Direkt zum Inhalt
Budapests Bürgermeister: Ermittlungen nach Pride-Parade

Strafe, weil er CSD zuließ? Budapests Bürgermeister: Ermittlungen nach Pride-Parade

mr - 12.12.2025 - 13:30 Uhr
Loading audio player...

Der Bürgermeister von Budapest, Gergely Karácsony, sieht sich mit strafrechtlichen Ermittlungen konfrontiert, weil er die Pride-Parade im Juni 2025 ermöglicht hat. Die ungarische Polizei empfiehlt seine Anklage, nachdem bei der 30. Ausgabe des Prides rund 300.000 Menschen friedlich durch die Hauptstadt zogen. Diese Entwicklungen werfen ein schlechtes Licht auf den wachsenden Druck der Regierung gegenüber der LGBTIQ+-Community, nur wenige Monate vor den richtungsweisenden Nationalwahlen.

 

Ungarn: Justiz als politisches Werkzeug

Das Verfahren gegen Karácsony folgt auf das Verbot von Versammlungen zum Schutz „traditioneller Werte“. Premierminister Viktor Orban hatte die Parade zuvor öffentlich als „schändlich“ bezeichnet. Obwohl der Marsch aufgrund einer kommunalen Erklärung als städtische Veranstaltung galt, beantragte die Polizei Anklage wegen Organisation und Förderung einer verbotenen Demonstration. Bei Verurteilung droht Karácsony bis zu einem Jahr Haft. Die Anklage trifft nicht nur den Bürgermeister: Bereits wenige Wochen zuvor war Géza Buzás-Hábel, der Organisator des Pécs Pride, ins Visier der Behörden geraten.

Internationale Organisationen wie ILGA-Europe warnen vor einer weiteren Erosion demokratischer Rechte in Ungarn. Angesichts des Behördenvorgehens fordert die Europäische Kommission, Ungarns Einhaltung der EU-Grundrechte strenger zu überwachen.

 

Verteidigung von Meinungsfreiheit und Sichtbarkeit

„Die Polizei hat die Ermittlungen gegen mich mit der Empfehlung auf Klageerhebung abgeschlossen. Ich halte die Vorwürfe für absurd - die Stadt hat das Recht, ihre Räume für beliebige Veranstaltungen zu öffnen. Ich bin stolz, für die Freiheit Budapests einzustehen.“ — Bürgermeister Gergely Karácsony auf Facebook

Scharfe Kritik kam auch von der European Pride Organisers Association, die das Vorgehen der Polizei als Versuch wertet, das Recht auf Versammlungsfreiheit einzuschränken. Laut Amnesty International wurden ähnliche Fälle innerhalb der EU bislang nur in Russland und der Türkei dokumentiert – ein alarmierendes Novum für ein EU-Land.

 

EU reagiert: Rechtsstaat versus politische Willkür

Die Europäische Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn eingeleitet, nicht nur wegen der Einschränkungen friedlicher Versammlungen, sondern auch hinsichtlich jüngster Eingriffe in Medienfreiheit und Wirtschaftstätigkeit. EU-Vertretungen mahnen an, dass Versammlungsfreiheit zu den Grundwerten der Union gehört.

Karácsony und andere Befürworter demokratischer Rechte sehen ihr Engagement im Kontext eines breiten Kampfes für menschenrechtliche Standards. Unklar bleibt jedoch, wie weit die Regierung bereit ist, Druck zu machen, um Opposition und Minderheiten mundtot zu machen.

Wohin steuert Ungarn, wenn das Versammlungsrecht zur Strafsache wird? Beobachterinnen und Beobachter dürften die nächsten Schritte der Justiz und ihre Folgen für die gesellschaftliche Vielfalt im Land mit besonderem Interesse verfolgen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

"Homosexuelle oft Mutigste"

Starke Rede von Ex-Bundespräsident

Ex-Bundespräsident Christian Wulff ruft dazu auf, dass sich die Mehrheit der Gesellschaft aktiver für Rechte der queeren Community, engagieren müsse.
Juristischer Wendepunkt

Deutliche Worte für Grundrechte

Der EuGH hat entschieden, alle Mitgliedsstaaten müssen die Geschlechtsidentität von trans* Bürgerinnen und Bürgern rechtlich anerkennen.
Hass wegen Fingernagellack

Fußballprofi massiv beschimpft

Borja Iglesias, Stürmer von Celta Vigo mit bunten Fingernägeln, sah sich erneut massiven homofeindlichen Anfeindungen ausgesetzt,
Preissegen für Heated Rivalry

Gewinner bei den Queerties Awards

Die schwule Hit-Serie "Heated Rivalry" wurde bei den Queerties Awards als Bestes Drama ausgezeichnet. Einen zweiten Preis gab es für François Arnaud.
Schwule und bisexuelle Wähler

Trotz diskriminierender Politik

Nigel Farages Reform UK ist laut einer aktuellen Umfrage die bevorzugte Partei unter schwulen und bisexuellen Männern im Vereinigten Königreich.
Attacke auf queere Autofahrer

Kansas zieht Führerscheine ein

Binnen von rund zwei Wochen wurden in Kansas über 1.700 Führerscheine von trans* Personen aufgrund ihres Geschlechtseintrags für ungültig erklärt.
Urteilsspruch in Kenia

Haftstrafe mit Signalwirkung

Besonderes Urteil in Kenia: Zwei Männer wurden jetzt zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie zwei Schwule ausgeraubt und missbraucht haben.
Russlands perfide Spionage

Handys aus der Ukraine im Visier

Russland weitet seine Überwachung der queeren Community aus und sucht jetzt auf ukrainischen Handys in besetzten Gebieten nach LGBTIQ+-Hinweisen.
Aktionsplan in Frankfurt

Unterstützung der queeren Community

Ein neuer Aktionsplan mit über 170 Maßnahmen soll die LGBTIQ+-Community in Frankfurt am Main stärken, die Stadt soll zur "queeren City" werden.