Direkt zum Inhalt
Suizidrisiko in der Community
ANZEIGE

Suizidrisiko in der Community Homo- und Bisexuelle in England haben ein deutlich höheres Selbstmord-Risiko als Heterosexuelle

ms - 10.04.2025 - 15:00 Uhr
Loading audio player...

Das britische Office for National Statistics (ONS) hat nun erstmals das Selbstverletzungs- und Selbstmordrisiko von Lesben, Schwulen und Bisexuellen (LGB) untersucht und ist anhand der jüngsten Datenlage zu einem bitteren Ergebnis gekommen: Sogenannte LGB-Erwachsene in England und Wales haben demnach ein mindestens doppelt so hohes Potenzial, Suizid zu begehen wie heterosexuelle Menschen.

Dramatische Zahlen – besonders bei jungen Briten

Konkret ist das Selbstmord-Risiko bei Homo- und Bisexuellen ab 16 Jahren in England und Wales 2,2 Mal höher, bei einer absichtlichen Selbstverletzung sogar 2,5 Mal höher als bei heterosexuellen Gleichaltrigen. Mit Blick auf das Alter zeigt sich zudem, dass die junge Community der 16 bis 24-Jährigen besonders stark betroffen ist. Ebenso dramatisch fallen die Zahlen bei schwarzen Schwulen und Lesben aus, hier ist das Risiko fast fünfmal so hoch. 

ONS wertete dabei mehrere Studien und Untersuchungen aus, darunter Informationen aus der Volkszählung, Krankenhausdaten (NHS) und Sterberegistrierungen für Erwachsene; dabei konzentrierte sich die Behörde auf die sogenannte LGB-Gruppe, also Lesben, Schwule und Bisexuelle. Queere Menschen kommen in der Analyse nicht vor. Innerhalb der Gruppe haben Bisexuelle das größte Risiko in puncto Selbstverletzung, ihre Werte sind 2,8mal höher als bei Heterosexuellen. Bei Schwulen und Lesben ist das Selbstverletzungsrisiko 2,4-mal höher. 

Forderungen an die Regierung

So traurig die Fakten sind, sie wichtig sind sie auch, um etwas zu ändern, darin sind sich mehrere britische Organisationen wie die Samaritans einig. Direktorin Jacqui Morrissey dazu: „Diese Zahlen müssen die Regierung nun zwingen, sich mit diesem Problem der Ungleichheit auseinanderzusetzen, bevor noch mehr Menschen ihr Leben verlieren. Es besteht dringender Handlungsbedarf im gesamten Gesundheitswesen, um die Hindernisse zu beseitigen, die LGBTIQ+ -Menschen im Weg stehen, um die Unterstützung zu erhalten, die sie wirklich brauchen. Die Regierung darf nicht länger zögern; Leben hängen davon ab!“ Emma Sharland von der ONS-Gesundheitsforschungsgruppe betonte abschließend, dass in der Studie nicht der Frage nach den kausalen Gründen nachgegangen worden ist, warum Bisexuelle sowie Schwule und Lesben einem deutlich höheren Risiko für Suizid ausgesetzt sind. Man wollte hier bewusst nicht Raum für Spekulationen geben.  

 

Hier gibt es Hilfe

Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger oder E-Mail unter www.coming-out-day.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neue Studie untersucht Väter

Väterzeit kann psychisch entlasten

Gute Nachrichten für schwule Väter: Eine neue Studie zeigt, dass eine Elternzeit bei Vätern mit einem geringeren Depressionsrisiko verbunden ist.
Queere Menschen in Ohio

Neue Hürden für trans* Menschen

Der Bundesstaat Ohio erschwert trans* Menschen die Änderung des Geschlechtseintrags auf Ausweisen und sorgt damit erneut für viel Kritik.
Appell von Ghanas Erzbischof

Statement gegen Anti-LGBTIQ+-Gesetz

Ghanas anglikanischer Erzbischof lehnt die Kriminalisierung homosexueller Menschen ab und stellt sich gegen das geplante Anti-LGBTIQ+-Gesetz.
Krise bei Goose-App

Gründer zieht sich zurück

Goose-Mitgründer Derek Chadwick verlässt überraschend die Dating-App nach rund zwei Monaten, weil sich ihre Ausrichtung von seiner Vision entfernt hat
Eklat in Florida

DeSantis suspendiert Gefolgsmann

Aufregung in Florida: Ein von Gouverneur Ron DeSantis ernannter Amtsträger ist wegen schwerer Vorwürfe gegen ein Kind jetzt festgenommen worden.
LGBTIQ+-Politik im Wahlcheck

Parteien mit klaren Unterschieden

Der LSVD+ Berlin-Brandenburg sieht deutliche Unterschiede bei den queerpolitischen Positionen der Parteien und fordert konkrete politische Maßnahmen.
Dortmund zeigt Flagge

1.000 Pride-Flaggen für die Stadt

Dortmund setzt vor dem CSD mit 1.000 Pride-Flaggen ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Solidarität und Akzeptanz in der Stadt.
Vom Popstar zum Berater

Grammy-Gewinner wechselt Seiten

Der schwule, frühere Clean-Bandit-Musiker Neil Amin-Smith ist vom Grammy-Gewinner zum Wirtschaftsberater aufgestiegen.
Vom Chatroom zur Dating-App

30 Jahre digitale Schwulenszene

Von Gay.com bis Grindr: Das Internet hat die schwule Kontaktkultur grundlegend verändert – und ständig neue Formen des Kennenlernens geschaffen.