Neue Hetze in der Türkei TV-Produktion kämpft gegen queeren Aktivismus
Das türkische Staatsfernsehen TRT hat auf seiner Streamingplattform tabii eine mehrteilige Produktion veröffentlicht, die sich offen gegen LGBTIQ+-Menschen richtet. Die als „Dokumentation“ angekündigte Reihe trägt den Titel „Gökkusagi Fasizmi“ („Regenbogenfaschismus“). Der Sender gibt an, sich mit dem Format gegen einen aus seiner Sicht „ideologischen Einfluss von LGBTIQ+-Aktivismus“ und gegen angebliche „Angriffe auf traditionelle Familienwerte“ zu wenden.
Direkte Attacke auf queere Menschen
In dem veröffentlichten Trailer ist ein Elefant mit regenbogenfarbenem Rüssel zu sehen, der ein gläsernes Kinderzimmer zerstört. Dazu heißt es aus dem Off: „Hört ihr das? Das sind die Schritte des Faschismus“. In weiteren von TRT verbreiteten Ausschnitten, unterlegt mit dramatischer Musik, werden Zitate internationaler Gesprächspartner eingeblendet. Darin wird unter anderem vor „Männern im Frauensport“ gewarnt, die „Transgender-Bewegung“ als „institutionalisierter Kindesmissbrauch“ bezeichnet sowie behauptet, Geschlechtsangleichungen seien ein Trend.
TRT-Generaldirektor Mehmet Zahid Sobaci erklärte dazu auf X: „Wir entlarven einen ideologischen Komplex, der einen Kreuzzug gegen die Institution der Familie führt, der unsere Kinder und Werte ins Visier nimmt“. Die TV-Reihe dürfte ganz dem Willen von Präsident Recep Tayyip Erdogan entsprechen, der im letzten Jahr verstärkt gegen die LGBTIQ+-Community vorgegangen ist und erklärte, die Familie müsse vor „perversen Ideologien“ geschützt werden. Ein radikales Anti-LGBTIQ+-Gesetz scheiterte allerdings vorerst im Parlament.
Kritik von Menschenrechtsvereinen
Die Menschenrechtsorganisation KaosGL verurteilte die Produktion als „hasserfüllt“, Yildiz Tar vom Verein kritisierte zudem die Finanzierung mit öffentlichen Geldern: „Wenn sie irgendwo öffentliche Mittel verschleudern wollen, sollten sie sich mal umdrehen und auf die echten Probleme der Menschen schauen. Aber was tut TRT, während das Land inmitten einer Wirtschaftskrise steckt? Sie nehmen das Geld aus unseren Taschen, unsere Steuergelder, und geben es aus, um Sündenböcke zu erzeugen und Hass zu schüren.“ Auch die LGBT+-Kommission der Menschenrechtsorganisation IHD forderte den Sender auf, die Ausstrahlung zu stoppen. Sie sprach von „Hasspropaganda“, die eine Minderheit als „dunkle Gefahr“ darstelle und das gesellschaftliche Zusammenleben weiter belaste.