Direkt zum Inhalt
Kritik an Kürzungen bei HIV

Kritik an Kürzungen bei HIV Rotstift soll nach Hessen und Nordrhein-Westfalen auch in Berlin bei der HIV-Arbeit angesetzt werden

ms - 14.11.2024 - 12:30 Uhr
Loading audio player...

Ein Bündnis von 15 Vereinen fordert nun ein Umdenken beim Thema HIV/Aids – die geplanten finanziellen Kürzungen bei der Prävention würden bisherige Erfolge in Berlin „stark gefährden“. Die freien Träger, deren Angebote im Handlungsfeld HIV/Aids des Integrierten Gesundheits- und Pflege-Programms (IGPP) gefördert werden, fordern deshalb alle politisch Handelnden im Land Berlin auf, keine Kürzungen bei den Zuwendungsprojekten vorzunehmen.

Werden Versprechen gebrochen?

Nach Hessen und Nordrhein-Westfalen kommt damit nun auch aus Berlin die dritte Hiobsbotschaft für Verbände, die in der HIV-Prävention und Versorgung von Menschen mit HIV arbeiten. Stephan Jäkel von der Schwulenberatung Berlin erklärt dazu: „Berlin hat als Fast Track City das Versprechen abgegeben, Aids bis 2030 zu beenden. Die UNAIDS hat das Ziel ´Aids beenden bis 2030´ vorgegeben. Dieses Ziel hat die Bundesregierung mit ihrer ´BIS 2030 Strategie´ aufgegriffen. Berlin hat sich mit dem Beitritt zur Fast Track City Initiative selbst verpflichtet, alles zu unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen und Aids bis 2030 in Berlin zu beenden.“ 

Nebst der Schwulenberatung haben sich bisher 14 weitere Vereine den Forderungen angeschlossen, darunter unter anderem die Berliner Aids-Hilfe, Checkpoint BLN, Mann-o-Meter oder auch die Stiftung LHA – Leben mit HIV und AIDS. So betont das Bündnis zudem: „Das Ziel ´Aids beenden´ steht synonym für die strukturelle Prävention von HIV, Aids, Tuberkulose, Hepatitis C und andere Public Health-relevante, sexuell übertragbare Infektionen. Stigmatisierung und Diskriminierung haben wesentlichen Einfluss und müssen bekämpft werden.“ 

Keine Ende von Aids bis 2030

Dabei verweisen die Vereine auch auf die maßgeblichen Fortschritte, die in Berlin in rund 40 Jahren HIV-Arbeit erreicht worden sind, weswegen die Stadt 2023 auch mit dem „Circle of Excellence Award for Europe“ ausgezeichnet worden ist. Eines müsse ganz klar sein: „Mit den drohenden Kürzungen für die zuwendungsfinanzierten Angebote in 2025 werden wir das Ziel, Aids bis 2030 in Berlin zu beenden, nicht erreichen. Die bisherigen Erfolge müssen unbedingt abgesichert bleiben um das Erreichte nicht durch ein Wiederaufflammen von Infektionsgeschehen zu gefährden. Ein Reduzieren der Bemühungen erhält nicht einmal den Status Quo. Wir dürfen bei Infektionskrankheiten so lange nicht nachlassen, bis sie beendet sind.“

Zu den besonders vulnerablen Gruppen in Berlin mit Blick auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten gehörten dabei insbesondere LGBTI*-Menschen sowie aber auch Sexarbeiter, Drogenkonsumenten und Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung. „In Metropolen findet ein vielfältiges Infektionsgeschehen statt, deshalb hat Berlin eine besondere Verantwortung im Kampf gegen diese Infektionen.“

Das Bündnis fordert nebst der ausreichenden Finanzierung inklusive der Berücksichtigung der Kostensteigerungen bei Sach- und Personalkosten den Abschluss eines neuen Rahmenfördervertrages ab 2026, damit wesentliche Angebote der Prävention und der gesundheitlichen Versorgung insbesondere für vulnerable Gruppen in Berlin weiterhin sichergestellt sind.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Signal für Verfassungstreue

Polizeianwärter zu Recht entlassen

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat entschieden, dass zwei Polizeikommissaranwärter wegen Homphopie zu Recht entlassen wurden.
Umsetzung von „Queer leben“

Verunsicherung in der Community

Die Umsetzung des Aktionsplans „Queer leben“ der Bundesregierung bleibt trotz gegenteiliger Behauptungen auf Kurs, so Queerbeauftragte Sophie Koch.
Krise der US-Filmstudios

Prüderie bei schwulen Produktionen

"Heated Rivalry" ist ein Serienhit, auch aufgrund seiner schwulen Sex-Szenen. In den USA wäre die Serie so nie entstanden, kritisieren Filmexperten.
Umfassender Aktionsplan

Strategie stärkt queere Rechte

Die Stadt Erlangen stärkt erstmals mit einem umfassenden Strategieplan gezielt die Rechte von queeren Menschen auf kommunaler Ebene.
Krieg im Regenbogenland

Festnahme wegen Zebrastreifen

In Dallas wurde ein schwuler Mann verhaftet, weil er einen regenbogenfarbenen Zebrastreifen wieder herstellte.
Ende einer Institution

Britischer LGBTIQ+-Verband schließt

Schock in der Community: Englands ältester LGBTIQ+-Wohltätigkeitsverein METRO muss nach über 40 Jahren aufgrund fehlender Gelder schließen.
Kurzes Aufatmen in Florida

Zuschüsse für HIV-Medikamente

Nach Stopp von Finanzhilfen für einkommensschwache Menschen mit HIV hat Floridas Gouverneur DeSantis nun doch neue Geldmittel für drei Monate zugesagt
Offline in Russland

Neue Angriffe auf LGBTIQ+

Russland sperrt gerade im Großraum Moskau wesentliche digitale Angebote, ein weiterer Angriff auf Kritiker und LGBTIQ+-Menschen.
Geldstrafe in Finnland

Homophobes Statement in der Politik

Die finnische Abgeordnete Päivi Räsänen muss eine Geldstrafe zahlen, nachdem sie Homosexualität als "Entwicklungsstörung" bezeichnete.