Direkt zum Inhalt

Streit um Twitter In den USA und Deutschland wird über die Zukunft des Nachrichtendienstes gestritten – mittendrin auch die LGBTI*-Community!

Von ms - 10.02.2023 - 11:00 Uhr
Streit um Twitter
Foto: IMAGO / NurPhoto
ANZEIGE
Loading audio player...

Sowohl in Deutschland wie auch den USA artet der Streit rund um Twitter immer weiter aus – die Kernfrage, die dabei im Raum steht, ist, ob seit der Übernahme des Kurznachrichtendienstes durch Elon Musk die Redefreiheit zu mehr Demokratie in Debatten führt oder dadurch doch nur vermehrt Fake-News-Produzenten Vorschub geleistet wird. Eine Diskussion, die gerade auch in der LGBTI*-Community online immer stärker ins Zentrum rückt.

Redefreiheit versus Hass-Kommentare

Vor der Übernahme des Milliardärs wurden viele kritische Accounts oder Tweets rund um die LGBTI*-Community und umstrittenen Themen wie das Selbstbestimmungsgesetz sehr schnell blockiert oder gelöscht – aus Sicht der Kritiker oftmals viel zu schnell und unbedacht, ohne dass die Nachrichten selbst gegen geltende Rechte verstoßen hätten. Viele der gesperrten Tweets wurden nach manchmal langwierigen juristischen Streitigkeiten wieder freigeschaltet.

Befürworter dieser früheren Vorgehensweise von Twitter führen an, dass dadurch viele Hass-Kommentare frühzeitig eingeschränkt worden wären. Seit der Übernahme von Musk wird auch kritischen Stimmen zu Gesetzesvorhaben wie dem Selbstbestimmungsgesetz sowohl in Deutschland wie aber auch in anderen Ländern mehr Redefreiheit zugestanden – aus Sicht von Elon Musk, um die Demokratie und die Debattenkultur zu fördern. Queeren Aktivisten hingegen gefällt dies nicht, sie befürchten mehr Hetze beispielsweise gegen Trans-Personen.

Bigott oder nur queer-kritisch?

In den USA befassen sich in diesen Tagen die Mitglieder des sogenannten Oversight Committees mit Twitter – bereits in der ersten Anhörung kam es diese Woche zwischen Demokraten und Republikanern zu massiven Streitigkeiten, während sie einen ranghohen ehemaligen Führungsmitarbeiter von Twitter befragten. Grundsätzlich geht es auch in dem Komitee um die Frage, nach welchen inhaltlichen Richtlinien Social-Media-Unternehmen Nachrichten sperren oder löschen.

In einem heftigen Schlagabtausch versuchten so, mehrere Demokraten im Ausschuss die online ausgelebte “Anti-LGBTI*-Bigotterie“ der Republikaner darzulegen und die Partei insgesamt als realitätsfremd darzustellen. Republikanische Abgeordnete legten hingegen dar, wie links-kritische oder auch queer-kritische Berichte bei Twitter früher oftmals unterdrückt und allesamt vorschnell als politisch rechte Positionen gebrandmarkt worden seien. Zu einem Kompromiss in dieser Frage gelangte der Ausschuss bisher nicht.

ZDF plant Twitter-Alternative

In Deutschland schaltet sich in die Debatte derweil jetzt das ZDF ein – vor der Übernahme von Musk war der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt die weniger oder mehr ausgelebte Debattenfreiheit auf Twitter offensichtlich egal, jetzt plant die TV-Anstalt zusammen mit drei weiteren staatlichen Medienanbietern aus der Schweiz, Belgien und Kanada, eine Twitter-Alternative auf den Markt zu bringen. Aktuell läuft das Projekt unter dem Namen “Public Spaces Incubator“, konkrete Einzelheiten sind bisher kaum bekannt. Das Projekt soll allerdings kostenfrei sein, kommerzielle Aspekte würden keine Rolle spielen. Stattdessen ginge es darum, online-basierte Lösungen zu entwickeln, um „bürgerliches Engagement und den demokratischen Diskurs im digitalen Raum abseits von Hasskommentaren und zunehmender Desinformation zu ermöglichen.“

ZDF-Intendant Norbert Himmler betonte, man wolle „unabhängige und faktenbasierte Kommunikationsräume in der digitalen Welt“ aufbauen. Ziel sei es, diese digitale Welt nicht mehr nur US-amerikanischen Unternehmen und Plattformen zu überlassen. Maßgeblich unterstützt werden die vier Rundfunkhäuser dabei von der Organisation New_Public, einem Zusammenschluss der US-Organisation NCoC aus Washington, DC, die seit 1953 vom US-Kongress unterstützt wird, und der Medienabteilung der Universität von Texas in Austin. Damit dürfte dem ZDF sicherlich problemlos der Aufbau einer neuen digitalen Plattform ohne amerikanische Einflussnahme wie gewünscht gelingen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

rbb24Zwei Verletzte bei Messerangriff vor queerfreundlicher BarBerliner MorgenpostFU Berlin: Immer wieder Hakenkreuze und queerfeindliche AttackenDER STANDARDBirgit Minichmayr, die ergebene Zofe der "Blutgräfin"Berliner MorgenpostProfi-Volleyballer aus Japan outet sich: „Ich hatte seit meiner Kindheit Angst“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung