Direkt zum Inhalt

US-Prozess um tödliche Attacke Schwuler Tänzer wurde brutal in Brooklyn niedergestochen

Von ms - 29.05.2026 - 10:30 Uhr
US-Prozess um tödliche Messerattacke
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire / Bearbeitung FASH Medien
ANZEIGE
Loading audio player...

Im Prozess um die tödliche Messerattacke auf den schwulen Tänzer O’Shae Sibley (✝28) in New York hat der Angeklagte Dmitriy Popov vor Gericht erklärt, aus Notwehr gehandelt zu haben. Zugleich bestritt der Angeklagte, vor der Tat rassistische oder homophobe Beleidigungen ausgesprochen zu haben. Die Staatsanwaltschaft wertet den Fall als Hassverbrechen und wirft ihm Mord zweiten Grades vor.

Das Wichtigste im Überblick

  • Angeklagter im Fall O’Shae Sibley sagt vor Gericht aus
  • Dmitriy Popov bestreitet homophobe und rassistische Beleidigungen
  • Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord als Hassverbrechen vor
  • Überwachungsvideos dokumentieren die Auseinandersetzung
  • Angeklagter spricht von Notwehr

Messerangriff nach Tanzeinlage 

Die Tat ereignete sich 2023 an einer Tankstelle im Stadtteil Brooklyn und wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet. O’Shae Sibley hatte dort gemeinsam mit Freunden nach einem Strandbesuch angehalten. Kurz zuvor war auf den Aufnahmen zu sehen gewesen, wie der Tänzer zu Songs aus Beyoncés Album „Renaissance“ tanzte. Voguing ist ein Tanzstil aus der queeren Ballroom-Kultur, der in den 1980er-Jahren vor allem in der schwarzen und lateinamerikanischen LGBTIQ+-Community in New York entstand. Charakteristisch sind expressive Posen, schnelle Armbewegungen und choreografische Elemente, die an Modefotografie und Laufsteg-Auftritte erinnern. 

Nach Angaben der Ermittler kam es dabei zu einer Auseinandersetzung mit Popov und dessen Begleitern. Die Polizei erklärte damals, aus der Gruppe des Angeklagten seien homophobe Beleidigungen gefallen. Obwohl Sibley zunächst versucht habe, die Situation zu beruhigen, eskalierte der Streit. Laut Ermittlern zog Popov schließlich ein Messer und stach dem Tänzer ins Herz. Zum Zeitpunkt der Tat war Popov 17 Jahre alt. Inzwischen steht er als Erwachsener vor Gericht. Während des laufenden Prozesses räumte er schlussendlich ein, Sibley erstochen zu haben, widersprach jedoch zentralen Punkten der Ermittlungen. Zu Beginn hatte er noch auf nicht schuldig plädiert. Über mehrere Stunden sagte der Angeklagte im Supreme Court des Bundesstaates New York zu seiner eigenen Verteidigung aus.

Mord aus Notwehr?

Vor Gericht erklärte Popov, ein Freund habe zwar homophobe Beleidigungen geäußert, er selbst habe diese jedoch nicht unterstützt. Stattdessen habe ihn das Tanzen der Gruppe unterhalten. Er habe sein Handy gezückt, um Otis Pena, einen Freund Sibleys, beim Tanzen zu filmen. „Am Anfang fand ich es lustig, dass ein Typ mit entblößtem Hintern getanzt hat“, sagte Popov. Später habe er das Mobiltelefon weggeworfen, weshalb die Aufnahmen nicht mehr vorhanden seien.

Nach Darstellung des Angeklagten hätten Sibley und dessen Freunde später die Gruppe umringt. Er habe sich bedroht gefühlt. Sibley habe ihn am Kopf geschlagen, bevor er zugestochen habe. „Ich hatte Angst, verletzt zu werden“, sagte Popov laut der New York Times während seiner Aussage vor Gericht.

Zeugen widersprechen dem Angeklagten 

Während der Verhandlung konfrontierte Staatsanwältin Sarah Jafari den Angeklagten mit den Aussagen anderer Beteiligter. „Sie sagen also aus, dass alle hier vor Gericht gelogen haben und nur Sie die Wahrheit sagen?“, fragte sie. „Ja. Ich habe keine rassistischen oder homophoben Beleidigungen ausgesprochen“, antwortete Popov. Die Darstellung des Angeklagten steht jedoch im Widerspruch zu den Videoaufnahmen der Überwachungskameras. Darauf ist laut Berichten zu sehen, wie Popov vor der Tankstelle blieb, während seine Freunde zurück ins Gebäude gingen, und weiter in Richtung der Gruppe um Sibley rief.

„Ich habe ihnen gesagt: Verschwindet von hier“, sagte Popov laut CBS News. „Ich habe keine Beleidigungen gerufen.“ Auf den Videos ist außerdem zu sehen, wie Popov auf Sibley zuläuft. Auch dies habe seinem eigenen Schutz gedient, erklärte der Angeklagte. „Ich wollte nicht von hinten angegriffen werden“, sagte Popov. „Es war nicht meine Absicht, jemanden zu verletzen.“ Ob die Jury dem jungen Angeklagten seine Version der Geschichte glaubt, bleibt fraglich. Die New Yorker Community trauert indes bis heute um den jungen Tänzer. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungUnderdox-Festival in München: Die letzten Filme vor dem TodMOPOErst bepöbelt, dann verprügelt: Schwules Paar nach Einheitsfest angegriffentazSchwuler Lehrer über Outing: „Als ob eine Bombe platzt“tazJubel, Trubel, Hassverbrechen: Weitgehend friedliche Einheitsfeier in BremenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Mehr Schutz für Gewaltopfer

Neues Gesetz erleichtert Trennung

Opfer häuslicher Gewalt sollen sich leichter aus gemeinsamen Mietverträgen lösen können – davon profitieren auch schwule Männer.
Zwischenwahlen in den USA

Queere Gen Z setzt auf Werte

Für die LGBTIQ+-Generation Z in den USA zählen bei Kandidaten vor allem gemeinsame Werte – deutlich mehr als eine gemeinsame Identität.
Coming-Out im Fußball

Schiedsrichter erzählt Details

Schiedsrichter Ryan Atkin spricht öffentlich über sein Schwulsein – und erhält dafür die Unterstützung des englischen Fußballverbands.
James Baldwin im Kino

Neuer Film über schwulen Autor

Barack und Michelle Obamas Produktionsfirma bringt „Baldwin: A Love Story“ über James Baldwins Leben, Lieben und Werk ins Kino.
Schwule Liebe gewinnt Gold

Fernfahrer-Drama holt Filmpreis

Das schwule Liebesdrama „Flesh & Fuel“ gewinnt beim Zurich Film Festival das Goldene Auge und erhält rund 26.700 Euro Preisgeld.
Blackfacing sorgt für Empörung

LGBTIQ+-Bar zieht Konsequenzen

Ein Blackface-Auftritt in einer LGBTIQ+-Bar in Pittsburgh sorgt landesweit für Empörung und entfacht eine Debatte über Rassismus in der Drag-Szene.
Eklat in Oregon

Streit um LGBTIQ+-Vorgabe

Oregon gewährt einer christlichen Adoptionsbewerberin eine Ausnahme von einer Vorgabe zur Unterstützung der LGBTIQ+-Identität von Kindern.
Fauci für HIV-Arbeit geehrt

Auszeichnung für Anthony Fauci

Anthony Fauci wird für seinen jahrzehntelangen Einsatz gegen HIV/Aids und seine Zusammenarbeit mit der LGBTIQ+-Community ausgezeichnet.
Meta sperrt Mister Gay Europe

Pereira kämpft um seine Konten

Meta sperrte sämtliche Konten von Mister Gay Europe Michael Pereira. Trotz Bezahlabo erfährt der Schweizer nicht, warum.