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Fataler Rückschritt in England Die Kirche von England beendet alle LGBTIQ+-Reformen

Von ms - 16.02.2026 - 10:00 Uhr
Fataler Rückschritt in England
Foto: IMAGO / Anadolu Agency
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Die Kirche von England hat ihre Arbeit an Reformen zur Gleichstellung von LGBTIQ+-Menschen gestoppt. Nach jahrelangen, teils erbitterten Debatten beschloss das Kirchenparlament, die Generalsynode, entsprechende Vorhaben auf Eis zu legen. Grundlage ist ein von den Bischöfen vorgelegtes Papier, dem zufolge zwischen konservativen und liberalen Lagern derzeit kein Konsens erreichbar ist.

Fataler Rückschritt in England 

Die Entscheidung fiel bei einer Sitzung der General Synod in London. Mit 252 zu 132 Stimmen bei 21 Enthaltungen sprachen sich die Mitglieder dafür aus, sämtliche Arbeiten am Prozess „Living in Love and Faith“ (LLF) zu beenden. In dem Beschluss wird das „Leid und der Schmerz, den viele während des LLF-Prozesses erfahren haben, insbesondere LGBTIQ+-Menschen“, ausdrücklich benannt.

Damit endet auch die seit drei Jahren geführte Diskussion darüber, ob Geistliche gleichgeschlechtliche Paare, die zivil verheiratet sind, in besonderen Gottesdiensten segnen dürfen. Unverändert bleibt zudem das Verbot für Geistliche, selbst in einer zivilen Ehe mit gleichgeschlechtlichen Partnern verheiratet zu sein. Die neue Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally, erklärte, der LLF-Prozess habe „uns als Einzelne und als Kirche verwundet“. Die nun beschlossenen Schritte seien jedoch ein „vernünftiger Weg nach vorn… der uns zu den nächsten Schritten führen wird“.

Ein Gefühl des Verrats 

In einer mehrstündigen Aussprache machten zahlreiche Synodenmitglieder ihrem Unmut Luft. Sie berichteten von Enttäuschung, Wut und einem Gefühl des Verrats über das Ausbleiben von Fortschritten. Der Londoner Priester Charlie Bączyk-Bell, der sich für LGBTIQ-Gleichstellung einsetzt, sagte, sein Herz sei gebrochen. An die Kirchenleitung gerichtet fragte er: „Wie könnt ihr es wagen – und wie können wir es wagen –, immer wieder Klage zu führen und Leid anzuerkennen, während wir es weiter verursachen? Was für eine Kirche ist das? Wie konnte es so weit kommen?“

Auch Claire Robson, Priesterin aus Newcastle, äußerte sich resigniert. Aufgrund ihres Alters sei es nun unwahrscheinlich, dass sie ihren gleichgeschlechtlichen Partner noch heiraten könne. „Die Veränderungen, nach denen wir uns sehnen, werden für viele von uns zu spät kommen“, sagte sie. Zwar habe der LLF-Prozess 1,6 Millionen Pfund gekostet, „doch die Kosten für mein Leben und meinen Dienst sind unermesslich. Hoffnungen wurden zerstört und Entschuldigungen bedeutungslos“.

Der Erzbischof von York, Stephen Cottrell, räumte bei der Vorstellung des Antrags ein: „Das ist nicht der Punkt, an dem ich uns sehen möchte, und auch nicht der Punkt, an dem wir vor drei Jahren zu sein hofften.“ Zugleich betonte er, wie tief die Kirche in dieser Frage gespalten sei. Man habe keine weiteren Wege gefunden, „die die Gewissen all jener respektieren“, die aus unterschiedlichen theologischen Überzeugungen zu gegensätzlichen Schlussfolgerungen kämen. Die Synode sei „tiefer gespalten, als wir vielleicht wussten – oder zuzugeben bereit waren“. Auch weitere christliche Aktivisten der queeren Community zeigten sich online entsetzt über den Beschluss – anfangs war mit der Ernennung von Mullally im Januar dieses Jahres die Hoffnungen noch groß gewesen, dass endlich mehr Bewegung in den Prozess kommt. 

Kirche verhalte sich wahnsinnig 

Nach dem Beschluss soll jetzt eine neue Arbeitsgruppe zu „Beziehungen, Sexualität und Geschlecht“ eingerichtet werden. Kritikerinnen und Kritiker sehen darin jedoch wenig Fortschritt. Das Laienmitglied Vicky Brett sprach von der „Definition von Wahnsinn“: immer wieder dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten.

Die Frage der Sexualität und der gleichgeschlechtlichen Ehe hat die anglikanische Kirche in den vergangenen Jahren wiederholt an den Rand einer Spaltung geführt. Anfang 2023 hatte die Synode entschieden, kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare nicht zuzulassen, jedoch Segnungen im Rahmen regulärer Gottesdienste zu erlauben. Diese Entscheidung führte unter anderem dazu, dass Kirchenvertreter in Ländern wie Südsudan, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo erklärten, den damaligen Erzbischof von Canterbury nicht länger als Oberhaupt der weltweiten Kirche anzuerkennen.

Im Juli 2024 kündigte zudem der evangelikale Rat der Church of England an, eine parallele Kirchenstruktur aufbauen zu wollen. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare widerspreche „der Lehre der Bibel“, hieß es. Gleichzeitig berichten Gleichstellungsinitiativen, dass zunehmend LGBTIQ+-Christinnen und -Christen der Kirche den Rücken kehren, weil sie sich dort nicht willkommen fühlen.

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