Direkt zum Inhalt

Show oder echter Wille? Kirche in Rom lehnt Reformwunsch eisern ab

Von ms - 26.09.2022 - 10:30 Uhr
Bischöfe beraten erneut über Reformen
Foto: IMAGO / Arnulf Hettrich
ANZEIGE
Loading audio player...

Einmal mehr stehen Fragen rund um eine mögliche Reform der römisch-katholischen Kirche ab heute bei der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda im Mittelpunkt der Gespräche. Indes, einen wirklichen Neu-Anfang oder auch nur eine ernsthafte neue Ausrichtung erwarten immer weniger, auch wenn der Vorsitzende der Versammlung, Bischof Georg Bätzing, einmal mehr betonte, wie wichtig er neue Richtlinien für die Kirche halte, zum Beispiel auch und gerade im Umgang mit Homosexuellen und Frauen. Erst vor knapp zwei Wochen war die vierte Synodalversammlung mit sehr gemischten Ergebnissen zu Ende gegangen – während die deutliche Mehrheit der Mitglieder der Versammlung für ein gemeinsam erarbeitetes Grundlagendokument zur Sexualethik votiert hatte, erreichte das Dokument unter den deutschen Bischöfen nicht die benötigte Zweidrittel-Mehrheit.  

Der sogenannte Synodale Weg sorgte zuletzt immer wieder für zahlreiche, zum Teil sehr hitzige Debatten innerhalb der Machtstrukturen der Kirche. Nach schwierigen Gesprächen konnten sich die Teilnehmer darauf einigen, dass künftig keinem Homosexuellen mehr der Zugang zu kirchlichen Ämtern verwehrt werden solle – mit Sicherheit auch ein Erfolg der #outinchurch-Initiative zu Beginn des Jahres. Zudem solle ein Beratergremium ins Leben gerufen werden, um eine Neubewertung von Homosexualität einzuleiten. Immer wieder im Gespräch sind so auch Segnungen von homosexuellen Paaren. So sehr mögliche Reformen auch sinnvoll sind, so sehr werden sie auch vom Oberhaupt der Kirche selbst, Papst Franziskus, sowie der Kirchenleitung in Rom bis heute eisern und strikt abgelehnt. Mehrfach wurden liberale deutsche Bischöfe auch bereits ermahnt, sich an die Lehren der Kirche zu halten und keine weiteren Veränderungen anzustoßen. Im November will Limburgs Bischof Bätzing deswegen nach Rom reisen, um direkt mit dem Papst mögliche Reformen zu besprechen. Eine wirkliche Neujustierung gerade mit Blick auf Homosexuelle erwartet allerdings kaum jemand.

So wirken alle Reformideen, die bisher nur Vorschläge sind, zwar schön, aber letztlich wirkungslos, denn eine Unterstützung von Seiten der obersten Kirchenführung wird mit größter Wahrscheinlichkeit ausbleiben. Bleibt es also bei einem reinen Sturm im Wasserglas? Mitnichten, denn immer wieder wird hinter vorgehaltener Hand auch über eine Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche gesprochen – die deutschen Bischöfe könnten sich theoretisch von Rom entsagen und eine liberale eigene Kirche in Deutschland aufbauen. Kleinere Abspaltungsprozesse gab es in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche immer wieder, die berühmteste bleibt natürlich jene von Martin Luther vor rund fünfhundert Jahren. Ob der Wille dafür aber mehrheitlich unter den deutschen Bischöfen vorhanden ist, darf bezweifelt werden, wenn sie es nicht einmal schaffen, sich über eine neue Sexualethik zu einigen. Wahrscheinlicher bleibt, dass nach all den Gesprächen und angedachten Reformen nach einem Machtwort aus Rom alles so bleibt wie es ist. Weitere Themen bei der Deutschen Bischofskonferenz sollen übrigens auch einmal mehr die Missbrauchsskandale sein – auch hier beweist die Kirche bis heute, wie wenig sie für eine tatsächliche Veränderung, ein Umdenken gar, bereit ist.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDHomophobe Hassdelikte: Fast jeden Tag ein FallBerliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-HirschgeweihAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung
„Glee“-Stars kehren zurück

Diese Stars sind wieder dabei

Die Musicalserie „Glee“ bekommt eine Neuauflage bei Disney+ und Hulu. Die ersten Stars der Originalbesetzung haben jetzt ihre Rückkehr bestätigt.