Direkt zum Inhalt

Gesetzentwurf der Regierung Bundesregierung stärkt Verfolgung von Völkerrechtsverbrechen gegen LGBTI*-Menschen

Von ms - 02.11.2023 - 11:00 Uhr
Gesetzentwurf der Regierung
Foto: iStock / DNY59
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts beschlossen. Unter anderem soll dabei auch die Verfolgung von Völkerrechtsverbrechen gegen LGBTI*-Menschen explizit ausgearbeitet werden. Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland zeigte sich grundsätzlich erfreut von den jüngsten Beschlüssen.

Völkerrechtsverbrechen gegen LGBTI*-Menschen

Patrick Dörr aus dem Bundesvorstand des LSVD dazu: „Der Gesetzentwurf der Bundesregierung stellt eine konsequente Fortentwicklung des völkerstrafrechtlichen Schutzes von Menschen dar, die Menschenrechtsverletzungen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität erleiden. Künftig soll das deutsche Völkerstrafgesetzbuch ausdrücklich klarstellen, dass auch Verbrechen gegen Personen wegen ihrer sexuellen Orientierung als Völkerrechtsverbrechen strafrechtlich verfolgt werden können. In der Begründung wird zudem klargestellt, dass Verbrechen, die sich auf die geschlechtliche Identität beziehen, als geschlechtsbasierte Verbrechen verfolgbar sind. Die Bundesregierung setzt damit international ein Zeichen, dass Völkerrechtsverbrechen gegen LSBTIQ* nicht ungesühnt bleiben dürfen, und setzt eine Kernforderung des LSVD um.“

LGBTI*-Menschen werden weltweit verfolgt

Der LSVD betont auch mit Blick auf die weltweite Situation von Homosexuellen und queeren Menschen die Wichtigkeit der jetzt beschlossenen Gesetzesrichtlinien. LGBTI*-Menschen gehörten demnach weltweit nach wie vor zu den vulnerabelsten Gruppen, die besonders häufig von Verfolgung und unmenschlicher Behandlung betroffen sind. „In vielen Ländern werden die Menschenrechte von LSBTIQ* mit Füßen getreten, sie leben in ständiger Gefahr und Angst, denn ihnen drohen Gefängnis, Todesstrafe, Folter und Gewalt. Politische und religiöse Führer schüren oft ein Klima des Hasses und der Verfolgung. In 69 Staaten ist die gleichgeschlechtliche Liebe noch immer strafbar, in sieben Staaten droht die Todesstrafe. Vielerorts sind staatliche Behörden an der Unterdrückung von LSBTIQ* beteiligt, verweigern ihnen jeglichen Schutz vor Anfeindungen und Gewalt. Sie versuchen, LSBTIQ* in die gesellschaftliche Unsichtbarkeit zu zwingen und ihnen das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie auf freie Entfaltung der Persönlichkeit abzusprechen“, so der Verband weiter.

Unklare Rechtslage bisher

Bisher hat das deutsche Völkerstrafgesetzbuch offengelassen, ob explizit auch Verbrechen gegen LGBTI*-Menschen völkerstrafrechtlich verfolgt werden können. Der unklare Wortlaut erschwert dabei nach Angaben des LSVD bis heute eine effektive Verfolgung von Völkerrechtsverbrechen gegen LGBTI*.

Anders sieht die Lage international aus, hier hat der Internationale Strafgerichtshof bereits im Dezember 2022 ausdrücklich und ausführlich klargestellt, dass die Verfolgung von LGBTI* geschlechtsbasierte Gewalt darstellt. „Dem deutschen Gesetzgeber bietet sich nun die Chance, die Entwicklungen des internationalen Rechts im Völkerstrafgesetzbuch zu verstetigen und die bestehende Rechtsunsicherheit im deutschen Recht damit auszuräumen. Gerade Deutschland, das selbst über hundert Jahre LSBTIQ* systematisch verfolgt hat, steht in der Pflicht, hier deutlich Stellung zu beziehen“, so Dörr abschließend.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

WDRFast ausgestorben: Schwule Pinguine werden ElternDER STANDARDVerhetzungsprozess um "Dachau" und "Mauthausen" gegen lautstarken UneinsichtigenDie Presse„Vor Scham im Boden versinken“: Audi-Chef Döllner erntet harsche Kritik für Auftritt bei Trump-WahlkampfSüddeutsche ZeitungNews-Überblick: Das sind die Nachrichten des TagesAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Viel Stoff, bequemer Halt

Schwule Jungs, lockere Hosen

Zum Tag der Boxershorts wird es luftig: Warum schwule Männer auf lockeren und besonders elastischen Stoff stehen und weshalb das mehr Erotik bedeutet.
Wünsche der Glee-Fans

Viel Liebe und neue Songs

Das „Glee“-Reboot sorgt für Vorfreude: Fans wünschen sich Hits von Chappell Roan, Troye Sivan und Sabrina Carpenter – samt chaotischer Geschichten.
Grusel trifft Glamour

Halloween wird schwul

Von Madonna bis „Heated Rivalry“: Diese Halloween-Kostüme bringen schwulen Glamour, viel nackte Haut und reichlich Selbstironie auf die Party.
Eine Frage der Größe

Doku sorgt für Debatten

Die Dokumentation „Manhood“ zeigt Männer, die für einen größeren Penis viel Geld ausgeben und sorgt damit aktuell für viele Debatten.
Abschied von Walter Koenig

Trauer um Star-Trek-Legende

Der „Star Trek“-Schauspieler Walter Koenig ist mit 90 Jahren gestorben. Für die Community bleibt seine Freundschaft mit George Takei in Erinnerung.
LGBTIQ+-Kino erobert Rom

Community-Filme feiern Erfolge

Das Filmfestival in Rom feiert einen starken Jahrgang des LGBTIQ+-Kinos. Gleich mehrere LGBTIQ-Filme sorgen international für Aufmerksamkeit.
Pflastersteine als Protest

25.000 Dollar für den Pride

Aus einem entfernten Regenbogen-Zebrastreifen in Miami Beach wird ein Zeichen des Widerstands: Eine Dragqueen sammelte damit Geld für Pride-Feste.
Mika Brunold auf Erfolgskurs

Coming-Out beflügelt Tennisprofi

Der Schweizer Tennisprofi Mika Brunold feiert mit 22 Jahren seinen Durchbruch. Sein Coming-Out hat ihm geholfen, selbstbewusster zu spielen.
Tom DeSimone ist tot

Schwuler Filmpionier gestorben

Der US-Regisseur Tom DeSimone ist mit 87 Jahren gestorben. Er prägte den schwulen Pornofilm und machte später mit Horror- und Kultfilmen Karriere.