Direkt zum Inhalt
Warnung vor Grindr

Warnung vor Grindr Im Fokus steht die Frage um die Sicherheit sensibler Daten wie beispielsweise dem HIV-Status.

ms - 06.07.2023 - 15:30 Uhr
Loading audio player...

Die schwule Dating-App Grindr geriet in Vergangenheit immer wieder Kritik, zumeist wurde dabei der Einsatz in Ländern wie Ägypten beanstandet, weil sich über die App sehr genau die Standorte von schwulen Männern erschließen ließen – eine sehr willkommene Methode für die örtliche Polizei, Homosexuelle zu finden und anschließend zu inhaftierten. Das Unternehmen versicherte, nachzubessern und diverse Schutzmechanismen in den betroffenen Ländern einzuarbeiten. Nun kommt erneut Kritik – dieses Mal direkt aus Deutschland.

Unsichere Datenlage beim HIV-Status?

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs hat von einer Nutzung der schwulen Dating-App abgeraten. Da es sich um einen US-basierten Dienst handele, würden Daten der Nutzer in die USA übermittelt, also in ein Drittland. Dort sei das Datenschutzniveau geringer als in Europa. „Dies macht die Nutzung des Dienstes insgesamt problematisch“, so Fuchs gegenüber dem Nachrichtenportal ZDFheute.de.

Viele Grindr-Nutzer würden in der App freiwillig auch ihren HIV-Status angeben. Diese dürften laut Fuchs „nur mit Einwilligung der Betroffenen und unter Beachtung von entsprechenden Sicherheitsvorgaben verarbeitet werden.“ Doch werden diese Einwilligungen eingeholt?

Datenweitergabe – ja oder nein?

Der Konzern selbst weist die Bedenken zurück: „Grindr unternimmt große Anstrengungen, um die Daten unserer Nutzer zu schützen“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens dem Nachrichtenportal ZDFheute.de. Er bestätigte allerdings durchaus, dass Grindr tatsächlich Daten wie etwa den HIV-Status seiner Nutzer an externe Dienstleister weitergibt, etwa an Amazon Web Services (AWS), ein Tochterunternehmen des US-Konzerns Amazon.

AWS sei aber lediglich ein „nötiger Provider“, so Grindr-Sprecher Patrick Lenihan. „Amazon Web Services kann nicht auf die Daten zugreifen, die wir bei ihnen hinterlegen. Die Daten werden verschlüsselt.“ Eine Weitergabe der sensiblen Daten an Werbetreibende gibt es laut Lenihan ebenso nicht.

Kein großes Vertrauen in Grindr?

Grindr aktualisiert in diesen Tagen seine Datenschutzrichtlinien, die Weitergabe von Daten an Dritten ist Bestandteil der neuen Richtlinien. Die digitalpolitische Sprecherin der Linken, Anke Domscheit-Berg, erklärte, Grindr sei in der Vergangenheit „schon mehrfach für seinen fahrlässigen und intransparenten Umgang mit sensiblen Daten“ kritisiert worden.

„Mein Vertrauen wäre da nicht sehr groß“, so die Politikerin weiter. Usern rate sie daher generell davon ab, sensible Daten wie den HIV-Status in der App anzugeben, da diese dort potenziell unsicher seien. 2021 hatte Grindr wegen Datenschutzverletzungen rund sechs Millionen Euro Strafe in Norwegen zahlen müssen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ex-Rugbystar Gareth Thomas

Kampagne gegen Drogenkonsum

Der schwule britische Ex-Rugby-Nationalspieler Gareth Thomas will mit einer neuen Kampagne vor Chemsex und Drogen in der Community warnen.
Charlie Kirk Act in Tennessee

Neues Gesetz nach Mordfall

Im US-Bundesstaat Tennessee könnte bald der Charlie Kirk Act in Kraft treten; das Gesetz verbietet Protest gegen Anti-LGBTIQ+-Redner an Schulen.
Missbrauch durch Islamlehrer

Sexuelle Übergriffe an Jungen

Ein 35-jähriger Islamlehrer steht in Baden-Württemberg vor Gericht, er soll über Jahre acht Jungen sexuelle schwer missbraucht haben.
Warten auf Ghanas Hass-Gesetz

Religiöse Führer machen Druck

Religiöse Führer machen Druck auf Ghanas Präsident Mahama, sie warten auf das neue Anti-LGBTIQ+-Gesetz. Mahama indes hat andere Prioritäten.
Asylgesetz in den Niederlanden

Scharfe Kritik an Gesetzvorhaben

Menschenrechtsgruppen warnen vor dem geplanten verschärften Asylgesetz in den Niederlanden, das insbesondere queere Flüchtlinge benachteiligen würde.
Klage von Nonnen

Umgang mit queeren Senioren

Eine Gruppe von Nonnen klagt wegen Vorschriften im Umgang mit trans* und queeren Senioren gegen den USA-Bundesstaat New York.
Grausamer Mord in Chicago

Trans* Frau mit Hammer erschlagen

Ein brutaler Mord schockt die US-Community: Ein 24-jähriger Mann soll in Chicago seine trans* Freundin mit einem Hammer im Schlaf erschlagen haben.
Bußgeld wegen Heated Rivalry

Russland straft Newskanal ab

In Russland muss ein inländisches Nachrichtenportal jetzt rund 5.600 Euro Strafe zahlen, weil sie einen TV-Bericht über „Heated Rivalry“ zeigten.
Etappensieg in Australien

Klage von lesbischer Organisation

Eine lesbische Gruppe hat in Australien einen Teilerfolg vor Gericht erzielt, sie wollen exklusive Events ohne bisexuelle und trans* Frauen.