Eine Liebesgeschichte auf Rastplätzen und Autobahnen hat beim Zurich Film Festival den Hauptpreis gewonnen. Das schwule Drama „Flesh & Fuel“ von Pierre le Gall ist mit dem Goldenen Auge im Spielfilm-Wettbewerb des 22. Festivals ausgezeichnet worden.
Das Wichtigste im Überblick
- „Flesh & Fuel“ gewinnt das Goldene Auge im Spielfilm-Wettbewerb des 22. Zurich Film Festival.
- Der Hauptpreis ist mit 25.000 Franken, umgerechnet rund 26.700 Euro, dotiert und wurde am 3. Oktober im Zürcher Opernhaus verliehen.
- Im Mittelpunkt stehen die Fernfahrer Étienne aus Frankreich und Bartosz aus Polen, zwischen denen sich eine Liebesbeziehung entwickelt.
- Regisseur Pierre le Gall erzählt in seinem ersten Spielfilm von Liebe und Nähe in einer Arbeitswelt, die von langen Fahrten, Einsamkeit und wirtschaftlichem Druck geprägt ist.
- Die Jury würdigte die Auseinandersetzung des Films mit dem menschlichen Bedürfnis nach Nähe.
- Bereits bei den Filmfestspielen von Cannes wurde „Flesh & Fuel“ mit der neu geschaffenen Queer Palm Revelation für ein queeres Filmdebüt ausgezeichnet.
- In Deutschland läuft der Film seit Mitte September im Kino. Eine Streaming-Veröffentlichung wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.
Zwei Fernfahrer und wenig Zeit
Der Preis wurde am Samstagabend, 3. Oktober, im Zürcher Opernhaus vergeben. Er ist mit 25.000 Franken dotiert, umgerechnet rund 26.700 Euro. Für den französischen Regisseur bedeutet die Auszeichnung einen weiteren Erfolg mit seinem ersten Spielfilm. Im Mittelpunkt von „Flesh & Fuel“ stehen zwei Männer, deren Alltag von langen Strecken und einem Leben auf der Straße bestimmt wird. Étienne arbeitet als französischer Fernfahrer. Sein Leben ist von langen Fahrten und kurzen Begegnungen geprägt. Dann lernt er Bartosz kennen, einen lebensfrohen Berufskollegen aus Polen.
Aus der zunächst zufälligen Begegnung entsteht Nähe und schließlich eine Liebesgeschichte. Die Beziehung der beiden wird jedoch von ihren Arbeitsbedingungen bestimmt. Als Fernfahrer sind sie ständig unterwegs. Gemeinsame Zeit ist knapp und wird damit zum Luxus. Der Film stellt die Frage, wie eine Partnerschaft funktionieren kann, wenn der Beruf das Leben auf der Straße vorgibt und persönliche Nähe immer wieder hinter beruflichen Anforderungen zurückstehen muss.
Liebe unter Druck
Le Gall nutzt das Fernfahrer-Milieu dabei nicht lediglich als Kulisse für eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern. „Flesh & Fuel“ beschäftigt sich zugleich mit Arbeit, wirtschaftlichem Druck und der Frage, wie viel Platz unter diesen Bedingungen für persönliche Freiheit und Beziehungen bleibt. Das Trucker-Milieu wird dabei weder auf Machismo reduziert noch pauschal als homophob dargestellt. Im Zentrum stehen vielmehr Menschen, die ihren Beruf ernst nehmen und gleichzeitig nach Nähe und Verbundenheit suchen. Für Regisseur Le Gall steht dahinter auch eine grundsätzliche Idee: Liebe kann aus seiner Sicht eine Kraft entwickeln, die selbst stärker sein kann als Arbeit und Kapitalismus.
Die Jury des Zurich Film Festival hob insbesondere die Beschäftigung des Films mit dem menschlichen Bedürfnis nach Nähe hervor. Le Gall selbst war bei der Preisvergabe im Zürcher Opernhaus nicht anwesend. Der französische Regisseur meldete sich stattdessen mit einer Videobotschaft und bedankte sich für die Auszeichnung. Das Goldene Auge widmete er Menschen, die mit Stolz ihrer Arbeit nachgehen und dabei müde geworden sind. Mit dem Erfolg in Zürich setzt „Flesh & Fuel“ eine Reihe von Auszeichnungen fort, die bereits bei einem der bedeutendsten internationalen Filmfestivals begonnen hatte.
Auszeichnung in Cannes
Bei den Filmfestspielen von Cannes war das Drama zuvor ebenfalls auf Aufmerksamkeit gestoßen. Dort erhielt „Flesh & Fuel“ die neu geschaffene Queer Palm Revelation. Die Auszeichnung ist einem queeren Filmdebüt gewidmet. Für Le Gall war der Erfolg besonders bedeutend, da „Flesh & Fuel“ sein erster abendfüllender Spielfilm ist. Mit den Auszeichnungen in Cannes und Zürich findet damit eine schwule Liebesgeschichte Anerkennung, die bewusst abseits klassischer Schauplätze romantischer Filme erzählt wird. Statt Großstadt, Nachtleben oder vertrauter Liebesfilm-Kulissen bilden Autobahnen, Lastwagen und Rastplätze den Rahmen für die Beziehung zwischen Étienne und Bartosz. In Deutschland ist „Flesh & Fuel“ bereits seit Mitte September in ausgewählten Kino zu sehen. Nach dem Kinostart soll das Drama voraussichtlich Ende 2026 oder Anfang 2027 auch als Streaming-Angebot verfügbar werden. Welcher Anbieter den Film ins Programm nehmen wird, steht bislang noch nicht fest.