Direkt zum Inhalt
Neue Regeln beim Dating

Neue Richtlinien beim Dating Verpflichtende Altersverifikationen für alle schwulen Dating-Apps

ms - 25.07.2025 - 16:00 Uhr
Loading audio player...

In Großbritannien ist heute ein neues Gesetz in Kraft getreten, das mehr Sicherheit und Schutz für Jugendliche zum Ziel hat. Bevor Nutzer künftig auf Dating-Apps wie Grindr oder Scruff zugreifen können, müssen sie eine Altersverifikation durchlaufen. Gleiches gilt für jedweden Besuch von Homepages mit expliziten sexuellen Inhalten sowie natürlich ebenso bei Pornoseiten. Auch Touristen, die auf der Insel Urlaub machen, sind davon ab heute betroffen. 

Altersverifikationen in Europa

In Deutschland wird ein ähnliches Vorgehen bereits seit geraumer Zeit diskutiert, einhergehend auch mit Social-Media-Verboten für Unter-16-Jährige. In einigen US-Bundesstaaten ist die Altersüberprüfung bereits Fakt. In mehreren EU-Länder (Dänemark, Frankreich, Spanien, Griechenland, Italien) begann Mitte Juli der Testlauf für solche Alterschecks, danach soll das Verfahren europaweit eingeführt werden, ab Ende 2026 auch in Deutschland. Die neuen Maßnahmen sind Teil der Umsetzung des Digital Services Acts (DSA), der großen Internetplattformen strengere Auflagen macht. Der britische Safety Act verlangt dabei von allen Online-Usern, sich mittels Personalausweisen und Foto zu verifizieren. 

Grindr startet Alterskontrollen 

Der schwule App-Anbieter Grindr reagierte bereits auf die neuen Richtlinien und erklärte seinen Kunden, die Daten würden verschlüsselt übermittelt werden und zudem nur für den Altersnachweis verwendet – anschließend erfolgt die Löschung. Die Dating-Plattform benutzt dazu eine biometrische Verifizierungstechnologie namens FaceTec, wobei die Daten und Bilder der Nutzer außerhalb von Grindr verarbeitet werden. Das Verfahren klingt sicher, mancherorts in der britischen Gay-Community besteht allerdings noch Skepsis, denn gerade Grindr hat eine eher unrühmliche Vergangenheit, wenn es um das Thema Datenschutz geht.

Kritik von Unternehmen und queeren Vereinen 

Andere Anbieter wie Pornhub sehen das Verfahren sehr kritisch, aus Protest haben sie in den USA bereits in mehreren Bundesstaaten die Webseite ganz offline gesetzt. Das Unternehmen betonte dabei, dass es sich nicht gegen den Jugendschutz ausspreche, aber die Verantwortung darüber mehr in den Händen der Eltern sieht, denn auch die aktuellen Verifizierungsprogramme können leicht umgangen werden, beispielsweise mittels einer verschlüsselten Verbindung zwischen dem Gerät des Users und dem Internet, VPN genannt. 

In Großbritannien äußerten außerdem einzelne Verbände aus der Community bereits die Befürchtung, dass dadurch gerade jene Menschen vom schwul-lesbischen Dating-Leben abgehalten werden könnten, die Angst vor einem Coming-Out haben und bisher anonym online gegangen sind. Ähnlich kritisch sehen das auch LGBTIQ+-Verbände anderenorts, die Kernbedenken sind dabei, dass Angebote rund um die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität künftig womöglich auch hinter einer Altersschranke verschwinden werden und für viele Jugendliche dann nicht mehr abrufbar sind. Es drohe so erneut Diskriminierung und Vereinsamung. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Vermehrt Angriffe auf LGBTIQ+

US-Journalist ist Stimme für Queere

Der bekannte US-Journalist Don Lemon hat sich jüngst erneut als unverkennbare Stimme für die Rechte der queeren Community positioniert.
Maskenbeschaffung in Kritik

Kein hinreichender Anfangsverdacht

Das Ermittlungsverfahren gegen Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn im Zusammenhang mit dem Kauf von Masken während Corona ist beendet worden.
Brandanschlag auf queeren Club

Feuer in Alabama sorgt für Aufsehen

Ein einstmals queerer Club und bis heute Treffpunkt der Community brannte in Alabama komplett ab. Die Vermutung: Brandstiftung. Die Polizei ermittelt.
Pornhub-Sperre in Australien

Nutzer und Community frustiert

Eine neue verpflichtende Altersverifikation sorgt in Australien zur weitestgehenden Sperrung von Pornhub - zum Frust vieler Nutzer.
Mehr Mobbing im US-Eishockey

Ist Heated Rivalry schuld daran?

Alle lieben die schwule Eishockeyserie „Heated Rivalry“?! Nicht alle! In den USA wird jetzt kritisiert, die Serie fördere homophobes Mobbing im Sport.
Klage in Botswana

Lesbisches Paar kämpft für Eherecht

Ein lesbisches Paar kämpft in Botswana um die Ehe für alle und hat wegen Diskriminierung nun Klage eingereicht, christliche Gruppen hetzen dagegen.
Community in Italien geschockt

Vergewaltigung eines 18-Jährigen

Nahe Turin wurde ein 18-Jähriger mittels Grindr in eine Falle gelockt und brutal vergewaltigt. Die LGBTIQ+-Community in Italien steht unter Schock.
Quo vadis Baden-Württemberg?

Reaktion des LSVD+ nach Wahl

In Baden-Württemberg wird Grün-Schwarz wohl weiter regieren; was bedeutet das für LGBTIQ+? Der LSVD+ blickt mit gemischten Gefühlen aufs Wahlergebnis.
Große Sorge in Slowenien

Wie weiter nach der Wahl?

Ende März wird in Slowenien ein neues Parlament gewählt. Mit Sorge blickt die queere Community auf die jüngsten Prognosen, droht ein Rollback?