Direkt zum Inhalt
Der Pride wird unsichtbar
ANZEIGE

Der Pride wird unsichtbar Einen CSD ganz zu verbieten, ist auch in Ungarn schwierig – doch wie wäre es, ihn verschwinden zu lassen?

ms - 27.02.2025 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Erst vor wenigen  Tagen bekundete Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (61), dass er weitere rechtliche Schritte gegen die Rechte der LGBTIQ+-Community einleiten will, darunter auch eine Verfassungsänderung und ein Verbot von Pride-Demonstrationen im Land. Die Ankündigung schlug hohe Wellen und Orbán sah sich mit der Tatsache konfrontiert, dass das ungarische Grundgesetz die Versammlungs- und Meinungsfreiheit schützt – auch für Community-Veranstaltungen. 

Der Pride wird versteckt 

Das Problem für den 61-jährigen Staatenlenker: Ungarn soll auch weiterhin den Anschein der Demokratie wahren, ein striktes, verfassungswidriges Verbot wie in der Türkei oder Russland erscheint da offensichtlich schwierig. So erklärte Orbán deswegen nun, die größte CSD-Demonstration des Landes, der Budapest Pride, solle in diesem Jahr an einem „geschlossenen Ort“ stattfinden. 

Der lebhaften Parade durch die Innenstadt entlang der Andrássy-Allee, wie in den Jahren zuvor, erteilte er eine Absage. Die pauschale Begründung einmal mehr: Das Vorgehen diene dem Schutz der Kinder. Konkret sei der Kinderschutz nur durchzusetzen, wenn der Pride in einem geschlossenen Raum wie einer Veranstaltungshalle stattfinde, wie Stabschef Gergely Gulyás ergänzte. 

Taktischer Schachzug – und was nun?

In ersten Stellungnahmen erklärten Vertreter von queeren Verbänden, dass der Pride eine familienfreundliche Veranstaltung sei, es bestehe schlicht keinerlei Gefahr für Kinder. Zuvor hatte auch bereits das Organisationsteam des Budapest Pride klargestellt, dass die Regierung einmal mehr mit solchen Aktionen versuche, „Andersdenkende zum Schweigen zu bringen.“ 

Rémy Bonny, Geschäftsführer der europäischen LGBTIQ+-Organisation Forbidden Colours, verurteilte die Entscheidung als „einen schändlichen Versuch, die Sichtbarkeit von LGBTIQ+ auszulöschen.“ Und weiter: „Dies ist nicht nur ein Angriff auf Budapest Pride - es ist ein Angriff auf die Demokratie selbst. Wenn Ungarn mit dem Verbot der Pride davonkommt, was kommt dann als nächstes? Dies ist das neueste Kapitel in Orbáns autoritärem Spielbuch. Er benutzt LGBTQ+ Menschen als Sündenböcke, um seine Macht zu festigen, demokratische Institutionen zu untergraben und von der Korruption und dem wirtschaftlichen Missmanagement seiner Regierung abzulenken. Die Europäische Union muss mit konkreten Maßnahmen reagieren - bloße Worte der Besorgnis reichen nicht mehr aus.“

Ob und wie sich nun gegen Orbáns Weisung eines abgeschotteten Prides vorgehen lassen wird, bleibt fraglich – offiziell verbietet er die Demonstration nicht mehr und widerstößt damit höchstwahrscheinlich offiziell auch nicht mehr gegen die ungarische oder europäische Verfassung. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ende der Badehaus-Verbote

San Diego streicht alte Vorschrift

San Diego schafft ein seit den 1980er-Jahren bestehendes Badehaus-Verbot ab, das einst zur Eindämmung von HIV eingeführt worden war.
KI und LGBTIQ+

Outing der sexuellen Orientierung

KI kann LGBTIQ+-Menschen diskriminieren oder sensible Identitäten ableiten – zugleich warnt ein Anthropic-Forscher vor weiteren extremen Risiken.
Doppelmoral in Dallas

Grindr und Republikaner

Beim Parteitag der Republikaner war der LGBTIQ+-Kulturkampf ein zentrales Thema. Gleichzeitig vermeldete Grindr Ausfälle wegen Überbelastung der App.
Mit Pride-Flagge ins Ziel

Queerer Läufer schreibt Geschichte

Der nicht-binäre Ryan Montgomery wurde beim Western States Endurance Run zum schnellsten US-Amerikaner über 100 Meilen und schrieb damit Geschichte.
Lesbische Polizistin packt aus

Sexuelle Belästigung von Kollegen

Eine lesbische Polizistin aus New Jersey wirft Kollegen sexuelle Belästigung und ihrem Polizeichef Diskriminierung vor.
Mehr Schutz für Kinder online

Experten legen 56 Empfehlungen vor

Eine Expertenkommission legte heute 56 Empfehlungen für besseren Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt vor.
Sexuelle Bildung in Italien

Referendum erreicht wichtige Hürde

Mehr als 500.000 Menschen haben ein Referendum gegen ein Gesetz in Italien unterschrieben, dass sexuelle Bildung und LGBTIQ+ an Schulen untersagt.
Noah Segsy ist tot

Schwuler Adultstar ertrinkt im Pool

Der 22-jährige deutsche schwule Hardcore-Content-Creator Riccardo Staudt alias Noah Segsy ist auf Zypern ertrunken. Die Todesumstände sind noch unklar
25 Jahre 9/11

Der Anschlag und LGBTIQ+

25 Jahre nach 9/11 zeigt sich: Die Anschläge veränderten auch das Leben von LGBTIQ+-Menschen und machten rechtliche Ungleichheiten sichtbar.