Direkt zum Inhalt
Ex-Fußballnationalspielerin Anouschka Bernhard ist tot

Mit 55 Jahren verstorben Ex-Fußballnationalspielerin Anouschka Bernhard ist tot

mr - 19.01.2026 - 18:30 Uhr
Loading audio player...

Die deutsche Fußballwelt nimmt Abschied von Anouschka Bernhard: Die frühere Nationalspielerin und langjährige Jugendtrainerin des DFB ist im Alter von 55 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Ihre Todesnachricht wurde über den offiziellen Kanal des DFB-Frauenteams bekanntgegeben. Bernhard hinterlässt eine Lücke im deutschen Frauenfußball, der sie als aktive Spielerin und Trainerin über Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat.

 

Größte Erfolge auf dem Spielfeld

Bernhard debütierte 1989 beim VfL Sindelfingen im Profibereich und wurde rasch eine feste Größe in der Nationalmannschaft. Mit 47 Länderspielen trug sie maßgeblich zum Erfolg der DFB-Elf bei. Ihr sportlicher Höhepunkt war das Jahr 1995: Sie wurde mit Deutschland Europameisterin und Vizeweltmeisterin. Auch auf Vereinsebene feierte sie große Erfolge, unter anderem mit zwei Bundesliga-Titeln und einem DFB-Pokalsieg für den FSV Frankfurt. Bernhard galt als defensivstarke und ebenso spielintelligente Abwehrspielerin.

 

Vorbild als Trainerin und Mensch

Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere blieb Bernhard dem Fußball treu. Zwischen 2011 und 2020 trainierte sie als DFB-Jugendtrainerin und gewann mit den U17-Juniorinnen vier Mal die Europameisterschaft. Ihr Engagement für die Entwicklung junger Talente brachte ihr großes Ansehen. Im Gedenken betont Heike Ullrich, DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball, Bernhards Leistungen als außergewöhnliche Fußballerin, inspirierende Trainerin und wertvollen Menschen. Die große Betroffenheit der Fußballgemeinschaft verdeutlicht ihren bleibenden Einfluss.

 

Mut zur Sichtbarkeit

Bereits 2008 sprach Anouschka Bernhard in einer TV-Reportage offen über ihre Homosexualität. Sie setzte damit ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit von lesbischen Spielerinnen im Profifußball, zu einer Zeit, als Outings im Sport noch Ausnahme waren. Ihr offener Umgang inspirierte viele andere queere Sportlerinnen und Sportler, mit ihrer Identität selbstbewusster umzugehen. Bis heute bleibt die Akzeptanz für queere Identitäten in vielen Sportarten eine Herausforderung, wie aktuelle Studien zur Situation von trans* und lesbischen Personen im Leistungssport zeigen.

 

Ihr Vermächtnis lebt fort

Anouschka Bernhard bleibt als vielseitiges Vorbild in Erinnerung: professionell auf dem Feld, engagiert für die nächste Generation und mutig im öffentlichen Umgang mit ihrer Identität. Ihr Tod wirft die Frage auf, wie der deutsche Fußball künftig Engagement und Sichtbarkeit für queere Menschen weiter stärken kann. Aus dem großen Nachruf spricht Zuversicht, dass ihre Spuren – sportlich wie gesellschaftlich – nachhaltig wirken werden.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Attacke auf queere Autofahrer

Kansas zieht Führerscheine ein

Binnen von rund zwei Wochen wurden in Kansas über 1.700 Führerscheine von trans* Personen aufgrund ihres Geschlechtseintrags für ungültig erklärt.
Urteilsspruch in Kenia

Haftstrafe mit Signalwirkung

Besonderes Urteil in Kenia: Zwei Männer wurden jetzt zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie zwei Schwule ausgeraubt und missbraucht haben.
Russlands perfide Spionage

Handys aus der Ukraine im Visier

Russland weitet seine Überwachung der queeren Community aus und sucht jetzt auf ukrainischen Handys in besetzten Gebieten nach LGBTIQ+-Hinweisen.
Aktionsplan in Frankfurt

Unterstützung der queeren Community

Ein neuer Aktionsplan mit über 170 Maßnahmen soll die LGBTIQ+-Community in Frankfurt am Main stärken, die Stadt soll zur "queeren City" werden.
Rechtsruck in Chile

Kast als Präsident vereidigt

In Chile vollzieht sich mit dem neuen Präsidenten José Antonio Kast ein politischer Rechtsruck, der zum Problem für die queere Community werden kann.
Homosexualität im Senegal

Regierung verdoppelt Haftstrafen

Im Senegal wurden jetzt die Haftstrafen für Homosexualität auf zehn Jahre verdoppelt. Aktivisten befürchten eine neue Welle der Gewalt und Stigmata.
Karriere stark geschädigt

Queere Beschäftigte benachteiligt

Ein bisexueller Wertpapierhändler aus Texas klagt gegen seinen früheren Arbeitgeber JPMorgan und erhebt Vorwürfe wegen Diskriminierung am Arbeitsplatz.
Iran wirft ihnen Verrat vor

Sportlerinnen schweigen bei Hymne

Beim Asien-Cup im Frauenfußball in Australien sorgten die Spielerinnen aus dem Iran mit einer mutigen Geste für internationales Aufsehen.
Prozess gegen Ex-FDP-Politiker

Zusammen 7-Jährigen missbraucht?

Prozessauftakt gegen den ehemaligen FDP-Bundestagsabgeordneten Hartmut Ebbing und eine Lehrerin wegen sexuellem Missbrauch eines Siebenjährigen.