Direkt zum Inhalt
Stärkung im Fall Tilly

Stärkung im Fall Tilly Klares Statement gegen Prozess in Russland

ms - 16.02.2026 - 11:30 Uhr
Loading audio player...

Der scheidende Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, hat sich jetzt hinter den Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly gestellt. Angesichts juristischer Vorwürfe aus Russland sagte Kuckelkorn, Kritik müsse zugelassen und auch ausgehalten werden. Karneval bedeute grundsätzlich, Haltung zu zeigen. Tilly wird in Moskau vor Gericht vorgeworfen, Russland mit seinen humorvoll-kritischen Karnevalswagen verunglimpft zu haben, auch mit einigen schwulen Motiven – ihm droht eine Geldstrafe sowie eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. 

Kuckelkorn indes bekräftigte, zur Haltung im Karneval gehöre auch ein klares Bekenntnis zur Demokratie und zu den damit verbundenen Werten. Aufgabe des Karnevals sei es zudem, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und einer weiteren Polarisierung entgegenzuwirken. Mit den heutigen Rosenmontagszügen erreicht der Straßenkarneval im Rheinland sowie in Mainz seinen Höhepunkt. 

Satire gegen Russland

Tilly selbst reagierte mit Satire auf juristische Vorwürfe aus Russland. Trotz eines laufenden Verfahrens in Moskau brachte er zum Rosenmontag neue Motivwagen auf die Straße, die den russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigen. Eines der neuen Motive zeigt einen grimmigen Putin, der einen kleinen Narren mit dem Schwert aufspießt. Der Winzling wehrt sich mit einer Papp-Klatsche. Tilly kommentierte: „Dieser Wagen ist unser närrischer Kommentar zu der ganzen Sache.“ Die Darstellung greife seine eigene Situation auf, sagte der 62-Jährige gegenüber NTV.

Traditionell werden die Mottowagen bis zum Rosenmontag geheim gehalten. Zum Motiv sagte Tilly: „Es ist ein Duell mit sehr ungleichen Waffen. Auf der einen Seite die Waffen des russischen Staates, die recht scharf sind. Und dann eben unsere Waffe, das ist einfach nur die Satire, die ist nur aus Pappe, die kann nicht töten. Es ist ein sehr ungleiches Duell, was wir hier auf die Straße gebracht haben.“

Insgesamt rollen drei Wagen aus Tillys Werkstatt durch Düsseldorf, die Putin thematisieren. Neben dem Motiv mit dem Narren zeigt ein weiterer Wagen den Kremlchef, wie er eine Drohne steuert, die der AfD-Politikerin Alice Weidel ähnelt. Ein drittes Motiv stellt Putin als imperialistischen Akteur dar, der gemeinsam mit dem früheren US-Präsidenten Donald Trump Europa verspeist.

Tilly spricht von Propagandaprozess

Über konkrete Vorwürfe und den Stand des Verfahrens sei er bislang nicht informiert worden, sagte Tilly. Auch seine ihm zugewiesene Pflichtverteidigerin habe sich nicht gemeldet. „Das ist ein Propagandaprozess eines totalitären Regimes. Mir ist unbegreiflich, wie man Rechtsstaatlichkeit noch nicht mal simuliert. Aber es ist ein für Schauprozesse berüchtigtes Gericht. Und das ist wohl so ein Prozess.“

Mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens äußerte er sich pessimistisch: „Höchstwahrscheinlich steht das Urteil gegen mich auch schon fest. Ich nehme an, es werden viele, viele Jahre Straflager sein.“ Zugleich sprach er von einem grundsätzlichen Angriff: „Es ist ein Angriff auf unsere Freiheiten. Auf die Meinungsfreiheit, auf die Pressefreiheit, auf die Satirefreiheit, auf die Narrenfreiheit. Und so wird das hier in Deutschland auch verstanden.“ Tilly berichtete von breiter Unterstützung. Politikerinnen und Politiker hätten sich parteiübergreifend hinter ihn gestellt.

Nach Angaben eines Moskauer Gerichts wird Tilly die Verunglimpfung russischer Staatsorgane vorgeworfen, darunter auch der Armee und des Präsidenten. Zudem geht es um die angebliche Verletzung religiöser Gefühle. Der Prozess findet in Abwesenheit Tillys statt und soll am 26. Februar fortgesetzt werden.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Minderheitenstress Community

Neue Studiendaten gehen ins Detail

Diskriminierung sorgt bei LGBTIQ+-Menschen für Minderheitenstress. Je mehr Akzeptanz, je besser wird es? Ganz so einfach scheint es doch nicht zu sein
Krise bei Influencern

Erschöpfung in der digitalen Welt

Ein Leben als queerer Social-Media-Influencer ist toll? Nicht unbedingt! Eine neue Studie zeigt nun auf, rund die Hälfte von ihnen kennt ein Burnout.
Fortschritte im Bereich HIV

Der lange Weg zur Heilung

HIV-Forscher aus den USA haben nun bekräftigt, dass eine HIV-Heilung bis 2040 denkbar ist. Dazu müssten mehrere Ansätze kombiniert werden.
Kritik an der Gen-Z

Weniger Jammern, mehr Handeln

Die Jugend in Deutschland jammert zu viel und handelt zu wenig, betont ein Sozialforscher. Davon betroffen sind auch queere Jugendliche.
Homosexuelle Flüchtlinge

Neue humane Wege in Kenia

Kenias Regierung will Flüchtlingslager in neue Dörfer überführen. Homosexuelle haben neue Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebensrealität.
Keine Jobs für Homosexuelle?

Sehr schwierige Lage in Afrika

Homosexuelle haben in Afrika nicht „nur“ mit Diskriminierung zu kämpfen, auch die Jobsuche wird zum Hürdenlauf, betont jetzt eine Hilfsorganisation.
Indonesien im Zwiespalt

Zwischen Hass und Herzlichkeit

Indonesien kämpft seit zehn Jahren zwischen den Extremen: LGBTIQ+-Menschen bekämpfen oder integrieren. Ein neue Studie untersuchte das Phänomen.
Kommunikation ohne Big Brother

Neue kreative Wege in Russland

Russland schränkt digitale Wege immer mehr ein, die queere Community und viele Bürger experimentieren derzeit mit neuen Kommunikationsideen.