Direkt zum Inhalt
Aufruf zu Protesten
ANZEIGE

Aufruf zu Protesten Ungarns Präsident Orbán will den Budapest Pride unterbinden – dagegen regt sich jetzt international Widerstand

ms - 13.03.2025 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Mit deutlichen Worten hat sich nun die internationale LGBTIQ+-Organisation ILGA Europe zu Wort gemeldet und kritisiert die jüngsten Androhungen von Ungarns Premierminister Viktor Orbán, den Pride-Marsch in Budapest in diesem Jahr zu verbieten beziehungsweise die gesamte Demonstration nur in einer geschlossenen Veranstaltungsräumlichkeit fernab der Öffentlichkeit stattfinden lassen zu wollen. Zudem arbeitet die Regierung aktuell an weiteren Gesetzen, die sich gegen die Community im Land richten

Angst vor einem Umdenken

Begründet wird das Vorgehen derzeit mit dem Anti-Homosexuellen-Gesetz des Landes, das die Förderung und Darstellung von Homosexualität verbietet und sie als „Werbung“ brandmarkt. Generell soll LGBTIQ+ als Schutz der Minderjährigen aus der Öffentlichkeit ganz verschwinden. Die Europäische Kommission hat Ungarn deswegen bereits verklagt, aktuell läuft der Prozess, trotzdem arbeitet die Regierung unbeirrt weiter an stärkeren Regularien und Einschränkungen. Queere Verbände im Land gehen davon aus, dass Orbán die LGBTIQ+-Bewegung im eigenen Land inzwischen zu groß geworden ist – im letzten Jahr marschierten rund 35.000 Menschen beim Budapest Pride mit. Für dieses Jahr rechnen die Veranstalter mit noch mehr Teilnehmern. Hat Orbán Angst vor einem Umdenken innerhalb der eigenen Bevölkerung?

„Viele Ungarn, die noch nie an einer Pride-Demonstration teilgenommen haben, erklären in diesen Tagen öffentlich ihre Absicht, daran teilzunehmen, weil die Regierung mit einem Verbot droht. Ein Verbot der Pride in Budapest würde den Ungarn eine wichtige Plattform nehmen, um von ihrer Regierung zu verlangen, dass sie auf ihr Volk hört und die demokratischen Werte hochhält. Es wäre ein gefährlicher Schritt zur Einschränkung des Rechts auf Protest und zur Unterdrückung abweichender Meinungen“, so die ILGA Europe.

In diesem Zusammenhang verweist die Organisation auch auf die Artikel 10 und 11 der Europäischen Menschenrechtskonvention, der auch Ungarn beigetreten ist, sowie auf die Artikel 11 und 12 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union. In all den Gesetzen wird die Meinungsfreiheit und das Recht auf Demonstrationen gestärkt.  

Aufruf zu Gemeinschaft und Protest

„Wir bekräftigen den Wert und die Bedeutung der Pride als friedliche Versammlung zur Durchsetzung der gleichen Menschenrechte von LGBTIQ+-Personen im Zusammenhang mit der Forderung nach gleichen Menschenrechten für alle. Wir verurteilen jeden Versuch, den Pride zu unterbinden, als einen Angriff auf das Recht aller auf Versammlungsfreiheit. Wir sind solidarisch mit der Budapest Pride, die am 28. Juni marschieren wird, und sind entschlossen, alle Hindernisse zu bekämpfen, die ihnen in den Weg gelegt werden. Wir fordern die Behörden in Ungarn und allen demokratischen Staaten auf, das Recht auf friedliche Versammlung zu achten und zu schützen. Eine Gesellschaft, die die Menschenrechte für alle wahrt, ist eine stärkere und gerechtere Gesellschaft für alle“, so die ILGA weiter. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ende der Badehaus-Verbote

San Diego streicht alte Vorschrift

San Diego schafft ein seit den 1980er-Jahren bestehendes Badehaus-Verbot ab, das einst zur Eindämmung von HIV eingeführt worden war.
KI und LGBTIQ+

Outing der sexuellen Orientierung

KI kann LGBTIQ+-Menschen diskriminieren oder sensible Identitäten ableiten – zugleich warnt ein Anthropic-Forscher vor weiteren extremen Risiken.
Doppelmoral in Dallas

Grindr und Republikaner

Beim Parteitag der Republikaner war der LGBTIQ+-Kulturkampf ein zentrales Thema. Gleichzeitig vermeldete Grindr Ausfälle wegen Überbelastung der App.
Mit Pride-Flagge ins Ziel

Queerer Läufer schreibt Geschichte

Der nicht-binäre Ryan Montgomery wurde beim Western States Endurance Run zum schnellsten US-Amerikaner über 100 Meilen und schrieb damit Geschichte.
Lesbische Polizistin packt aus

Sexuelle Belästigung von Kollegen

Eine lesbische Polizistin aus New Jersey wirft Kollegen sexuelle Belästigung und ihrem Polizeichef Diskriminierung vor.
Mehr Schutz für Kinder online

Experten legen 56 Empfehlungen vor

Eine Expertenkommission legte heute 56 Empfehlungen für besseren Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt vor.
Sexuelle Bildung in Italien

Referendum erreicht wichtige Hürde

Mehr als 500.000 Menschen haben ein Referendum gegen ein Gesetz in Italien unterschrieben, dass sexuelle Bildung und LGBTIQ+ an Schulen untersagt.
Noah Segsy ist tot

Schwuler Adultstar ertrinkt im Pool

Der 22-jährige deutsche schwule Hardcore-Content-Creator Riccardo Staudt alias Noah Segsy ist auf Zypern ertrunken. Die Todesumstände sind noch unklar
25 Jahre 9/11

Der Anschlag und LGBTIQ+

25 Jahre nach 9/11 zeigt sich: Die Anschläge veränderten auch das Leben von LGBTIQ+-Menschen und machten rechtliche Ungleichheiten sichtbar.