Direkt zum Inhalt

Anklage in New York Der mutmaßliche Mörder des schwulen Tänzers Sibley plädiert auf „nicht schuldig“

Von ms - 14.08.2023 - 11:00 Uhr
Anklage in New York
Foto: IMAGO / ZUMA Wire
ANZEIGE
Loading audio player...

Noch immer ist die amerikanische Gay-Community fassungslos – der grausame Mord an dem jungen schwulen Tänzer O'Shae Sibley an einer Tankstelle in Brooklyn, New York, lässt viele fassungslos zurück. Beim Gedenkgottesdienst kamen vor wenigen Tagen über 200 Freunde und Verwandte zusammen. Jetzt plädierte der mutmaßliche Haupttäter vor Gericht auf „nicht schuldig“.

Sibley habe „niemandem etwas zuleide getan“

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Mörder um den 17-jährigen Dmitry Popov – zusammen mit ein paar Freunden soll dieser auf Sibley (28) und seine Clique nachts Ende Juli an einer Tankstelle losgegangen sein, die beiden Gruppen gerieten in Streit. Dabei sollen die Angreifer Sibley und seine Freunde immer wieder homophob und rassistisch beschimpft haben, weil der schwule schwarze Tänzer zu einem Song von Beyoncé mit nacktem Oberkörper tanzte, während sie ihr Fahrzeug auftankten.

Die jugendliche Männergruppe um Popov soll laut Zeugenaussagen mehrfach erklärt haben, dass sie Muslime seien und Sibley nicht so schwul hier tanzen dürfe, das würde ihren Glauben beleidigen. Der Bezirksstaatsanwalt von Brooklyn, Eric Gonzalez, erklärte dazu: „Unter den gegebenen Umständen ist es für mich klar, dass dieser Angriff zu einem wesentlichen Teil darauf zurückzuführen ist, dass die Leute sich durch das Tanzen und Feiern von Herrn Sibley und seinen Freunden beleidigt fühlten.“ Sibley habe einfach nur freudig getanzt und „niemandem etwas zuleide getan“, so Gonzalez weiter, der die Tat auch als ein „tragisches und sinnloses Verbrechen“ bezeichnete.

 Täter plädiert auf „Selbstverteidigung“

Popov, der als Erwachsener wegen Mordes zweiten Grades und kriminellen Waffenbesitzes angeklagt ist, ließ durch seinen Anwalt Mark Pollard indes erklären, er habe während des Vorfalls keine schwulenfeindlichen und rassistischen Äußerungen verwendet – die Zeugen wie beispielsweise der Tankwart der Tankstelle sehen das anders. Bezirksstaatsanwalt Gonzalez bekräftigte ebenso, dass Popov „antischwarze, homophobe Beleidigungen“ verwendetet habe. Popovs Anwalt Pollard sagte derweil weiter, sein Mandat bestreite, Schwarze oder LGBTI*-Menschen zu hassen. Gegenüber der New York Times erklärte Popovs Verteidiger außerdem, sein Mandat wolle im Prozess wahrscheinlich auf „Selbstverteidigung“ plädieren.  

Messerstich ins Herz

Klar scheint allerdings zu sein, dass die ersten Angriffe von Seiten der Gruppe um Popov begangen wurden, wie die Überwachungskamera der Tankstelle das Geschehen festhielt – sie gingen offenbar zuerst auf Sibley und seine Freunde los. Nach einem Streit der beiden Gruppen hielt die Kamera fest, wie Sibley schlussendlich auf den Bürgersteig zurücktaumelt und tödlich verletzt zusammenbricht – der Messerstich hatte den schwulen Tänzer im Herz getroffen, er verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus. Bei einer Verurteilung droht Popov eine Haftstrafe von bis zu 25 Jahren, lässt sich der Vorwurf eines Hassverbrechens belegen, wird die Mindeststrafe dabei von 15 auf 20 Jahre erhöht.

Gay-Community ist besonders verletzlich

Bezirksstaatsanwalt Gonzalez stellte gegenüber der Presse weiter fest: „Diese gesamte Community, und ich spreche in erster Linie von der schwulen und queeren Community in unserem Land, fühlt sich in diesem Moment besonders verletzlich. Die Anti-LGBTI*-Gesetzgebung nehme ich außerdem als zunehmende Hass-Rhetorik gegenüber dieser Community wahr.“ Der zuständige Richter Craig S. Walker ordnete an, dass Popov weiterhin ohne Kaution in einer Jugendstrafanstalt verbleiben muss, während er auf seinen Prozess wartet. Der Teenager wird Mitte Oktober erneut vor Gericht erscheinen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

MOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenBILD„Wird man nicht los“ - Ex-DFB-Stürmer äußert sich zu Homophobie-EklatDie PresseKanadierin Anne Carson erhält Literaturnobelpreis: Ein oft kryptisches Werk, betörend schönBR24Niedrigwasser: Bodensee-Wasserstand nicht mehr ablesbarAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.
Queere Jugendliche in Wien

Mehr Angst vor Anfeindungen

Anfeindungen und Gewalt belasten queere Jugendliche in Wien zunehmend. Experten warnen vor psychischen Folgen und fordern bessere Hilfsangebote.
Russlands Strafen explodieren

Rekordbußen gegen LGBTIQ+

Russland verschärft die Verfolgung von LGBTIQ+-Menschen: 2025 stiegen die Geldstrafen um 83 Prozent, die Verfahren um ein Drittel.
Verbot spaltet Tasmanien

Streit um Homo-Heilung

Tasmanien will über ein Verbot von Konversionsmaßnahmen abstimmen. Während die Befürworter auf Schutz drängen, warnen Gegner vor Einschränkungen.
Behrens rechtfertigt Eklat

Kicker betont "dumme Aussage“

Zwei Jahre nach seinem homophoben Spruch spricht Fußballer Kevin Behrens über die Folgen des Eklats, Anfeindungen und Probleme bei der Vereinssuche.
Niederlande zeigen Lila

Statement gegen Ausgrenzung

Am „Lila Freitag“ zeigen die Niederlande heute Solidarität mit LGBTIQ+-Jugendlichen vor dem Hintergrund sinkender Akzeptanz gegenüber Homosexuellen.
BBC entschuldigt sich

Vorwürfe gegen schwules Paar

Nach falschen Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens entschuldigt sich die BBC bei den PinkNews-Verantwortlichen und zahlt eine hohe Entschädigung.
Mahnwache in Berlin

Schutz der Regenbogenbank

Nach wiederholten Angriffen auf den CSD-Gedenkort im Berliner Tiergarten wollen Grüne mit einer dreitägigen Mahnwache ein Zeichen setzen.