Miss Universe Senegal in Haft "Unnatürliche Handlungen" bei Tochter von Anti-LGBTIQ+-Prediger
Die Tochter des bekannten senegalesischen Anti-LGBTIQ+-Aktivisten Mame Makhtar Guèye ist wegen des Vorwurfs von lesbischer Homosexualität festgenommen worden. Zudem werden ihr Drogendelikte vorgeworfen. Fatou Binetou Guèye (25) wurde in dieser Woche gemeinsam mit ihrem Freund und zwei weiteren Personen vor dem Hohen Gericht in Dakar angeklagt. Die 25-Jährige nahm 2024 bei der Miss Senegal-Wahl statt und wurde Zweitplatzierte. Sie ging zudem als „Miss Senegal Univers 2024“ beziehungsweise als Vertreterin Senegals für Miss Universe in die Geschichte ein.
Das Wichtigste im Überblick
- Die senegalesische Polizei hat Fatou Binetou Guèye, Tochter des Anti-LGBTIQ+-Aktivisten und Predigers Mame Makhtar Guèye, festgenommen.
- Guèye wird der Vorwurf von lesbischer Homosexualität gemacht.
- Zudem wurden sie und drei weitere Personen wegen mutmaßlichen Besitzes und Handels mit Kokain angeklagt.
- Ihr Vater fordert trotz der familiären Verbindung eine harte Reaktion der Justiz.
- Die Festnahmen erfolgen vor dem Hintergrund einer zunehmenden Anti-Homosexuellen-Repression im Senegal.
Hass-Welle gegen Homosexuelle
Allen vier Angeklagten werden Drogenbesitz und Drogenhandel vorgeworfen. Die mutmaßlichen Beweise erweckten jedoch nicht den Eindruck eines größeren Drogenhandelsnetzwerks. Die von den Behörden genannten Beweise bestanden demnach lediglich aus vier Gramm Kokain, die sich auf die vier Angeklagten verteilt hätten. LGBTIQ+-Aktivisten gehen eher davon aus, dass die Vorwürfe vorgeschoben wurden. Die angeblichen Beweise bezüglich der lesbischen Homosexualität bestehen aus erotischen Videos, die Ermittler auf dem Mobiltelefon von Guèye gefunden haben sollen. Sie erklärte, sie habe diese aus Neugier heruntergeladen.
In den vergangenen Monaten hat der Senegal eine Anti-Homosexuellen-Welle erlebt, die zu Hunderten von Festnahmen und zur Verabschiedung eines Gesetzes geführt hat, das die Strafen für gleichgeschlechtliche Intimität verdoppelte. Mame Makhtar Guèye, Vizepräsident der senegalesischen islamistischen Anti-LGBTIQ+-Gruppe Jamra, gehört dabei zu den führenden Unterstützern dieser Verschärfungen. Nach Bekanntwerden der Festnahme seiner Tochter änderte er seine Haltung nicht. Stattdessen forderte er die Justiz auf, „beispielhafte Härte“ zu zeigen – einschließlich und insbesondere gegenüber seiner eigenen Tochter.
In die Falle gelockt?
Mehrere senegalesische Medien gehen davon aus, dass Fatou Binetou Guèye sowie ihr Freund R.S. Guissé und die beiden befreundeten nigerianischen Staatsangehörigen K.M. Ogbu und M. Nwafor bewusst in eine Falle gelockt worden sein sollen. Die Polizei stürmte dabei um drei Uhr morgens die Wohnung von Guèye. Bei der Befragung habe Guèye laut Polizeiangaben eingeräumt, dass die sichergestellten Drogen ihr gehörten. Nachdem sie erklärt habe, diese von ihrem Freund erhalten zu haben, habe die Polizei sie angewiesen, bei ihm ein Gramm Kokain zu bestellen und den Partner kurz darauf ebenso festgenommen. Ogbu und Nwafor wurden schlussendlich als mutmaßliche Lieferanten inhaftiert. Die vier Angeklagten wurden daher nun wegen Verschwörung, Besitz und Konsum von Kokain sowie internationalem Handel mit harten Drogen angeklagt.
Guèye wurde zusätzlich wegen lesbischer Homosexualität angeklagt. Laut der senegalesischen Polizei habe man auf dem Mobiltelefon der 25-Jährigen „lesbische Videos entdeckt. Diese kompromittierenden Videos zeigen Frauen, die sexuelle Handlungen ausführen.“ Die Ermittler hätten außerdem eine Nachricht entdeckt, in der die junge Frau jemanden gebeten habe, ihr eine Frau mit einer „schlanken Taille“ zu finden. Guèye habe sich damit dem Tatbestand von „unnatürlichen Handlungen“ strafbar gemacht. Die 25-Jährige soll dazu erklärt haben, sie habe die Videos aus dem Internet aus reiner Neugier heruntergeladen und habe ihren Gesprächspartner nur damit aufziehen wollen, als sie nach einer Frau mit einer schlanken Taille gefragt habe.