Direkt zum Inhalt

Schock in Kasachstan Anti-LGBTIQ+-Gesetz soll bald in Kraft treten

Von ms - 10.11.2025 - 11:00 Uhr
Schock in Kasachstan
Foto: iStock / Juanmonino
ANZEIGE
Loading audio player...

Erst letzte Woche verabschiedete das Parlament in Kasachstan ein neues Gesetz, dass sich gegen „LGBTIQ+-Propaganda“ wendet – klares Vorbild scheint dabei Russland zu sein. Jetzt wurde intern offenbar grünes Licht für das Vorhaben auch von Präsident Qassym-Schomart Kemeluly Toqajew übermittelt. Damit dürfte das Gesetz zeitnah in Kraft treten, sobald es vom Präsidenten unterschrieben wurde. Queere Verbände zeigen sich erschüttert. 

Ablenkung von echten Problemen

Eine Gruppe von namhaften LGBTIQ+-Aktivisten vor Ort hat sich jetzt in einer Konferenz an die Weltpresse gewandt und bestärkt, dass das neue Gesetz „unmenschlich und homophob” sei. Außerdem: „Wir sind bereits mit Hass konfrontiert, und diese Gesetze schüren noch mehr Hass gegen LGBT-Menschen. Sie dienen als Ablenkung von anderen staatlichen Problemen. Das Thema LGBT ist dafür sehr praktisch. So hat es auch in Russland angefangen. Das ist ein unmenschliches Gesetz”, erklärte so Temirlan Baymash.

Und die Aktivistin Zhanar Sekerbayeva betonte: „Ich spüre die Angriffe auf die LGBTQ-Gemeinschaft und meine Familie. Dennoch wurde kein einziger Mann dafür strafrechtlich verfolgt. Als eine der gefährdeten Gruppen spüren wir erneut die Intrigen der Abgeordneten, die die russische Politik widerspiegeln. Wir glauben, dass solche Gesetze verfassungswidrig sind. LGBT ist keine Propaganda und auch keine Ursache für Katastrophen. Jugendliche sterben aufgrund von Stigmatisierung, aber das Gesundheitsministerium hat seinen Bericht dazu zuvor gelöscht. Es ist uns jedoch gelungen, einen Screenshot davon zu machen und ihn zu speichern.“

LGBTIQ+ als „Abweichung der Norm“

Kritik kommt auch von Menschenrechtsvereinen und Bürgerrechtsaktivisten wie beispielsweise Tatiana Chernobyl – das neue Gesetz sei demnach ein „direkter Versuch, Feindseligkeit gegenüber der LGBT-Gemeinschaft zu institutionalisieren”. Die Grundlage für die Gesetzesänderungen seien dabei nicht nur „unwissenschaftlich“, sondern „widersprechen auch den verfassungsrechtlichen und internationalen Menschenrechtsverpflichtungen Kasachstans“. Die Abgeordneten, die das neue Gesetz unterstützen, leugneten dabei die „Existenz sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität als legitime menschliche Eigenschaften“ und halten diese indes für „Abweichungen von einer sogenannten Norm“.

Der Rechtsexperte Sarsen Aubakirov schloss sich diesen Bedenken an und erinnerte die Gesetzgeber daran, dass „die kasachische Verfassung die Gleichheit vor dem Gesetz garantiert und jede Diskriminierung aufgrund der Herkunft, des sozialen Status oder anderer Merkmale verbietet“. Sollte das Gesetz in Kraft treten, sei es daher ein Fall für das Verfassungsgericht. Diese Einschätzung vertritt auch das Internationale Büro für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in Kasachstan.  

Ein Gesetz zum „Schutz der Kinder“

Das Gesetz soll sich im Kern gegen Personen mit „nicht-traditioneller sexueller Orientierung“ richten, dabei werden explizit homosexuelle Partnerschaften benannt und mit Pädophilie gleichgesetzt. „Werbung“ für solche Lebensweisen werden dann in Medien und online verboten werden.  Das neue Gesetz solle so verhindern, dass „solche Ansichten“ bei Kindern „gefördert“ werden würden, so das erklärte Credo der Befürworter. Als Strafmaß sind Geld- und Haftstrafen vorgesehen. In der ehemaligen Sowjetrepublik ist Homosexualität seit 1998 legal, unterliegt aber bis heute einem großen Tabu. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

MOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenBILD„Wird man nicht los“ - Ex-DFB-Stürmer äußert sich zu Homophobie-EklatDie PresseKanadierin Anne Carson erhält Literaturnobelpreis: Ein oft kryptisches Werk, betörend schönBR24Niedrigwasser: Bodensee-Wasserstand nicht mehr ablesbarAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Alfie Watts ist bisexuell

Outing von britischen TV-Liebling

Der britische TV-Star Alfie Watts hat sich erstmals öffentlich als bisexuell geoutet. Der 23-Jährige sprach zudem auch über seine Ängste.
David Furnish will HIV stoppen

Ende der Übertragungen bis 2030?

David Furnish sieht die medizinischen Voraussetzungen für ein Ende neuer HIV-Übertragungen erfüllt. Doch Diskriminierung bleibt ein Hindernis.
Aus Trauer wurde Hoffnung

Pulse-Überlebender erinnert sich

Zehn Jahre nach dem Anschlag auf den Pulse-Nachtclub erinnert Brandon Wolf an seinen ermordeten Freund Drew und hilft LGBTIQ+-Jugendlichen.
Coming-Outs am Dom

Besondere Aktion in Köln

Zum internationalen Coming-Out-Tag erzählen 100 LGBTIQ+-Menschen vor dem Kölner Dom ihre persönlichen Geschichten – und laden zum Zuhören ein.
Karlsruhe stoppt Freikirche

Keine Anerkennung für ICF

Nach massiven Protesten gegen queerfeindliche Positionen verweigert Karlsruhe der Freikirche ICF die Anerkennung als Jugendhilfeträger.
Mysteriöser Tod auf Sizilien

Leichenfund bei queerem Treffen

Der Tod einer 35-jährigen nicht-binären Person bei einem queeren Anarchisten-Treffen auf Sizilien gibt Rätsel auf. Ermittler prüfen mehrere Ursachen.
Empörung über Ugandas Minister

Homophobe Aussagen in der Kritik

Ugandas Gesundheitsminister bezeichnet Homosexualität als „nicht afrikanisch“. Menschenrechtsaktivisten kritisieren seine Aussagen scharf.
Über 500 Homo-Ehen in Polen

Immer mehr Paare nutzen EU-Urteil

In Polen sind inzwischen 516 im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen registriert – trotz anhaltender politischer Widerstände.
Michael Kearns ist tot

Aids-Aktivist stirbt mit 76 Jahren

Der schwule Schauspieler Michael Kearns ist mit 76 Jahren gestorben. Er kämpfte gegen HIV-Stigmatisierung und für homosexuelle Sichtbarkeit.