Viel Hass bei Olympia Besonders im Fokus sind queere Sportler
Bei den Olympischen Winterspielen 2026 sind Athletinnen und Athleten erneut massiven Anfeindungen in sozialen Netzwerken ausgesetzt. Nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) richten sich Hasskommentare nicht nur gegen sportliche Leistungen, sondern zunehmend auch gegen Frauen sowie gegen Minderheiten – darunter insbesondere auch LGBTIQ+-Sportlerinnen und -Sportler.
KI überprüft Hassbotschaften
Um Beleidigungen und Drohungen schneller zu erfassen, setzt der DOSB jetzt Künstliche Intelligenz ein. Das System erkennt nach Verbandsangaben Hassbotschaften in Echtzeit und wertet Inhalte in bis zu 30 Sprachen aus. Bereits mehr als 1.300 Zuschriften und Kommentare seien herausgefiltert worden. In mehreren Fällen hätten Staatsanwaltschaften Ermittlungen aufgenommen. DOSB-Präsident Thomas Weikert betonte, wer für Deutschland starte, verdiene „größtmöglichen Schutz“.
Die Spiele finden unter anderem im italienischen Cortina d’Ampezzo statt, das gemeinsam mit Mailand Austragungsort der Winterspiele 2026. Wie schon bei früheren Großereignissen entzünden sich viele Angriffe an vermeintlichen sportlichen Misserfolgen. Hinzu kommen abwertende Kommentare aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Identität. Aktuell nehmen fast 50 homosexuelle oder queere Athleten an den Winterspielen teil.
Hohes Maß an Hass und Drohungen
Zuletzt hatte die pansexuelle US-Eiskunstläuferin Amber Glenn von massiven digitalen Angriffen berichtet, die inzwischen ein „erschreckend hohes Maß an Hass und Drohungen“ beinhalten. „Ich habe so etwas erwartet, aber ich bin darüber enttäuscht. Ich werde meine Zeit auf Social Media jetzt aus Rücksicht auf mein eigenes Wohlbefinden einschränken. Aber ich werde niemals aufhören, meine Stimme für das zu erheben, woran ich glaube.“
In einem anderen Fall erlebte die polnische Skispringerin Pola Beltowska massive Attacken. Die 19-Jährige, erstmals bei Olympischen Spielen dabei, hatte im Mixed-Wettbewerb den schwächsten Sprung gezeigt, Polen schied aus. Schon vor dem Wettkampf habe sie Angst vor ihrem Sprung gehabt, schilderte sie. Nach ihrem Fehler werde sie nun „von oben bis unten“ fertiggemacht. Der polnische Skiverband erklärte, die Reaktionen überschritten deutlich die Grenzen legitimer Sportkritik.
Der DOSB sieht in den aktuellen Fällen eine erneute Bestätigung dafür, dass Hass im Netz bei sportlichen Großereignissen systematisch auftritt – und besonders häufig jene trifft, die ohnehin Ziel von Diskriminierung sind. Mit dem Einsatz technischer Mittel und der Weitergabe relevanter Inhalte an Strafverfolgungsbehörden wolle man ein klares Signal setzen, hieß es.