Direkt zum Inhalt

Trans-Gefangene in Schottland Sollen verurteilte Trans-Frauen ins Frauen- oder Männergefängnis?

Von ms - 30.01.2023 - 10:00 Uhr
Trans-Gefangene in Schottland
Foto: iStock / AZemdega
ANZEIGE
Loading audio player...

Spätestens seitdem England in diesem Monat sein Veto beim neuen geplanten Selbstbestimmungsgesetz in Schottland eingelegt und damit das Gesetzesvorhaben zunächst einmal gestoppt hat, ist die Diskussion rund um die Rechte von Trans-Menschen in ganz Großbritannien in vollem Gange. Nach zwei besonders prekären Fällen hat die schottische Strafvollzugsbehörde jetzt angekündigt, alle geplanten Verlegungen von inhaftierten und verurteilten Trans-Personen überprüfen zu wollen.

Welche Rechte haben Sexualstraftäter?

Diverse schottische Frauen-Organisationen wie aber auch LGB-Verbände und auch prominente Stimmen wie Harry-Potter-Autorin JK Rowling warnen bereits seit Monaten davor, dass sich männliche Strafgefangene mit Hilfe des geplanten neuen Selbstbestimmungsgesetz künftig sehr viel einfacher als Frauen definieren lassen können und dann in reine Frauengefängnisse verlegt werden müssten – das sei gerade bei Sexualstraftätern besonders heikel.

Kritiker des neuen Gesetzesvorhabens hatten deswegen im Vorfeld der finalen Abstimmung Ende 2022 bereits gefordert, wenigstens verurteilte Sexualstraftäter nicht das Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung zu gewähren – die schottische Regierung unter der ersten Ministerin Nicola Sturgeon hatte diese Idee nicht mitgetragen.

Überprüfung aller Trans-Gefangenen eingeleitet

Nun wurden zwei Fälle bekannt, die gerade landesweit sowie auch in England für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Dabei geht es um zwei Trans-Frauen, die noch als Männer mehrere Frauen vergewaltigt beziehungsweise ein 13-jähriges Mädchen gestalkt und belästigt haben und deswegen auch rechtskräftig verurteilt worden sind. Beide Personen absolvierten nach ihrer Inhaftierung eine Geschlechtsumwandlung und heißen nun Tiffany Scott und Isla Bryson. Nach massivem Widerstand aus der Gesellschaft hat die schottische Regierung jetzt daraufhin die Verlegung aller Trans-Gefangenen vorerst gestoppt.

Ein Sprecher der schottischen Strafvollzugsbehörde erklärte dazu: "Wir haben eine dringende Überprüfung aller Transgender-Fälle eingeleitet, die derzeit in unseren Einrichtungen behandelt werden. Unser wichtigstes Anliegen ist und bleibt die Gesundheit, die Sicherheit und das Wohlergehen aller von uns betreuten Menschen und unserer Mitarbeiter. Wir haben sehr robuste Risikobewertungsprozesse und eine Erfolgsbilanz, was die Sicherheit der Menschen unter oft schwierigen Umständen angeht. Wir haben daher die Verbringung aller Transgender-Personen bis zum Abschluss der Überprüfung ausgesetzt.“ Inzwischen bestätigte auch Premierministerin Sturgeon, dass derzeit keine Verlegung mehr stattfinden werde.

Kein falscher Eindruck über Trans-Frauen

Seitens der schottischen Strafbehörde wurde weiter erklärt, dass bei der jetzt anstehenden Überprüfung jegliche Vorgeschichten von Gewalt und Sexualdelikten gegen Frauen und das damit verbundene Risiko berücksichtigt werden müsse, nur so könne der am besten geeignete Ort für die Unterbringung eines Gefängnisinsassen bestimmt werden: "Bis die Überprüfung abgeschlossen ist, werden Trans-Personen mit einer Vorgeschichte von Gewalt gegen Frauen nur in der Männerabteilung untergebracht, wenn sie zum ersten Mal in unsere Obhut kommen“, so ein Behördensprecher weiter.

Der schottische Justizminister Keith Brown erklärte indes: "Ich verstehe, dass die Frage der Verurteilung von Trans-Frauen wegen Gewalt- und Sexualdelikten ein sehr emotionales Thema ist und dass die Besorgnis der Öffentlichkeit verständlich ist. Wie die Premierministerin betonte, dürfen wir nicht zulassen, dass der Eindruck entsteht, dass transsexuelle Frauen eine inhärente Gefahr für Frauen darstellen. Gewaltbereite Männer sind die Gefahr für Frauen.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

MOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenBILD„Wird man nicht los“ - Ex-DFB-Stürmer äußert sich zu Homophobie-EklatDie PresseKanadierin Anne Carson erhält Literaturnobelpreis: Ein oft kryptisches Werk, betörend schönBR24Niedrigwasser: Bodensee-Wasserstand nicht mehr ablesbarAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Alfie Watts ist bisexuell

Outing von britischen TV-Liebling

Der britische TV-Star Alfie Watts hat sich erstmals öffentlich als bisexuell geoutet. Der 23-Jährige sprach zudem auch über seine Ängste.
David Furnish will HIV stoppen

Ende der Übertragungen bis 2030?

David Furnish sieht die medizinischen Voraussetzungen für ein Ende neuer HIV-Übertragungen erfüllt. Doch Diskriminierung bleibt ein Hindernis.
Aus Trauer wurde Hoffnung

Pulse-Überlebender erinnert sich

Zehn Jahre nach dem Anschlag auf den Pulse-Nachtclub erinnert Brandon Wolf an seinen ermordeten Freund Drew und hilft LGBTIQ+-Jugendlichen.
Coming-Outs am Dom

Besondere Aktion in Köln

Zum internationalen Coming-Out-Tag erzählen 100 LGBTIQ+-Menschen vor dem Kölner Dom ihre persönlichen Geschichten – und laden zum Zuhören ein.
Karlsruhe stoppt Freikirche

Keine Anerkennung für ICF

Nach massiven Protesten gegen queerfeindliche Positionen verweigert Karlsruhe der Freikirche ICF die Anerkennung als Jugendhilfeträger.
Mysteriöser Tod auf Sizilien

Leichenfund bei queerem Treffen

Der Tod einer 35-jährigen nicht-binären Person bei einem queeren Anarchisten-Treffen auf Sizilien gibt Rätsel auf. Ermittler prüfen mehrere Ursachen.
Empörung über Ugandas Minister

Homophobe Aussagen in der Kritik

Ugandas Gesundheitsminister bezeichnet Homosexualität als „nicht afrikanisch“. Menschenrechtsaktivisten kritisieren seine Aussagen scharf.
Über 500 Homo-Ehen in Polen

Immer mehr Paare nutzen EU-Urteil

In Polen sind inzwischen 516 im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen registriert – trotz anhaltender politischer Widerstände.
Michael Kearns ist tot

Aids-Aktivist stirbt mit 76 Jahren

Der schwule Schauspieler Michael Kearns ist mit 76 Jahren gestorben. Er kämpfte gegen HIV-Stigmatisierung und für homosexuelle Sichtbarkeit.