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James Baldwin im Kino Die Obamas verfilmen Baldwins Liebesleben

Von ms - 05.10.2026 - 14:30 Uhr
James Baldwin im Kino
Foto: IMAGO / United Archives
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Das Leben und die Liebesbeziehungen des schwulen US-Schriftstellers James Baldwin (1924-1987) sollen zum Stoff eines neuen Spielfilms werden. Higher Ground, die Produktionsfirma von Barack und Michelle Obama, entwickelt gemeinsam mit Anonymous Content eine Verfilmung der 2025 erschienenen Biografie „Baldwin: A Love Story“ von Nicholas Boggs.

Das Wichtigste im Überblick

  • Higher Ground, die Produktionsfirma von Barack und Michelle Obama, und Anonymous Content planen eine Verfilmung der 2025 erschienenen Biografie „Baldwin: A Love Story“.
  • Das Buch von Nicholas Boggs beleuchtet die persönlichen, romantischen und künstlerischen Beziehungen des Schriftstellers und schwulen Aktivisten James Baldwin.
  • Boggs und Schriftsteller Marlon James sollen die Biografie für die Leinwand adaptieren.
  • Im Mittelpunkt stehen unter anderem Baldwins Beziehungen zu Beauford Delaney, Lucien Happersberger, Engin Cezzar und Yoran Cazac.
  • Barack Obama hat wiederholt seine Bewunderung für Baldwin und dessen Werk zum Ausdruck gebracht.
  • Parallel existieren seit 2023 Pläne für ein weiteres Baldwin-Biopic mit Billy Porter als Regisseur und Hauptdarsteller. Wie es mit diesem Projekt weitergeht, ist unklar.
  • Baldwin beschäftigte sich in seinem Werk intensiv mit Sexualität, Männlichkeit, ethnischer Zugehörigkeit und sozialer Klasse und gilt als bedeutende Stimme der schwarzen und schwulen Literatur.

Barack Obama ist Baldwin-Bewunderer

Anonymous Content hat eine Vereinbarung über die Rechte an dem Buch geschlossen. Autor Boggs soll auch an der Filmadaption beteiligt sein. Gemeinsam mit ihm wurde der Schriftsteller Marlon James mit der Adaption beauftragt. James ist unter anderem als Autor von „The Disappearers“ und „A Brief History of Seven Killings“ bekannt. Details zu dem Projekt wurden von Darren Walker bei der Bloomberg-Screentime-Konferenz bekannt gegeben. Der frühere Präsident der Ford Foundation wurde vor Kurzem zum Präsidenten und CEO von Anonymous Content ernannt.

Mit Higher Ground ist die von Barack und Michelle Obama gegründete Produktionsfirma an dem Projekt beteiligt. Der frühere US-Präsident hat seine Bewunderung für Baldwins Literatur mehrfach öffentlich gemacht. Zuletzt widmete Obama in seiner Podcast-Reihe „A Great Book with Barack Obama“ eine Folge einem der bekanntesten Werke des Schriftstellers, „The Fire Next Time“. Anonymous Content wiederum steht hinter Filmen und Serien wie „Nickel Boys“, „True Detective“ und „Spotlight“. Zu den weiteren Projekten des Unternehmens zählen der von Alex Gibney gedrehte und in Venedig vorgestellte Dokumentarfilm „Musk“, Zoe Kazans „East of Eden“ sowie „The Statement“. 

Baldwins Beziehungen 

Grundlage des geplanten Films ist die umfangreiche Baldwin-Biografie von Nicholas Boggs. Für „Baldwin: A Love Story“ wurden neu zugängliches Archivmaterial und weitere Forschungsergebnisse ausgewertet. Im Zentrum stehen insbesondere Baldwins persönliche und künstlerische Beziehungen. Dazu gehört Beauford Delaney, ein afroamerikanischer Maler, der für Baldwin zum Mentor wurde. Eine weitere zentrale Rolle spielt der Schweizer Maler Lucien Happersberger, der Baldwins Liebhaber und Muse war. Beleuchtet werden zudem die Verbindungen zum türkischen Schauspieler Engin Cezzar und zum französischen Künstler Yoran Cazac. Cazacs Bedeutung als Baldwins letzte große Liebe war lange wenig beachtet worden und wird in der Biografie erstmals ausführlicher untersucht.

Privatleben als Schlüssel 

Baldwin selbst beschrieb bereits 1959 die Bedeutung des Persönlichen für seine Arbeit: „Für mich besteht die Schwierigkeit darin, mit dem Privatleben in Verbindung zu bleiben. Das Privatleben – das eigene und das anderer Menschen – ist der Stoff des Schriftstellers: der Schlüssel für ihn und für uns, um sein Werk zu verstehen.“ Dieser Zusammenhang zwischen persönlichem Leben und literarischem Schaffen bildet einen wesentlichen Ausgangspunkt von „Baldwin: A Love Story“. Boggs zeichnet darin nach, wie Baldwin Erfahrungen aus seinen Beziehungen aufgriff und literarisch verarbeitete. Dabei spielten geografische, kulturelle, politische, künstlerische und erotische Einflüsse eine Rolle. Aus diesen Erfahrungen entstanden Romane, Essays und Theaterstücke, mit denen Baldwin gesellschaftliche Machtverhältnisse thematisierte. Sein Werk hinterließ nachhaltige Spuren in der US-Bürgerrechtsbewegung sowie in der Geschichte der schwarzen und schwulen Literatur.

Auch geografisch folgt „Baldwin: A Love Story“ den verschiedenen Stationen im Leben des Schriftstellers. Die Biografie zeichnet seinen kreativen Weg von Harlem über Paris und die Schweiz bis in den Süden der Vereinigten Staaten nach. Weitere Stationen sind Istanbul, Afrika und Südfrankreich. Baldwin verbrachte einen erheblichen Teil seines Lebens außerhalb der Vereinigten Staaten. Noch offen ist, in welchem Verhältnis das neue Filmprojekt zu einer weiteren geplanten Baldwin-Verfilmung steht.

Zweites Baldwin-Biopic 

Bereits 2023 war ein Biopic über James Baldwin mit Billy Porter angekündigt worden. Porter sollte dabei sowohl Regie führen als auch Baldwin spielen. Seit der Ankündigung ist es um das Vorhaben allerdings ruhig geworden. Als Grundlage für dieses Projekt war „James Baldwin: A Biography“ vorgesehen. Das Buch erschien 1994 und stammt von David Leeming, einem emeritierten Englischprofessor der University of Connecticut. Leeming war mehr als 25 Jahre lang ein enger Freund und Assistent Baldwins. Ob und in welchem Umfang das nun geplante Projekt von Higher Ground und Anonymous Content Auswirkungen auf Porters Film haben wird, ist bislang nicht bekannt.

Sex und Konflikte

James Baldwin gilt als einer der bedeutenden US-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In seinen Romanen, Essays und weiteren Texten setzte er sich wiederholt mit Männlichkeit, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit und sozialer Klasse auseinander. Seine Arbeit war eng mit den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen seiner Zeit verbunden. Dazu gehörten insbesondere die US-Bürgerrechtsbewegung und die Gay-Liberation-Bewegung. In Baldwins literarischem Werk stehen häufig schwule oder bisexuelle afroamerikanische Männer im Mittelpunkt. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören „Giovannis Zimmer“, „Go Tell It on the Mountain“, „Notes of a Native Son“, „Another Country“, „The Fire Next Time“ und „If Beale Street Could Talk“. Letzteres wurde 2018 von Regisseur Barry Jenkins verfilmt.

Streitbarer schwuler Geist 

Baldwin lebte offen homosexuell und gilt bis heute als eine bedeutende Persönlichkeit der US-amerikanischen schwulen Geschichte. Sein erster Roman „Go Tell It on the Mountain“, der 1953 erschien, verarbeitet autobiografische Erfahrungen aus seiner Jugend in Harlem. Nach der Veröffentlichung von „Another Country“ wurde Baldwin dafür angegriffen, Homosexualität innerhalb der schwarzen Community New Yorks zu thematisieren. Eldridge Cleaver, ein führendes Mitglied der Black Panther Party, warf Baldwins Werken „absoluten Hass auf Schwarze“ vor. Sein letzter Roman „Just Above My Head“ erschien 1979. 1986 ernannte die französische Regierung Baldwin zum Kommandeur der Ehrenlegion. Ein Jahr später starb der Schriftsteller in Saint-Paul-de-Vence. Seine Lebensgeschichte und sein literarisches sowie politisches Vermächtnis sind bereits mehrfach filmisch aufgearbeitet worden. Zu den bekanntesten Produktionen gehört Raoul Pecks Dokumentarfilm „I Am Not Your Negro“, der für einen Oscar nominiert wurde.

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