renaud hat sich nach einem unfreiwilligen Coming-Out als Jugendlicher zurück in den internationalen Spitzensport gekämpft. Der 24-Jährige gehört heute als einziger offen schwuler Turner dem Nationalteam von Gymnastics New Zealand an und sieht seine Geschichte als Zeichen dafür, dass sexuelle Orientierung kein Hindernis für eine Karriere im Leistungssport sein sollte.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der neuseeländische Turner Max Renaud wurde mit 16 Jahren unfreiwillig geoutet.
  • Nach Ausgrenzung und dem Ende seiner Karriere kehrte er 2022 in den Leistungssport zurück.
  • Heute ist er der einzige offen homosexuelle Turner im Nationalteam Neuseelands.
  • 2025 feierte er sein Debüt bei internationalen Titelkämpfen der Erwachsenen.
  • Renaud setzt sich für mehr Sichtbarkeit queerer Athleten im Spitzensport ein.

Rückkehr in den Spitzensport

Für ihn sei es ein besonderer Moment, sein Land bei Weltcup-Wettbewerben vertreten zu dürfen, erklärte er jetzt in einem Interview mit Outsports. „Das Farnblatt zu tragen und Neuseeland bei Weltcup-Wettkämpfen im Turnen zu vertreten, erfüllt mich mit großem Stolz.“ Lange Zeit habe er jedoch geglaubt, diese Chance endgültig verloren zu haben. „Ich dachte einmal, diese Möglichkeit wäre für mich verloren, nachdem Druck und Stigmatisierung dazu geführt hatten, dass ich den Sport aufgab. Seit meiner Rückkehr habe ich jedoch das Gefühl, mich mit meiner ganzen Persönlichkeit in meinen Leistungen zeigen zu können.“ Gerade deshalb sei ihm Sichtbarkeit heute besonders wichtig. „Dadurch habe ich erkannt, wie wichtig queere Repräsentation im Spitzensport ist. Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, denn kein Sportler sollte das Gefühl haben, sich verstecken zu müssen, um seine Träume zu verwirklichen.“

Unfreiwilliges Coming-Out 

Mit dem Turnsport begann Renaud im Alter von sieben Jahren. Bis heute trainiert er in dem Verein seiner Heimatstadt Christchurch. Als Nachwuchsturner entwickelte er sich erfolgreich und gehörte bereits dem neuseeländischen Junioren-Nationalteam an. Im letzten Schuljahr änderte sich jedoch alles. Ein Freund verriet seine sexuelle Orientierung, ohne zu wissen, dass diese bislang ein streng gehütetes Geheimnis war. „Ich war erst 16 Jahre alt. Mein Freund erzählte es anderen, und schon bald bemerkte ich, dass in der Schule über mich gesprochen wurde.“ Aus Angst, die Situation könnte außer Kontrolle geraten, entschloss sich Renaud, sich vor sieben Jahren über Instagram öffentlich zu outen. „Damals war das unglaublich schwer. Seitdem lebe ich offen schwul und bin stolz darauf – und ich würde daran nichts auf der Welt ändern.“

Ausgrenzung führte zum Karriereende

Rückblickend beschreibt Renaud die Zeit nach seinem Coming-Out als äußerst belastend. „Das Stigma war sehr real. Weil wir oft ohne T-Shirt trainierten, bemerkte ich, dass einige meiner Teamkollegen deutlich auf Abstand gingen.“ Zwar seien alle damals noch Jugendliche gewesen, doch das ändere nichts an den Folgen. „Am Ende des Jahres hörte ich mit dem Turnen auf.“ Später zog er nach Dunedin, um am Otago Polytechnic zu studieren. Erst nach mehreren Jahren gewann er genügend Selbstvertrauen zurück, um wieder mit dem Training zu beginnen. „Es dauerte mehrere Jahre, bis ich wieder genug Selbstvertrauen aufgebaut hatte, um ins Training zurückzukehren, weil ich Angst hatte, dass das Stigma noch immer existiert.“ 

Seit seiner Rückkehr im Jahr 2022 habe sich seine Erfahrung jedoch grundlegend verändert. „Der größte Teil der Turngemeinschaft hat mich mit offenen Armen aufgenommen, und ich könnte mit meiner Entscheidung nicht glücklicher sein.“ Nach eigenen Angaben ist Renaud derzeit der einzige öffentlich homosexuelle Athlet im neuseeländischen Turn-Nationalteam. Unterstützung erfahre er von seiner Familie, seinem Freundeskreis sowie seinem Partner, mit dem er seit sechs Jahren zusammen ist und in Christchurch lebt. Neben dem Leistungssport arbeitet Renaud inzwischen in Vollzeit, während sein Partner eine Laufbahn im medizinischen Bereich verfolgt.

Einsatz für mehr Individualität

Auch sportlich setzt Renaud bewusst auf Individualität. Schon als Kind habe er Freude daran gehabt, seine Persönlichkeit durch seine Übungen auszudrücken. Besonders begeistert ihn das Frauenturnen mit Disziplinen wie Schwebebalken und Bodenturnen. Bei nationalen Wettkämpfen präsentierte er aus Spaß sogar Choreografien aus dem Frauenturnen und erhielt dafür positive Rückmeldungen. „Es ist wichtig zu zeigen, dass man ein Spitzenturner sein und gleichzeitig auch die femininere Seite dieses Sports annehmen kann.“ Dennoch sieht Renaud weiterhin Vorurteile. „Leider gibt es im Männerturnen immer noch viel Homophobie, weil viele diesen Sport als ,schwul‘ ansehen. Diese Einstellungen haben mich damals beeinflusst, und wahrscheinlich geht es jungen Turnern heute genauso.“

Internationale Rückkehr

Vor einigen Jahren habe er erkannt, dass er sportlich stärker geworden sei als zu seiner Zeit als Jugendturner. Dadurch sei der Wunsch entstanden, wieder international anzutreten. 2025 gab Renaud bei den FISU World University Games in Deutschland sein Debüt im Erwachsenenbereich. Über soziale Medien wurde er außerdem Teil der sogenannten „World Diva Games“, einer von Fans auf der Plattform X ins Leben gerufenen, homosexuellen Begleitaktion rund um den Wettbewerb. Die Unterstützung der Community habe ihn nachhaltig geprägt. „Zu wissen, dass ich authentisch sein und gerade dadurch Aufmerksamkeit bekommen kann, ist unglaublich ermutigend. Dieses Wissen hätte meinem 16-jährigen Ich viel Kummer erspart.“

Heute empfinde er die Online-Community als große Bereicherung. „Ich bin dankbar, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die meine Werte innerhalb meines Sports teilt. Das schafft eine positive Dynamik für Sportler, die die Grenzen dessen erweitern, was einen Spitzenturner ausmacht.“ Auch seine Übungen wähle er bewusst danach aus, sich von anderen abzuheben. „Ist es ein Element, das nur selten gezeigt wird? Dann bin ich dabei! Die Diva Games haben diese Einstellung gefestigt, und ich werde sie den Rest meiner Karriere beibehalten.“

Länder mit LGBTIQ+-feindlichen Gesetzen

In den vergangenen Monaten startete Renaud bei Weltcup-Wettbewerben in Kairo und im kroatischen Osijek. Für das kommende Jahr hat er die Ozeanien-Meisterschaften sowie die Weltmeisterschaften im Blick. Wettkämpfe in Staaten mit starker Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen seien jedoch nicht unkompliziert. „Reisen in Länder wie Ägypten, in denen es viel Anti-LGBTIQ+-Diskriminierung gibt, stellen für queere Menschen wie mich eine Herausforderung dar.“ Gleichzeitig sei es wichtig, die Regeln und Gepflogenheiten des jeweiligen Landes zu respektieren. „Ich sehe es als unsere Verantwortung an, die Gepflogenheiten der Länder zu kennen, in die wir reisen, und sie zu respektieren – auch wenn sie unseren eigenen Werten widersprechen.“

Während des Weltcups in Ägypten habe er sich dennoch sicher gefühlt. „Weil ich mit Team New Zealand unterwegs war, wusste ich, dass ich von ihnen unterstützt werde. Deshalb war die Reise insgesamt großartig. Ich habe mich allerdings persönlich entschieden, kleine Zeichen meiner Sexualität abzulegen – etwa den Regenbogen-Pin an meiner Sporttasche.“ Die Begegnungen vor Ort seien dabei durchweg positiv gewesen. „Die Menschen vor Ort waren unglaublich freundlich und neugierig auf uns. Und die Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt, die ich kennenlernen durfte, waren inspirierend.“

Spitzensport komplett selbst finanziert

Anders als in vielen Ländern wird Leistungsturnen in Neuseeland nicht staatlich finanziert. Nach Angaben Renauds müssen die Athletinnen und Athleten sämtliche Kosten für internationale Wettkämpfe selbst tragen. Wird er für große Meisterschaften nominiert, richtet er deshalb gelegentlich Spendenkampagnen nach dem Vorbild von GoFundMe ein, um seine Reisen finanzieren zu können.

Zudem unterstützt er das Projekt STAG (Shoot Then Aim Gymnastics), das von Trainern und Turnern aus Christchurch gegründet wurde und den Turnsport in Neuseeland bekannter machen soll. Die Initiative veröffentlicht regelmäßig Inhalte auf Instagram, YouTube und Spotify, an denen Renaud mitarbeitet. Sein Fokus liege nun auf der kommenden nationalen Saison und der Qualifikation für internationale Wettkämpfe im nächsten Jahr. „Im Moment arbeite ich daran, gut auf mich zu achten, um in der kommenden nationalen Saison bessere Ergebnisse zu erzielen und mich auf die internationale Qualifikation im nächsten Jahr vorzubereiten. Drückt mir die Daumen.“

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