HIV-Diagnose mittels Pflaster Neue Testmethode könnte Neuinfektionen massiv minimieren
Ein internationales Konsortium arbeitet derzeit an einer neuen Testmethode, die den Nachweis von HIV deutlich vereinfachen soll. Statt einer Blutentnahme und der anschließenden Auswertung im Labor könnte künftig ein kleines Pflaster ausreichen, um eine Infektion festzustellen. Das Verfahren soll ohne medizinisches Fachwissen anwendbar sein und mögliche Bedienfehler ausschließen. Koordiniert wird das von der Europäischen Union geförderte Projekt FORTIFIEDx1 von der Katholischen Universität im niederländischen Leuven.
Diagnose mittels Pflaster
Das etwa postkartengroße Pflaster wird auf den Oberarm geklebt. Beim Anbringen dringen feine Mikronadeln schmerzfrei durch die oberste Hautschicht und entnehmen eine sehr geringe Blutmenge. Diese wird innerhalb des Pflasters über mikrofeine Kanäle weitergeleitet, aufbereitet und mithilfe gedruckter Elektronik ausgewertet. Nach rund 15 bis 20 Minuten zeigt das System automatisch das Ergebnis „Positiv“ oder „Negativ“ an.
Das Verfahren soll ohne Labor und ohne speziell geschultes Personal auskommen. Dadurch eignet es sich insbesondere für Regionen mit eingeschränkter medizinischer Infrastruktur, für mobile Einsätze von Gesundheitsdiensten sowie für Krisen- und Katastrophengebiete. Ebenso ein gezielter Einsatz in der sexpositiven Community wäre denkbar. Ziel des Projekts ist die Entwicklung tragbarer Diagnoselösungen, die mehrere Infektionskrankheiten gleichzeitig erkennen können. Neben HIV und Syphilis sollen darunter auch schwere Viruserkrankungen wie Ebola und Lassa fallen.
Schnelle Diagnose für die Community
Bei herkömmlichen Tests vergehen zwischen Blutabnahme und Ergebnis oft mehrere Tage. Diese Verzögerung kann dazu führen, dass Infektionen erst spät erkannt und behandelt werden. Zudem gilt der Zugang zu klassischen Testverfahren vielerorts als Hürde, auch bis heute in der LGBTIQ+-Community. Die neue Technologie soll frühere Diagnosen ermöglichen und damit eine schnellere medizinische Versorgung.
Bei einem positiven HIV-Befund könnte so rascher eine antiretrovirale Therapie eingeleitet werden. Diese senkt die Viruslast, schützt die Gesundheit der Betroffenen und reduziert das Übertragungsrisiko nahezu vollständig. Das Pflaster wäre so auch in Deutschland ein gutes Mittel, um die Zahl jener Menschen zu senken, die HIV positiv sind und nichts von ihrer Diagnose wissen – aktuell sind das nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts rund 8.200 Personen.
Einsatz auch in Europa
Nach Angaben von Anja Haase, Projektleiterin bei der österreichischen Forschungseinrichtung Joanneum Research, lassen sich die Pflaster kostengünstig in großer Stückzahl herstellen. Gegenüber „Futurezone“ erklärte sie, dass Tests in Afrika geplant seien, wo derzeit Krankheiten wie Ebola auftreten. Zugleich könne die Technologie auch für Europa an Bedeutung gewinnen: „Das Projekt wird von der EU gefördert, weil manche dieser Krankheiten, die grundsätzlich eher im Süden vorkommen, durch die Klimaerwärmung potenziell zu uns in den Norden wandern könnten und man gut darauf vorbereitet sein möchte.“
Das Projekt FORTIFIEDx ist bis 2027 angelegt und wird von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus mehreren EU-Staaten getragen. Derzeit befindet sich die Technologie noch in der Entwicklungs- und Validierungsphase. Eine industrielle Fertigung der Pflaster sowie erste klinische Studien stehen noch aus.