Wegen Hänseleien jetzt Hip-Hop Italien: Achtjähriger verlässt Ballettkurs nach Mobbing
Ein achtjähriger Junge verlässt in Italien seine Ballett- und Modern Dance-Kurse. Er wurde von Gleichaltrigen verspottet, weil er tanzt. Den Entschluss, künftig nur noch Hip-Hop zu besuchen, traf der Junge nach anhaltendem Mobbing in der Schule. Seine Lehrerin Barbara Castagliuolo machte den Fall auf Instagram öffentlich und verleiht dem wiederkehrenden Thema schulischer Ausgrenzung neue Dringlichkeit.
Lehrende warnen vor verfestigten Geschlechterklischees
Die Tanzpädagogin, die fast dreißig Jahre Unterrichtserfahrung hat, betont die Brisanz: Diskriminierung beginne selten bei den Kindern selbst, vielmehr spiegelten sie bestehende Vorurteile Erwachsener wider. Offene Gespräche über Ausgrenzung und präventive Maßnahmen in Schulen seien laut aktuellen Studien nach wie vor selten. Schulleitungen bestätigten gegenüber mehreren Medien, dass gezielte Präventionsprogramme in Sachen Mobbing und Vielfalt noch nicht flächendeckend umgesetzt werden.
Der betroffene Junge begründete seinen Rückzug laut Castagliuolo mit den Worten: „Meine Klassenkameradinnen und Klassenkameraden verspotten mich, weil ich Tänzer bin.“ Biografische Einblicke unterstreichen, wie nachhaltig sich Missachtung durch Peergroups auswirken kann. Fachleute warnen, dass sich derartige Erfahrungen negativ auf Selbstwert und psychische Gesundheit auswirken. Nach Angaben von Kinder- und Jugendpsychologinnen berichten rund 20 Prozent der befragten Schüler und Schülerinnen in Italien von wiederholtem Mobbing – Jungen, die als „untypisch“ wahrgenommen werden, seien überdurchschnittlich häufig betroffen.
Stereotype bestimmen weiterhin kindliche Lebenswelten
Auffällig bleibt: Während Mädchen im Fußball respektiert werden, werden Buben im Ballett nach wie vor marginalisiert. Castagliuolo stellte die Frage, warum künstlerische Berufe für Jungen weiterhin Anlass für Spott bieten, wo doch gerade Tanz eine persönliche Entwicklung stärkt und gesellschaftlich anerkannter ist als je zuvor. In sozialen Medien erreichte ihre Kritik hunderttausende Menschen.
Nicht nur auf Ischia häufen sich Berichte über Diskriminierung in Kunst- und Sportbereichen. Beispiele aus Perugia und anderen Städten zeigen, dass negative Zuschreibungen oft lange unentdeckt bleiben und Betroffene selten unterstützt werden. Organisationen für Kinderschutz mahnen, dass die Grenzen zwischen spaßhaftem Necken und strukturellem Mobbing schnell überschritten werden – mit dauerhaften Folgen für alle Beteiligten.
Mehr Respekt und Sichtbarkeit
Der Fall in Italien verdeutlicht, wie sensibel der Umgang mit Geschlechterrollen und künstlerischen Neigungen bleibt. Können Schulen und Vereine verstärkt Räume schaffen, in denen alle Kinder ihre Interessen ohne Angst vor Diskriminierung ausleben können? Inklusion und präventive Bildungsarbeit erscheinen als Leitplanken, um individuelle Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.