Direkt zum Inhalt
Selbstbestimmungsgesetz

Selbstbestimmungsgesetz Wird das beschlossene Gesetz erneut nach hinten verschoben?

ms - 06.05.2024 - 08:30 Uhr
Loading audio player...

Der Bundesrat fordert jetzt mit Blick auf das vor kurzem beschlossene Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) die Einberufung eines Vermittlungsausschusses. 

Schlupfloch für Kriminelle?

Hintergrund sind teilweise erneut Bedenken, die die zuständigen Ausschüsse bereits im Oktober letzten Jahres geäußert hatten – in der finalen Beschlussfassung der Ampel-Koalition wurden diese allerdings nicht berücksichtigt. Ein Hauptkritikpunkt: Vor der finalen Gesetzesfassung war im Gesetzestext bei einem Personenstandswechsel noch eine Mitteilungspflicht an alle wichtigen Ämter wie beispielsweise dem Bundeskriminalamt oder der Bundespolizei festgehalten worden – dies sollte verhindern, dass sich Kriminelle mittels einer juristischen Geschlechtsänderung der Verfolgung entziehen können. Im beschlossenen Gesetzestext des SBGG ist dieser Passus gestrichen worden. 

Erhebliches Risiko für die innere Sicherheit

Der Innenausschuss der Länderkammer erklärt dazu: „Infolge der Streichung birgt das Gesetz nun ein erhebliches Risiko für die innere Sicherheit, weil es durch die fehlende Information der Sicherheitsbehörden über die Namens- oder Geschlechtsänderung Identitätsverschleierungen für Personen ermöglicht, die das Gesetz gegebenenfalls aus unlauteren Gründen ausnutzen wollen. Das Missbrauchsrisiko liegt weit höher als nach der derzeit geltenden Rechtslage, da das SBGG die Voraussetzungen für Änderungen des Geschlechtseintrags und der Vornamen gegenüber dem Transsexuellengesetz deutlich absenkt.“

Verschiebt sich das SBGG erneut?

Am 17. Mai, dem internationalen Tag gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit, steht das SBGG nun deswegen erneut auf der Tagesordnung im Bundesrat. Final verhindern wird der Bundesrat das Gesetz nicht können, allerdings könnte der Innenausschuss im Vermittlungsverfahren Einspruch gegen das SBGG einlegen. 

Anschließend ist der Bundestag erneut dazu aufgerufen, den Einspruch mittels Stimmenmehrheit der Ampel-Regierung zu überstimmen. Sollte es dazu kommen, wird sich das geplante Inkrafttreten des SBGG zum November 2024 höchstwahrscheinlich erneut verschieben. Aktuell fehlt auch noch die Unterschrift des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Zuletzt hatten sich mehrere Frauenverbände mit der Bitte an das Staatsoberhaupt gewandt, das Gesetz nicht zu unterschreiben.     

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heiratsantrag bei Gay Games

Liebe auf dem Basketballfeld

Ein Heiratsantrag nach dem Basketball-Finale macht die Gay Games in Valencia zu einem bewegenden Symbol für Liebe, Sichtbarkeit und Zusammenhalt.
Schwule als Bedrohung

Wenn Männlichkeit ins Wanken gerät

Eine große Studie zeigte nun auf: Wird das eigene Männerbild infrage gestellt, können Aggression und Ausgrenzung zunehmen, insbesondere gegen Schwule.
Historisches Urteil erwartet

Karibik vor Wendepunkt

In der Karibik bahnt sich ein historisches Urteil an: Erstmals geht es direkt um die Aufhebung von schwulenfeindlichen Gesetzen der Kolonialzeit.
Homophober Lehrer gesperrt

Britische Schule zieht Konsequenzen

Ein britischer muslimischer Lehrer darf nach umstrittenen Aussagen über schwule und trans* Menschen mindestens bis 2032 nicht unterrichten.
Neue Hoffnung in Ungarn

Staatsmedien vor Neubeginn

Nach Jahren politischer Kontrolle über den ungarischen Rundfunk soll ein Neustart der öffentlich-rechtlichen Medien beginnen. Hoffnung für LGBTIQ+?
Hass-Morde in Philadelphia

Zwei Schwule von hinten erschossen

Homophobe Mordserie: Nach Schüssen auf mehrere schwule Männer fahndet die Polizei in Philadelphia jetzt nach einem 21-jährigen Tatverdächtigen.
Iran verschärft die Repression

Sechs Monate nach den Massakern

Sechs Monate nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste in Iran kritisiert Amnesty International die anhaltende Straflosigkeit.
Drogenkrise in Deutschland

Alarmierende Zahl von Todesfällen

Der Drogenbericht 2025 zeigt eine anhaltend hohe Zahl drogenbedingter Todesfälle – besonders besorgniserregend ist der Anstieg bei jungen Menschen.
Neue Zensur in Russland

Im Fokus SpongeBob Schwammkopf

Zensur ad absurdum: Ein russischer Fernsehsender soll in einer Folge von „SpongeBob Schwammkopf“ einen Regenbogen entfernt haben.